Für FreikäuferAls Peloton Rouge ist die Leipziger SPD am 1. September ins Leipziger Stadtradeln gestartet, das noch bis zum 21. September einlädt zum Kilometersammeln. Das Radfahren gehört mittlerweile zu den Politikschwerpunkten in der Leipziger SPD-Fraktion. Und SPD-Stadtrat Matthias Weber ist sichtlich Radfahrer – er kennt einige der Routen, wo man als Radfahrer mitten in Konflikte hinein fährt, ohne daran etwas ändern zu können.

Ursache dafür sind oft Planungen, die 60 Jahre immer nur Autos berücksichtigen mussten. Noch heute dominiert das Kraftfahrzeug alle Planungen. Wenn es um das geht, was OBM Burkhard Jung eigentlich will (und Leipzig zum Überleben braucht), nämlich mehr Umweltverbund, dann merkt man auf einmal, dass das Thema nicht sitzt. Dass aus Autofahrersicht vom Schreibtisch aus geplant wird.

Beispiel dafür ist das im Umweltdezernat ausgedachte „Entwicklungskonzept Clara-Zetkin-Park und Johannapark“, in dem unbedingt eine zentrale Begegnungsmeile Platz finden musste, zu der nicht nur tägliche Radfahrer sagen: „Was für ein Stuss. So etwas denken sich nur Leute aus, die nicht jeden Tag mit dem Rad von Ost nach West unterwegs sind. Leute, die Radfahrer für gefährlich rasende Banausen halten, die man nur dadurch bezähmt, dass man auch Kinder und Rollstuhlfahrer auf die einzige Piste bringt, die Radfahrern ein schnelles Durchqueren des Clara-Zetkin-Parks ermöglicht.“

Auch der ADFC kritisierte die zweite vorgesehene Idee: Einige der großen Parkwege zu Schnellrouten für den Radverkehr zu machen. Obwohl diese Parkwege gerade bei Spaziergängern und Familien beliebt sind. So produziere man gerade erst schmerzhafte Konflikte in der Wirklichkeit.

Aber das tatsächliche Radwegenetz, wie es im Alltag (wo man es fast immer eilig hat) gebraucht wird, hat man einfach ausgeblendet. Auch das hat der ADFC kritisiert. Theoretisch kommen die neuen Radwege am Parkrand vor – aber nur als mögliche Option für später.

Was mittlerweile schon mehrere Änderungsanträge insbesondere aus der SPD-Fraktion nach sich zog. Die hat nicht nur eine Verbesserung des Radwegs von der Industriestraße zur Rennbahnbrücke beantragt (eine echte Vernachlässigungssünde der Verantwortlichen), sondern jetzt auch eine Verbesserung an der Karl-Tauchnitz-Straße gefordert.

Insbesondere hat das SPD-Stadtrat Matthias Weber getan.

Denn wer es eilig hat mit dem Rad, der versucht das gerade an Sonnentagen dichte Gedränge im Park zu meiden – und damit auch völlig unnötige Kollisionen und Unfälle. Der sucht sich Wege am Parkrand.

Weber weiß, wie heute schon die Realität aussieht: „Vor allem der südliche und nördliche Hauptweg durch den Johanna-Park wird intensiv durch den Radverkehr genutzt. Ein Verweilen an diesen Hauptwegen ist durch die hohe Verkehrsbelegung und durch eine massive Staubaufwirbelung kaum möglich. Durch eine geeignete Angebotsplanung sollen mehr Radfahrende des Alltagsradverkehrs animiert werden, Radverkehrsanlagen am Rande des Parks parallel zur Straße zu nutzen.“

Diese Belastung des Johannaparks mit Radverkehr hat auch mit einem anderen Stück Radweg zu tun – dazu kommen wir gleich.

