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Naturkundemuseum – Chamäleon Verwaltung

Von Gastbeitrag von Dieter Deissler, Stadtrat der Freien Wähler

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    Schon 2010 bekennt sich die Verwaltungsspitze in öffentlichen Publikationen zu einem modernen, überregionalen Naturkundemuseum und einer kompletten Sanierung des Gebäudes bis 2012, dem 100-jährigen Jubiläum. Die Feierlichkeit zum 100-Jährigen fand jedoch statt im maroden, zur Hälfte gesperrten Gebäude – ohne Beteiligung der Verwaltung.

    Am 06.01.2014 wird der Direktor des NKM, Dr. Rudolf Schlatter – nach 21-jähriger Dienstzeit – verabschiedet, ebenfalls ohne Anwesenheit des OBM und ohne Anwesenheit des zuständigen Kulturbürgermeisters. Wäre so etwas in irgendeiner der vielen anderen städtischen Einrichtungen denkbar? Niemals! Wertschätzung sieht anders aus.

    Im März 2012 hat der Stadtrat dann einen „Masterplan“ in Auftrag gegeben, der im Mai 2013 den Stadträten übergeben wurde. Im Januar 2016 dann der Ratsbeschluss, dass das Naturkundemuseum seinen jetzigen Ort verlassen und in die Baumwollspinnerei umziehen soll, vorher wurden viele Vorschläge, die von Dr. Schlatter, dem Förderverein des NKM oder unabhängigen Experten für eine Modernisierung und eine zwingend notwendige Erweiterung, ohne jegliche fundierte Tiefenprüfung, kategorisch abgelehnt – ebenso alle Alternativvorschläge für einen neuen zentrumsnahen Standort.

    „Ein älteres Gebäude wartet immer mit Überraschungen auf!“, so wird der Bauexperte der städtischen LESG zitiert, ja das ist ja mal eine Erkenntnis eines Fachmannes! Jetzt, Ende 2018, wird ganz überrascht festgestellt, dass die Halle ja schon 1907 gebaut wurde und dass es sich auch um ein Gebäudedenkmal handele und dieses ja „filigran“ gebaut sei. Und weiter wird berichtet, außer einer „groben“ Baubegehung habe es keine „konkrete“ Voruntersuchung gegeben! Wo gibt es denn so etwas?

    Als einer von 3 Gründen für den jetzigen STOP wird unter anderem die Fluchtwegsituation genannt. Nur, was hat sich diesbezüglich geändert? Nichts, diese Situation ist vom ersten Tag an bekannt! Trotz all dieser Indizien, die jetzt zum Aus des Standortes führen, hat man sich vorher, gegen heftige Widerstände, dafür ausgesprochen.

    Es wird ein langjähriger Mietvertrag abgeschlossen, ohne dass der Mieter vorher prüft, ob die angedachte Nutzung als Naturkundemuseum überhaupt dort möglich ist.

    Seine Vorschläge wurden komplett ignoriert: Der ehemalige Direktor des Naturkundemuseums Dr. Rudolf Schlatter. Foto: Matthias Weidemann
    Seine Vorschläge wurden komplett ignoriert: Der ehemalige Direktor des Naturkundemuseums Dr. Rudolf Schlatter. Foto: Matthias Weidemann

    Ein Sturm der Entrüstung wäre nicht notwendig, wenn sich die Verantwortlichen im Rathaus mit dem Masterplan beschäftigt und Empfehlungen von ausgewiesenen Fachleuten angenommen hätten. Im Masterplan wird sehr dezidiert beschrieben und auch begründet, wie viel Nutzfläche das Museum mit einem überregionalen Anspruch haben muss, dass der Standort zentrumsnah sein sollte und welche Kosten für dieses Museum anfallen.

    Das jetzige Debakel war vorhersehbar. Das teure Gutachten für das NKM wurde ignoriert und wider besseres Wissen anders entschieden. Verwunderlich nur, dass nun die gleichen Aspekte, die seinerzeit gegen den Verbleib am jetzigen Standort gesprochen haben, einvernehmlich und ohne jegliche Selbstkritik, als Vorteil herausgestellt werden. Ein Chamäleon ist heute blau und morgen grün.

