Reichen die Fahrradbügel in der Innenstadt? Reichen sie nicht? Wenn viel Betrieb ist, reichen sie natürlich nicht. Und wenn der Anteil der Radfahrer steigt, sowieso nicht, denn durchfahren dürfen sie ja in der Geschäftszeit nicht. Also brauchen sie am Eingang der Innenstadt Abstellbügel. Da gibt es zwar schon einige. Aber am Eingang der Petersstraße fehlen trotzdem noch welche, findet das Jugendparlament und beantragt welche gleich am Merkurhaus.

Da gibt es zwar schon einen Mobilitätspunkt der LVB und einen Carsharing-Stellplatz. Aber Abstellmöglichkeiten für die steigende Zahl von Fahrrädern gibt es nicht genug.

„Aufgrund der Einzelhandelsgeschäfte kommt es an der südöstlichen Seite des Merkurhauses zu einem erhöhten Aufkommen von Kundschaft mit Fahrrädern. Leider gibt es an dieser Stelle am Beginn der Petersstraße keine Fahrradbügel und die Kundschaft ist gezwungen, die Räder lose abzustellen“, beschreibt das Jugendparlament die vorgefundene Situation.

„Leider werden die Bügel an der südwestlichen und Nordseite des Hauses der Nachfrage nicht gerecht. Fahrradbügel werden auch die Räderanzahl auf dieser Fläche im Vergleich zur aktuellen Situation erhöhen. Aus diesen Gründen muss hier Abhilfe geschaffen werden.“

Ein Konzept, das bis heute Stückwerk ist

Es ist nur eine von vielen Stellen, an denen sich bemerkbar macht, dass auch das gesamte 2012 vom Stadtrat mit dem Radverkehrsentwicklungskonzept beschlossene Thema Fahrradstraßenring in der Innenstadt bis heute Stückwerk geblieben ist. Ausgeschildert wurden bislang nur die Abschnitte Dittrichring und Große Fleischergasse – auch wenn Fahrradfahrer dort oft genug weiterhin das Gefühl haben, nur die zweite Geige zu spielen, wenn Autofahrer hier ihre Parkplätze suchen.

Am Brühl ist die Entwicklung ganz und gar in eine andere Richtung gelaufen, wurde eine Fußgängerzone ausgewiesen, sodass von Fahrradstraße weder auf dem westlichen noch dem östlichen Brühl die Rede sein kann. Der östliche Brühl gehört sowieso noch immer dem Kraftverkehr. Die Schillerstraße wurde teilberuhigt, die Goethestraße wenigstens mit Radstreifen versehen.

Bremse statt Boomtown

Jede Menge Stückwerk, das deutlich macht, dass ein stabiler Radstraßenring in Teilen der Verwaltung eher ungewollt ist. Die Tatsachen sprechen für sich – bis hin zu den nicht nur am Merkurhaus fehlenden Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Auch die angrenzende Markgrafenstraße ist noch nicht als Fahrradstraße ausgewiesen, obwohl das ebenso schon 2012 beschlossen wurde.

Was den Radverkehr betrifft, ist Leipzig jedenfalls keine Boomtown, schon gar kein Vorbild für andere Städte. Eher eine Stadt der Bremser.

Und so beantragt das Jugendparlament jetzt wieder ein Stück für den Fahrradring: „Die Stadt Leipzig wird bis zum Ende des 4. Quartals 2022 beauftragt, an der südöstlichen Seite des Merkurhauses Fahrradbügel aufzustellen.“

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Es gibt 4 Kommentare

Also “bequem zu jedem Ort” in der Stadt würde ich nicht unterschreiben.
Einfach mal nur die Stadt queren wollen, vom Augustusplatz zur Thomaskirche. Man mogelt sich durch das erste Stück Grimmaische Straße, kann dann in der Ritterstraße auf dem Pflaster entlang rütteln, über den Nikolaikirchhof, Schuhmachergässchen, Salzgässchen, Markt dann links. Unterwegs sehr viele Fußgänger, mit denen man sich die Straße teilt.

Die Variante “Spielpark am Gewandhaus”, entschleunigte Schillerstraße, Burgplatz wurde ja bereits gut beschrieben.

Alles in allem eher schlecht für Radfahrer.

Übrig bliebe dann wirklich nur die Option Umweg bis zum Brühl bzw. das Radfahren auf dem Ring. Aber das finde ich, genauso wie Fahrradstraßen, unfair.
Der motorisierte MIV-Fahrer benötigt keine Kalorie mehr, wenn er einen Umweg über den Ring fährt.
Aber gerade Radfahrer, welche unter Nachhaltigkeitsaspekten die beste Verkehrsart darstellen, auch noch große Umwege fahren zu lassen, empfinde ich als Arschtritt.

In der Stadt sollte es bessere Radquerungsmöglichkeiten geben.
Wenn man diese bisher aus Unfähigkeit oder Untätigkeit verbaut hat, dann muss man das halt korrigieren.

