Zuletzt schien das Thema fast in Dornröschenschlaf versunken. Der Radverkehr in Leipzig nimmt zu, aber neue Radstreifen entstanden keine mehr. Und das trotz Ausrufung des Klimanotstands im Oktober 2019. Und trotz Corona. Die Leipziger Umweltverbände waren regelrecht verzweifelt, dass da nichts mehr passierte. Doch jetzt werden doch wieder neue Radstreifen angelegt. Im Täubchenweg wurde am Montag begonnen.

Leipzigs Verwaltung investiert auf der Jahnallee, in der Goethestraße, im Täubchenweg sowie auf der Holzhäuser Straße in seine Radverkehrsanlagen. Damit soll die Radinfrastruktur und die Verkehrssicherheit verbessert werden. Die Anordnung, Markierung und Beschilderung von dauerhaften sowie temporären Radfahrstreifen kostet insgesamt 75.000 Euro.

Anlässlich dieser Investitionen bilanziert Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau am Ende ihrer Amtszeit: „In den Jahren 2016 bis 2019 haben wir 10,26 Millionen Euro in den Radverkehr investiert. Dabei wurden 43 Kilometer Radwege, Radstreifen und Schutzstreifen neu gebaut und markiert, 33 Kilometer saniert und gut 1.000 Fahrradbügel installiert.“

Aber wo steckt das ganze Geld?

In 56 Baumaßnahmen wie etwa an Ampelanlagen wurden die Bedingungen für Radfahrer verbessert, sagt Dorothee Dubrau: „Mit diesen und den noch für 2020 geplanten Arbeiten an Radverkehrsanlagen erhöhen wir die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer und befördern die Lust der Leipzigerinnen und Leipziger auf das Radfahren – ein Fünftel ihrer täglichen Wege legen sie mittlerweile mit dem Rad zurück und schenken sich damit Bewegung und Stadterlebnis sowie uns allen weniger Lärm, bessere Luft und mehr Platz auf den Straßen.“

Begonnen wurde am 6. Juli im Täubchenweg, einer für den Alltags- und Schülerverkehr wichtigen Radroute. Auf dem Teilabschnitt zwischen Gutenbergplatz und Rabensteinplatz werden Radfahrstreifen markiert als Lückenschluss einer durchgehenden Radverkehrsanlage in der Relation Augustusplatz–Riebeckstraße. Zudem wird auf die Unfallhäufungsstelle an der Einmündung zum Gutenbergplatz hingewiesen, auch die Markierung wird hier verändert.

Der Unfallschwerpunkt Cottaweg / Jahnallee. Foto: Ralf Julke
Der Unfallschwerpunkt Cottaweg/Jahnallee. Foto: Ralf Julke

Anfang August, nach dem Ende von Gleisbauarbeiten der LVB, sollen dann endlich auch auf der Zeppelinbrücke temporäre Radfahrstreifen in beide Richtungen eingerichtet werden. Die Stadtverwaltung jedenfalls erwartet, dass sich damit das bestehende Konfliktpotential auf der Brücke zwischen Fußgängern und Radfahrern verringert und die Unfallhäufungsstelle am Cottaweg entschärft wird. Die Jahnallee ist die Hauptroute des Radverkehrs zwischen der nördlichen Innenstadt und den Stadtteilen Lindenau und Alt-Lindenau und wird täglich von mehr als 6.000 Radfahrern genutzt.

Ab dem 7. September soll dann auf der westlichen Fahrbahnseite der Goethestraße im Abschnitt zwischen Richard-Wagner-Straße und Augustusplatz ein Radfahrstreifen markiert werden. Dieser verbessere die Sicherheit und diene der Beschleunigung des Straßenbahnverkehrs, da Radfahrer nun außerhalb des Schienenbereichs geführt werden, betont das Verkehrs- und Tiefbauamt. Die Kurzzeitparkplätze vor Ort entfallen.

Radfahrer können hier nun nicht mehr durch das Öffnen von Autotüren gefährdet werden. Die Markierung ist im gesamten Bereich zwischen Brühl und Ritterstraße vorgesehen, doch dies ist erst nach Ende der Hochbauarbeiten vor Ort möglich. Die Goethestraße ist Teil der Leipzig-Elbe-Route im SachsenNetz Rad, einem Premiumnetz für den touristischen Verkehr. Auch hierfür muss die Radinfrastruktur verbessert werden.

In der Holzhäuser Straße schließlich werden Mitte September zwischen Naunhofer Straße und Schönbachstraße Schutzstreifen für Radfahrer eingerichtet. Sie stellt eine wichtige Radverkehrsverbindung zwischen der Prager Straße und Mölkau dar. Die Mittel hierfür kommen auch aus dem Bereich Experimenteller Wohnungs- und Städtebau.

Und dabei soll es nicht bleiben.

Im Änderungsantrag der Grünen zum Sofortmaßnahmenprogramm des OBM zum Klimanotstand, das am heutigen Mittwoch, 8. Juli im Stadtrat abgestimmt werden soll, steht auch als Ergänzung bei Maßnahme 12 „Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur“: „Zudem werden kurzfristig 17 Maßnahmen zur Radwegmarkierung im Bestand ausgeführt, um Lücken zu schließen und Gefahrenstellen zu beseitigen. Dies betrifft bereits fertig geplante Straßen wie die Johannisallee und die A.-Hoffmann-Straße sowie weitere Straßen wie die Gerberstraße/Eutritzscher Straße und die Käthe-Kollwitz-Straße, die in der Planung abgeschlossen werden müssen.“

Die 17 Maßnahmen in ihrem Änderungsantrag haben sich die Grünen nicht einfach ausgedacht, sondern es sind alles Maßnahmen, für die im Verkehrs- und Tiefbauamt schon Vorplanungen vorliegen. Deswegen decken sich sich auch teilweise mit den vier Maßnahmen, die Dorothee Dubrau am Dienstag, 7. Juli, vorgestellt hat.

Nämlich bei der Goethestraße, Jahnallee/Zeppelinbrücke und Täubchenweg. Nur die Holzhäuser hatten die Grünen noch nicht auf dem Schirm.

Dafür stellen die restlichen Straßen jetzt eine echte Herausforderung für das Verkehrs- und Tiefbauamt dar, denn wenn der Stadtrat dem Änderungsantrag der Grünen zustimmt, könnte das einige Verbesserungen im Radnetz ergeben, um die die Radfahrer/-innen nun seit Jahren vergeblich kämpfen und die in Straßen wie der Jahnallee, der Rödelstraße, auf dem Promenadenring und in der Arthur-Hoffmann-Straße eine echte Revolution wären, ein endlich spürbarer Schritt hin zu einer Stadt, die den Radverkehr wirklich fördern will und sich nicht immer mit Autostellplätzen herausredet.

Hier ist die Liste der offenen Radwegemaßnahmen:

„Zwickauer Straße
Riesaer Straße
Johannisallee
Karl-Heine-Straße westlicher Teil
Leinestraße
A.-Hoffmann-Straße
Dittrichring von Bosestraße bis vor Gottschedstraße
Ranstädter Steinweg stadteinwärts
Promenadenring von Hbf./Ostkreis bis Löhrstraße
Harkortstraße
Karl-Liebknecht-Straße
Rödelstraße
Käthe-Kollwitz-Straße
Prager Straße stadtauswärts.“

Problemstellen aus dem RADar!: Ein paar Bordsteinabsenkungen werden 2020 noch geprüft

Problemstellen aus dem RADar!: Ein paar Bordsteinabsenkungen werden 2020 noch geprüft

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