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Leipzig will die Ausgaben für den Radverkehr in den nächsten zwei Jahren endlich verdoppeln

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    Darauf haben emsige Radfahrer/-innen in Leipzig nun seit acht Jahren gewartet: Endlich legt die Stadt ein Aktionsprogramm in Höhe von rund 8,7 Millionen Euro auf, um den Radverkehr sicherer und attraktiver zu machen. In einem Zeitraum von zwei Jahren sollen vor allem kurzfristig wirksame Infrastrukturmaßnahmen umgesetzt werden, erklärte am Donnerstag, 14. Januar, Baubürgermeister Thomas Dienberg.

    Dazu gehören Markierungsarbeiten, Deckensanierungen und kleinere Bauvorhaben. Oberbürgermeister Burkhard Jung sagte bei der Vorstellung des Aktionsprogramms: „In den vergangenen Monaten haben sehr viele das Fahrrad für sich als Verkehrsmittel entdeckt; ich bin mir sicher, dass viele dieser Menschen auch künftig auf das Rad nicht verzichten wollen. Als Stadt sind wir gut beraten, diese Entwicklung aufzugreifen und dem Radverkehr mehr Raum zu geben, ihn sicherer zu machen und das Fahrrad als klimafreundliches Verkehrsmittel weiter zu stärken.“

    Elf Handlungsfelder des Programmes umfassen über 70 Maßnahmen, darunter Investitionen, um Lücken im Hauptnetz zu schließen und die bestehende Infrastruktur zu verbessern. Dazu zählen etwa neue Radfahrstreifen auf der Wundstraße, der Riesaer Straße und der Karl-Heine-Straße. Ein neuer Radweg Muldentalstraße sowie ein Radfahrstreifen in der Querstraße sind ebenfalls vorgesehen.

    Besonders spannend sind freilich die geplanten Radfahrstreifen in der Arthur-Hoffmann-Straße und im Ranstädter Steinweg, beides langjährige Forderungen auch des ADFC.

    Einige bestehende Radwege sollen saniert werden, so die Neue Linie und die Landsberger Straße von Coppiplatz bis zur Hans-Oster-Straße. Die Kreuzung William-Zipperer-Straße/Hans-Driesch-Straße soll durch eine Querungshilfe für Radfahrerinnen und Radfahrer sicherer werden, zahlreiche Stolperstellen sollen beseitigt und Borde abgesenkt werden.

    Die Vorlage für den Stadtrat findet man hier.

    Geplant sind zudem mehr Fahrradbügel im öffentlichen Raum, eine bewachte Fahrradstation in Innenstadtnähe wird derzeit konzeptioniert. Die Dauerzählstellen für den Radverkehr sollen weiter ausgebaut und die Ergebnisse künftig im städtischen Geoinformationssystem abrufbar sein. Ganzjährig sind Schwerpunktkontrollen – sowohl der Radfahrer als auch von Falschparkern auf Radverkehrsanlagen – durch Polizeikräfte und den Stadtordnungsdienst angedacht. Die Polizeidirektion hat hierfür einen entsprechenden Rahmenbefehl auf den Weg gebracht.

    Für die Zustandserfassung der Radverkehrsanlagen wird eine Befahrung des HauptnetzRad durchgeführt, die die Grundlage für die Infrastrukturthemen des Radverkehrsentwicklungsplans 2030 darstellt. Die Dauerzählstellen für Radverkehr werden weiter ausgebaut, heißt es im Maßnahmenplan. Dafür sind allein 132.000 Euro vorgesehen.

    „Menschen nutzen das Rad, wenn die Infrastruktur dafür stimmt. Diese wollen wir dafür weiter verbessern. Die Radverkehrsförderung ist daher Teil unserer integrierten Mobilitätsstrategie“, ergänzt Baubürgermeister Thomas Dienberg. „Und im Hinblick auf die Verkehrssicherheit sind sichere Radverkehrsanlagen das erste, was wir vonseiten der Stadt beitragen können.“

    Zudem sollen ein gutes Verkehrsklima und gegenseitige Rücksichtnahme gefördert werden. Eine städtische Verkehrssicherheitskampagne soll in diesem Jahr starten.

    Zum Verfahren der Fortschreibung des Radverkehrsentwicklungsplanes ist eine Beschlussvorlage in den Stadtrat eingebracht worden. Das Aktionsprogramm soll greifen, bevor diese Fortschreibung umgesetzt wird. Es stützt sich unter anderem auf die unabhängige Überprüfung der städtischen Radverkehrspolitik im EU-zertifizierten BYPAD-Verfahren.

