Die Fahrradbügel am Eingang zur Petersstraße reichen nicht aus, hatte das Jugendparlament in einem seiner jüngsten Anträge festgestellt. Eigentlich doch, meint jetzt die Verwaltung. Aber Angebot und Nachfrage sehen nun einmal völlig verschieden aus, wenn man entweder stets mit dem Rad unterwegs ist. Oder ob man nur manchmal guckt, wie viele Fahrradbügel da sind. Zeit für eine Prüfung.

„Im direkten Umfeld des Merkurhauses sind eine Vielzahl Fahrradbügel vorhanden, so in der Markgrafenstraße, der Schloßgasse, Schillerstraße und Peterskirchhof. Trotzdem werden eine Reihe von Fahrrädern auch direkt neben den Eingängen der Einzelhandelsgeschäfte (nicht nur) des Merkurhauses abgestellt, i.d.R. für eine kurzzeitige Erledigung in diesen Geschäften“, benennt jetzt das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) ein Phänomen, das man bis jetzt ja nur von den Autofahrern kannte.

Fehlen also eigentlich mehr Radbügel vor den Geschäften der Innenstadt und nicht nur an den Eingängen wie der Petersstraße?

Jugend trifft Amtsschimmel

Das Jugendparlament traf mit seinem Antrag mal wieder auf ein Amt, das sich schwertut, die Mobilitätswende so schnell zu denken, wie es sich junge Menschen wünschen.

„Einerseits ist es ein Ziel der Stadt, den Radverkehr zu fördern, wozu auch zielortnahe Fahrradabstellmöglichkeiten gehören. Andererseits ist es gerade in der Innenstadt, mit ihrer Angebotsdichte, begrenztem Platz und hohen Passantenfrequenz bzw. weiteren Nutzungsansprüchen an den öffentlichen Raum, ganz praktisch nicht möglich, an allen Standorten ein ausreichendes Angebot zu installieren“, erklärt das Verkehrs- und Tiefbauamt, das bei anderen Gelegenheiten ebenso gern erklärt, warum das Widmen von Fußgängerzonen so schwer ist und man an eine autofreie Innenstadt nicht mal zu denken wage.

Die Folgen einer alten Fehlentscheidung

Immer deutlicher zeigt sich, welchen Fehler der Stadtrat Anfang der 1990er Jahre gemacht hat, als er sich nicht zur Etablierung einer autofreien Innenstadt durchringen konnte, weil die konservative Mehrheit der festen Überzeugung war, dass Geschäfte ohne Parkmöglichkeiten für Autos nicht funktionieren. Das Ergebnis ist ein fauler Kompromiss, in dem auch um den Platz für Abstellbügel jedes Mal aufs Neue gerungen werden muss.

„Die beantragte südöstliche Seite des Merkurhauses bildet die Fußgängerzone Petersstraße. Die Hauptlaufrichtung der Fußgänger in der Fußgängerzone soll durch Fahrradbügel nicht verschmälert bzw. blockiert werden, weshalb eine Anordnung hier nur im Randbereich entlang der Gebäudewand zwischen den Eingängen der beiden Einzelhandelsgeschäfte sinnvoll wäre“, meint das VTA.

„Hierzu sind Abstimmungen mit dem Gebäudeeigentümer (Zustellen der Schaufenster) und der Branddirektion (Feuerwehraufstell- und Anleiterflächen sowie Rettungswege) notwendig.“

Immerhin ein Hoffnungsschimmer für mehr Bügel

Aber dass da doch noch ein paar Spielräume sind, sieht man auch: „Gegebenenfalls kann der vorhandene Bügel-Standort in der Markgrafenstraße erweitert werden, hier muss eine detaillierte Prüfung des unterirdischen Leitungsbestandes vorgenommen werden. Allerdings ist nicht anzunehmen, dass weitere Bügel an diesem Standort von denjenigen Kunden angenommen werden, die allein eine kurze Erledigung in den an der Petersstraße gelegenen Einzelhandelsgeschäften zum Ziel haben.“

Was ja dann doch wieder die Ansicht bestätigt, dass es vor einigen Innenstadtgeschäften mehr Fahrradbügel braucht.

Aber auch die wird es nicht so leicht geben, denn das VTA sieht hohe Hindernisse: „Zur genauen Lage sowie die Anzahl ergänzbarer Fahrradbügel in der Innenstadt sind zudem grundsätzlich auch stadtgestalterische Aspekte zu beachten. – Eine genaue Einschätzung der Kosten ist daher mit dem jetzigen Planungsstand noch nicht möglich, da die Anzahl der zu realisierenden Fahrradanlehnbügel nicht feststeht.“

Und wie lautet dann also der Alternativvorschlag aus dem VTA? „Die Verwaltung prüft die Möglichkeiten der Erweiterung der Zahl der Fahrradbügel im Umfeld der Einzelhandelsgeschäfte des Merkurhauses und realisiert bei positiver Prüfung und gesicherter Finanzierung diese bis zum Ende des IV. Quartals 2022.“

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