Die Erreichbarkeit der Innerstädtischen Ziele ist grundsätzlich gegeben und gerade die Fahrradparkmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Die angestrebte Erhöhung des Radverkehrsanteil wird sich jedoch nur einstellen, wenn Radfahren in jedem Alter als zügig, sicher und bequem empfunden wird.

Zügig kommt man in der Innenstadt oft nur unter Missachtung der Regeln zur Schrittgeschwindigkeit voran, was dazu beiträgt, dass sich zu Fuß gehende zuallererst vom Radverkehr bedroht fühlen (vgl. z.B. kommunale Bürgerumfrage 2018). Auch objektiv gibt es in Sachen Sicherheit deutlich Vierbesserungsbedarf, vgl. https://unfallatlas.statistikportal.de/ (insbes. Unfälle mit Personenschäden, hohe Dunkelziffer bei leicht Verletzten). Zum bequemen Radfahren gehört auch, über eine Gesprächsdistanz nebeneinander fahren zu können, ohne immer wieder abbremsen und ausweichen zu müssen – tagsüber selten möglich.

Allein komme auch ich in der Innenstadt gut, wenngleich selten bequem, klar. Aus insgesamt ca. 15 Jahren Radfahren mit Kindern aber verbinde ich die Innenstadt mit höchster Anspannung, vielen Gefahrenbremsungen und Fast-Unfällen, teils Anhalten und Schieben, gerade wenn die Ziele vom Grimmaischen Steinweg kommend irgendwo im Norden liegen.

Naja, der Druck ist ja eigentlich nicht so hoch. Wenn man ehrlich ist, und das ganze “wir wollen das aber endlich so, die haben es uns versprochen!!!11” weglässt, dann kommt man ja eigentlich bequem zu jedem Ort der Innenstadt mit dem Rad. Mir gehts so, Freunden geht es so. Ich weiß oft nicht woher diese Empörtheit über “die Zustände” hier kommt.

Ein innerer Radverkehrsring wurde seit langem diskutiert, z.B. intensiv in der Bürgerbeteiligung zum Stadtentwicklungsplanes Verkehr und öffentlicher Raum (Fortschreibung 2011-2014), und wird immer wieder als Argument gegen Radverkehrsanlagen auf dem Promenadenring ins Felde geführt, tatsächlich gibt es dazu aber nicht einmal ein beschlossenes Konzept.

Ein Konzept zum Radverkehr in der Innenstadt (Beschlusspunkt 11 im Radverkehrsentwicklungsplan 2010-2020), welches bis Mitte 2015 erarbeitet werden sollte, wurde bis heute nicht vorgelegt. Im mit über sechs Jahren Verspätung 2020 vorgelegten Hauptnetz Rad wurde der Innenstadtbereich wieder auf einen separaten Beschluss verschoben. Auch das Mobilitätskonzept für die erweiterte Innenstadt, Teilprojekt im Stadtraumkonzept erweiterte Innenstadt, hat bisher nichts Greifbares hervorgebracht. Lediglich die Radrouten im Sachsennetz Rad (2016) ergeben einen Ring, wenngleich in Teilen noch nicht als bestätigte Führung, vgl. interaktive Karte des ADFC auf https://qgiscloud.com/je_adfc_le/hauptnetz-rad_qgiscloud_3.

Das praktische Verwaltungshandeln indes lässt Radfahrende über weite Strecken wissen, dass sie fahrend nur geduldet und keineswegs willkommen sind: Immer mehr Bereiche eines möglichen inneren Fahrradringes wurden zu Fußgängerzonen, in denen Schrittgeschwindigkeit gilt: der westliche Teil der Schillerstraße, der Burgplatz (verkehrsberuhigter Bereich, auch Schrittgeschwindigkeit), wahlweise Am Brühl bis Katharinenstraße oder Richard-Wagner-Platz. Der gemeinsame Fuß- und Radverkehrsbereich zwischen Moritzbastei und Universität wurde mit Spielelementen so zugebaut, dass es vermehrt zu Behinderungen zwischen Rad- und Fußverkehr kommt. Das bestehende KFZ-Durchfahrtsverbot in der Goethestraße wird nicht durchgesetzt, die Fahrradstraßen sind dysfunktional gestaltet.

Mangels strategischer Planung wurden die Chancen für einen unabhängigen leistungsfähigen inneren Radverkehrsring in den letzten Jahrzehnten nach und nach verbaut. Um so wichtiger ist es, den Promenadenring für den Radverkehr zu ertüchtigen. Der Antrag des JuPa zielt folgerichtig auf den verbleibenden wichtigen Aspekt, die gute Erschließung der Innenstadt als Ziel für Radfahrende. Mit einem inneren Radverkehrsring hat dies aber kaum noch etwas zu tun.

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