    Dieser hatte Schwächen etwa bei den Themen Infrastruktur und Sicherheit gesehen und elf Handlungsfelder empfohlen. Diese sollen im Aktionsprogramm und auch im neuen Radverkehrsentwicklungsplan 2030+ aufgegriffen werden. Für alle jetzt vorgesehenen Investitionen sollen umfassend Fördermittel von Bund und Land eingeworben werden.

    Durch die Initiierung dieses Aktionsprogramms werden für 2021 und 2022 erhöhte Mittel für den Radverkehr bereitgestellt, heißt es in der Vorlage. „Damit erhöhen sich die finanziellen Mittel für den Radverkehr auf durchschnittlich 7,23 € pro Einwohner und Jahr in den Jahren 2021 sowie 2022, im Vergleich zu bisherigen 4,38 € (Vierjahresmittel). Das Aktionsprogramm soll zunächst die bestehenden Kapazitäten bündeln, indem ein ,virtuelles‘ Arbeitsteam aus bestehendem Personal beteiligter Organisationseinheiten des Verkehrs- und Tiefbauamts zusammengestellt und eine koordinierende Stelle benannt wird. Diese Gruppe wird nach Bedarf temporär aus dem Personalbestand erweitert, um auch die ämterübergreifenden Fragestellungen zu bearbeiten.“

    Das detaillierte Programm zum Download findet man hier.

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    3 KOMMENTARE

    1. Ich habe es gelesen, das Sofortprogramm Rad der Stadt Leipzig.
      Bitte tut es auch und lest insbesondere Seite 3 der PDF.
      (https://static.leipzig.de/fileadmin/mediendatenbank/leipzig-de/Stadt/02.6_Dez6_Stadtentwicklung_Bau/66_Verkehrs_und_Tiefbauamt/Aktiv_mobil/Aktionsprogramm-Radverkehr-2021-22.pdf )
      Hier zeigt sich OBM Jung politisch galant als Fahrradfreund und spricht der Radverkehrsförderung eine „win-win-win“ Situation zu.
      Der neue Baubürgermeister Thomas Dienberg weitet den Blick fachlich und will die Sicherheit der Radfahrenden in allen Altersgruppen stärken.
      Und dann kommt der, der das in seinem Amt Umsetzen wollen muss: Herr Jana, der Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes (VTA) und relativiert und verkompliziert und will Lösungen, „die allen Belangen an den begrenzten Raum genügen“. Das „allen Belangen“ bedeutet nichts anderes, als dass Autoverkehr zur Not wichtiger ist für den Amtsleiter des VTA. Fahrradförderung bedeutet aber in erster Linie dem Autoverkehr Platz wegzunehmen. wer das nicht von Anfang an so denkt, setzt am Ende nur das absolute Minumum des Möglichen um.
      Ich hoffe, der Stadtrat und die Bürgergesellschaft korrigiert hier entscheidend zu Gunsten der Radfahrenden!

    2. Hier muss ich mich auch noch berichtigen: dh. es fehlt für den Ausbau des Radwegenetzes noch aus den vergangenen 10 Jahren die finanzielle Leistung von 7,5 Jahren! = da nur ein Viertel der vorgesehenen Maßnahmen aus dem Radverkehrsentwicklungsplan 2010-2020 umgesetzt wurden!

    3. Das die Stadtverwaltung nun endlich mal aufwacht ist und etwas mehr Geld für die Verbesserung der Radwegesituation ausgeben will, klingt erst einmal gut.
      Dann überlegt der Radfahrende aber mal etwas genauer: 8,7 Mill € in 2 Jahren sind im Jahr 4,35 Mill €. Damit kann man schon nicht mehr so viel anfangen. Dann teilt sich der Betrag weiter auf in Reparaturleistungen, Ausbesserungen, Planungsleistungen, Gutachten, Infrastruktur ,Kontrollen usw. Letztendes bleibt für die Herstellung richtiger neuer Radwege, abgegrenzt mit Bordkanten, wahrscheinlich nicht ein Euro übrig.
      Und dazu kommt, das in den letzten 10 Jahren nur ein Viertel der vorgesehenen Maßnahmen aus dem Radverkehrsentwicklungsplan 2010-2020 umgesetzt wurden, dh. es fehlt für den Ausbau des Radwegenetzes noch aus den vergangenen 10 Jahren die finanzielle Leistung von 2,5 Jahren! Wieviel Millionen € das sind, möchte ich gern einmal wissen. Und diese gesparten Millionen aus den zurückliegenden 10 Jahren soll die Verwaltung erst einmal investieren in den Ausbau des Radwegenetzes, dann könnte man erst über eine positive Entwicklung reden, vorher ist das nur Augenwischerei.

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