Bessere Radwege an der Lasallestraße und der Karl-Tauchnitz-Straße stehen als Idee schon lange im Raum. Aber an eine Umsetzung denkt die Stadt noch gar nicht. Das möchte Weber aber gern geändert sehen und schlägt als Beschluss vor: „Durch eine entsprechende Angebotsplanung soll der Alltagsradverkehr durch Anreize vermehrt auf öffentlich gewidmete Straßen im Nahumfeld des Clara-Zetkin-Parks mit Ausnahme der Anton-Bruckner- und Max-Reger-Allee geführt werden. – Insbesondere wird der Oberbürgermeister beauftragt, bis Ende 2017 zu prüfen, inwieweit eine Vervollständigung der Radverkehrsanlagen in der Karl-Tauchnitz-Straße möglich (ist, d. Red.). Das Prüfergebnis ist den Ausschüssen Umwelt/Ordnung und Stadtentwicklung/Bau vorzustellen und hiernach in das Teilkonzept 1 Wege und Verkehr zu integrieren.“

Bislang bevorzugen viele Radfahrer lieber die nördliche Wegeführung parallel zur Lassalle-Straße durch den Johannapark zu jenem Ampelübergang über die Friedrich-Ebert-Straße, der direkt zur nächsten Konfliktstelle führt.

Dafür gibt es einen eigenen SPD-Änderungsantrag.

„Der Oberbürgermeister wird beauftragt, eine bauliche Veränderung der Wegeverbindung vom M.-Luther-Ring zur F.-Ebert-Straße, verbunden mit einer Trennung des Rad- vom Fußverkehrs, zu prüfen. Damit einhergehend ist eine Veränderung der Radverkehrsführung am Beginn der Grünanlage am M.-Luther-Ring (aus Fahrtrichtung Lotterstraße). Der Entwurf der Maßnahme wird im Ausschuss Umwelt und Ordnung vorgestellt und hiernach in das Teilkonzept 1 Wege und Verkehr integriert.“

Der Weg durch die kleine Grünfläche zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Martin-Luther-Ring führt direkt auf eine Ampelanlage zu, an der die Radfahrer schräg über die Straße zur Lotterstraße geführt werden. Und zwar richtig viele. Mehr jedenfalls, als der schmale Zuschnitt der Stellfläche zulässt. Zu entsprechend chaotischen Begegnungen kommt es an der Ampel dann mit Fußgängern.

„Die Wegeverbindung Lotterstraße-Grünanlage parallel zur Rudolphstraße/Manetstraße-Johannapark ist eine sowohl vom Fuß- als auch vom Radverkehr stark frequentierte Achse. Häufig kommt es zu Konfliktsituationen zwischen Fußgängern und Radfahrenden, insbesondere am Beginn der Grünanlage, da hier der Radverkehr direkt auf den Fußweg geführt wird“, stellt denn auch die SPD-Fraktion in ihrem Änderungsantrag fest. „Eine nachhaltige Trennung der Verkehre ist aus unserer Sicht dringend notwendig.“

Womit sie doch wieder etwas ins Bild rückt, was die Verwaltung in den Diskussionen um das Konzept zum Clara-Zetkin-Park eigentlich ausblenden wollte: dass sich in diesem zentralen Park die meist frequentierten Radwegeverbindungen der Stadt kreuzen, die auch im Alltag von tausenden Radfahrern genutzt werden. Und das auf einem eher provisorischen und teilweise unlogischen Wegesystem, in dem es jetzt schon viel zu viele Konfliktstellen gibt. Dieses System hätte eigentlich im ersten Schritt entzerrt und mit leistungsfähigen und zukunftsfähigen Routenführungen untersetzt werden müssen. Nur so kann man dafür sorgen, dass der Radverkehr alltagstauglich bleibt und nicht ausgebremst wird.

Und es müssen die Routenführungen über den Clara-Zetkin-Park hinaus angeschaut werden, sonst kommen die ungelösten Probleme binnen weniger Jahre wieder auf den Tisch und der erste Radfahrer im Umweltdezernat stöhnt: „Hätten wir das doch gleich von Anfang an mitbedacht …“

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Das natürliche Radwegenetz für Fahrräder in der Stadt (und nicht nur dort) sind die Straßen! Die gehören nicht den Autos und das muss man auch klar kommunizieren und im Zweifel mit Tempo 30 unterstreichen. Fußwege und Füßgängerübergänge sind jedenfalls nichts für Radfahrer!

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