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Autoärmere Innenstadt: Neuer Anlauf, mehr City-Straßen zu Fußgängerzonen zu machen

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    Was haben eigentlich Pkw in der Leipziger Innenstadt zu suchen? Das ist ein uraltes Diskussionsthema im Leipziger Stadtrat. Die einzigartige Chance in den 1990er Jahren, wirklich eine autofreie Innenstadt zu konzipieren, hat der damalige Stadtrat verpasst und stattdessen den Weg freigemacht für einen Zwitter, die sogenannte autoarme Innenstadt, in der jeder Schritt, Fußgängern mehr Vorrang einzuräumen, zu einem zähen Ringen wird.

    2020 scheiterte eine Petition nur knapp, die die Herstellung einer autofreien Innenstadt zum Ziel hatte. Und jeder Besuch in der City an einem belebten Wochentag zeigt, das es längst überfällig ist, neben der Petersstraße und der Grimmaischen Straße auch weitere Straßen zu richtigen Fußgängerzonen zu machen, denn Fußgänger dominieren hier, werden aber immer wieder von Autofahrern beiseite gedrängt, die hier nach wie vor Vorrang haben.„Die Intention der Petition vom November 2019, die der Stadtrat am 8. Juli 2020 denkbar knapp mit 30/31/2 Stimmen abgelehnt hat, wird von der Stadtratsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen weiterhin unterstützt“, schreibt die Grünen-Fraktion jetzt in einem neuen Antrag, in dem sie das Thema wieder aufgreift. „Eine attraktive Innenstadt muss weitestgehend autofrei sein.“

    „In den vergangenen Jahrzehnten sind zahlreiche Tiefgaragen und Parkhäuser am Rand und teilweise im Inneren der Innenstadt entstanden. Darüber hinaus ausgewiesene oberirdische Stellplätze sollten ausschließlich dem Andienungsverkehr (Lieferverkehr und Rettungskräfte) dienen. Da dies aktuell nicht der Fall ist, wird regelmäßig in zahlreichen innerstädtischen Straßenabschnitten ein Parksuchverkehr, insbesondere von hochpreisigen und überwiegend auswärtigen Kraftfahrzeugen wahrgenommen.“

    Dabei ist ja durchaus was passiert in Sachen autoarme Innenstadt, wurden etwa Stellplätze zu Ladezonen umgestaltet oder mit Fahrradbügeln bestückt, um die Bedingungen für Radfahrer/-innen zu verbessern. Aber etliche Straßen, die geradezu zum Schlendern und zu Aufenthalt in Freisitzen einladen, sind nach wie vor dem Autoverkehr geöffnet.

    Da kommt man mit den kleinen Schritten der Vergangenheit nicht weiter, da müsse Leipzigs Verwaltung endlich auch einmal Nägel mit Köpfen machen, finden die Grünen. Und beantragen, für sechs Straßen zu prüfen, ob sie „als Fußgängerbereiche ausgewiesen werden können und wie diese für den Radverkehr offenbleiben können. Die Frage der Öffnung für den Radverkehr ist dabei besonders zu würdigen.“

    Eine Straße steht nun seit drei Jahren im Fokus und eigentlich sollte die Verwaltung schon längst geprüft haben, ob und wie die Katharinenstraße in eine Fußgängerzone verwandelt werden kann. Dazu kommen aus Sicht der Grünen aber auch noch die Ratsfreischulstraße, die Burgstraße, die Universitätsstraße (zwischen Grimmaische Straße – Schillerstraße), die Ritterstraße (zwischen Am Brühl – Goethestraße + Nikolaikirchhof) und der Neumarkt (zwischen Grimmaische Straße bis Magazingasse).

    „Das Konzept der autoarmen Innenstadt muss entsprechend weiterentwickelt und gestärkt werden, indem neben dem Andienungsverkehr insbesondere der Fußgänger- und Fahrradverkehr eine weitere und notwendige Stärkung erfährt. Dazu braucht es nicht nur eine restriktivere Beschilderung, sondern einen aktiven Rückbau oberirdischer Stellplätze und mittel-/langfristig eine auch bauliche Umgestaltung von Straßen in Flaniermeilen, Shared Space bzw. Fußgängerzonen“, formulieren die Grünen einen ganzen Strauß von Maßnahmen, mit denen die City für Spaziergänger, Einkäufer und Touristen attraktiver gemacht werden könnte.

    „Dies würde auch der weiteren Stärkung der Innenstadt zugutekommen, dies es insbesondere nach den pandemiebedingten Schließzeiten und zwangsweise verschobenen Einkaufsgewohnheiten benötigt. Für die Einrichtung und Umsetzung weiterer verkehrsberuhigter Bereiche steht beispielgebend der Burgplatz.“

    Und dann ist da ja eindeutig noch das Problem, dass es immer noch keinen lückenlosen innerstädtischen Fahrradring gibt, obwohl die Verwaltung den seit 2012 propagiert und versprochen hat.

    „Der notwendige Lückenschluss des innerstädtischen Fahrradstraßenrings ist dringend geboten“, mahnen die Grünen.

    „Ein Konzept dazu wurde bereits im Rahmen des Radverkehrskonzeptes von 2002 entwickelt. Es wird deshalb Zeit, fast 20 Jahre später die Lücken endlich zu schließen und damit sicheren und attraktiven innerstädtischen Radverkehr jenseits der Bereiche für Fußgängerinnen und Fußgänger zu ermöglichen.“

    Und es geht nicht nur um die Vervollständigung des innerstädtische Fahrradstraßenring, sondern auch darum, wie „jetzt schon bestehende innerstädtische Fahrradstraßen wahrnehmbarer beschildert und abmarkiert werden können“. Und natürlich darum, „ob und wie der Andienungsverkehr weiter gebündelt und konfliktarm abgewickelt werden kann.“

    Denn ihre Trägheit bei der Umsetzung bei Prüfaufträgen in der City begründet die Verwaltung ja immer mit den Notwendigkeiten des Andienverkehrs. Was aber oft wie eine Ausrede klingt, um die privaten Pkw-Besitzer nicht zu verärgern, die ihre City-Wege nicht ohne Auto bewerkstelligen möchten und denen der Weg zur Tiefgarage immer zu weit ist.

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