    Es gibt keine Entschuldigung für das jetzige Desaster, alle Fakten, alle Daten waren im Masterplan nachlesbar. Fachleute aus der Baubranche, aber auch aus dem Museumsmetier haben diese Expertise in verschiedenen öffentlichen Veranstaltungen, unter anderem in der Volkshochschule, bestätigt und mitgetragen.

    Dass es sich um eine der wichtigsten Bildungseinrichtungen, nicht nur für Kinder und Jugendliche, dieser Stadt handelt, findet nirgends mehr Erwähnung. Im Gegenteil, meine Kinder gehen sowieso ins Belantis, werden Verantwortliche zitiert. Umso wünschenswerter wäre es deshalb, dass sich Kitas, Schulen und auch die Leipziger Elternschaft, nun endlich intensiver in das Geschehen einbringen. Noch kann das Leipziger Naturkundemuseum gerettet werden.

    Für die jetzige Immobilie in der Lortzingstraße 3 wurden bereits Gespräche mit Kaufinteressenten geführt.

    ***

    Unterm Text finden Sie eine Reihe Links zu Beiträgen aus der Zeit 2011 bis 2015 – mit dem für 2012 versprochenen Masterplan, der erst 2014 veröffentlicht wurde, der Untersuchung von sieben Standorten, der Grundsatzentscheidung für den alten Standort an der Lortzingstraße und der dortigen Ermittlung der Bau- und Erweiterungskosten von 10,1 Millionen Euro. Und natürlich dem plötzlichen Schwenk in der Dienstberatung des OBM im Dezember 2015 zur Halle 7 in der Baumwollspinnerei, wo man auf einmal auch für 10,1 Millionen Euro bauen wollte.

    Die Kostenstudien zum Standort Lortzingstraße und zum Bowlingtreff.

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    3 KOMMENTARE

    1. „Dass es sich um eine der wichtigsten Bildungseinrichtungen, nicht nur für Kinder und Jugendliche, dieser Stadt handelt, findet nirgends mehr Erwähnung. Im Gegenteil, meine Kinder gehen sowieso ins Belantis, werden Verantwortliche zitiert. Umso wünschenswerter wäre es deshalb, dass sich Kitas, Schulen und auch die Leipziger Elternschaft, nun endlich intensiver in das Geschehen einbringen.“
      Daß die Kinder lieber ins Belantis gehen, sagt weniger über die Kinder, als alles über deren Eltern. Daß diese verantwortliche Positionen in der Verwaltung und Politik wundert nicht wirklich, erklärt Vieles. Zum Beispiel auch, daß die Kinder nicht nur Belantis besuchen sondern auch von Lehrern schulklassenweise durch den Schautagebau am Merkkleeberger See geschleift werden, wo ihnen die Notwendigkeit des Braunkohleabbaus eingetrichtert wird.
      Insofern wird der geäußerte Wunsch ungehört verhallen. Diese Eltern sind übrigens nicht den sogenannten bildungsfernen Schichten zugehörig.

    2. Ersetzt man das Thema durch:
      Kita, Schule – ein ähnlicher Text.
      sogenanntes „WTNK“ – ein ähnlicher Text
      Auwald – ein ähnlicher Text

      Arrogant, selbstherrlich in der üblichen Über-/Unterordnungsmanier.

      „Ich kann ohnehin nichts ändern! Politiker machen sowieso was sie wollen!
      Ist das wirklich so? Nein!“ – Doch Herr Deissler, es ist so. Und es ist unauflösbar, wenn Politik und Verwaltung als Einheit handeln und wahrgenommen werden.
      Die Fraktion, der Sie sich angeschlossen haben, hebt sich nicht sonderlich ab.

    3. Das sieht alles nicht gut aus für’s Naturkundemuseum. Es wurde bisher nicht gewollt und warum sollte sich das jetzt ändern? Eine Chance auf einen Neuanfang kommt erst mit einem neuen OBM, der sich damit ein Denkmal setzen könnte, wenn es dann noch nicht zu spät ist.

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