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Corona-Auswirkungen belasten die City: Burkhard Jung fordert mehr Unterstützung für die Wiederbelebung der Innenstädte

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    Am Freitag, 9. Oktober, tagte eine Konferenz des Deutschen Städtetages in Leipzig. Oberbürgermeister Burkhard Jung, der auch Präsident des Städtetages ist, hatte seine ostdeutschen Kollegen eingeladen. Und eines der Themen, die mittlerweile Oberbürgermeister in ganz Deutschland besorgt machen, ist die Verödung der Innenstädte. Der Corona-Shutdown hatte überall die Geschäftsaufgabe von kleinen und großen Händlern zur Folge. Womit sich ein Trend der vorhergehenden Jahre noch verschärfte.

    Folgen der Coronakrise wie Kontaktbeschränkungen und zeitweise Geschäftsschließungen beschleunigen damit noch massiv den Trend zum Onlinekauf. Gleichzeitig ringen Einzelhandelsgeschäfte und Kaufhausfilialen zum Teil um ihre wirtschaftliche Existenz. Bestimmte Segmente des stationären Einzelhandels beklagen dramatische Umsatzrückgänge. Besonders verletzlich ist der eigentümergeführte Einzelhandel, betont der Deutsche Städtetag.

    Die Stadtspitzen der ostdeutschen Städte halten deshalb ein schnelles Gegensteuern für dringlich. Das machte der Deutsche Städtetag nach der Leipziger OB-Konferenz der ostdeutschen Städte in Leipzig deutlich.

    Städtetags-Präsident Burkhard Jung sagte: „Städte sollten auf eine lebenswerte, grüne und autoarme Innenstadt setzen, die dem Zusammenkommen und der Kultur Raum bietet. Diese Aspekte müssen wir jetzt stärker in den Mittelpunkt rücken können, nachdem in den vergangenen Jahrzehnten der Einzelhandel eine sehr starke Position innehatte. Nur wenn auf dem Marktplatz und drumherum etwas los ist, zieht es die Menschen in die Stadt.

    Das hilft auch den Geschäften. Und je mehr Kultur, Begegnung und Gastronomie neben dem Handel der Anker sind, desto besser kann man in der Stadt mit Veränderungen beim Einzelhandel umgehen. Um die Innenstädte gezielt zu stärken, brauchen wir mehr Städtebauförderung durch Bund und Länder als die derzeit 790 Millionen Euro. Dann können wir die Innenstädte besser stabilisieren, wiederbeleben und weiterentwickeln.“

    Burkhard Jung am 9. Oktober 2020 im Gespräch mit Superintendent Sebastian Feydt (Nikolaikirche). Foto: L-IZ.de
    Burkhard Jung (r.) am 9. Oktober 2020 im Gespräch mit Superintendent Sebastian Feydt (Nikolaikirche). Foto: L-IZ.de

    Und mittlerweile hat auch Leipzig lernen müssen, dass die Stadt ihre Steuerungsmöglichkeiten völlig verliert, wenn Immobilien in der Hand von zumeist undurchschaubaren Investmentgesellschaften landen, denen die Vielfalt der Innenstädte völlig schnuppe ist und die nur noch auf die erzielbaren Höchstmieten spekulieren. Gleichzeitig treiben sie die Grundstückspreise in den Innenstädten in die Höhe, sodass sich regionale Anbieter erst gar nicht mehr um freie Flächen bewerben, weil das mit normalen Geschäftsmodellen nicht wieder einzuspielen wäre.

    Burkhard Jung forderte deshalb auch mehr Möglichkeiten der Kommunen zum vorübergehenden Erwerb von städtebaulich relevanten Schlüsselimmobilien, zum Beispiel aufgegebene Kaufhausfilialen.

    „Um größere Leerstände in Fußgängerzonen und negative Folgen für das Umfeld zu verhindern, müssen wir jetzt schnell handeln können. Dafür müssen Bund und Länder die Städte jetzt wirksam bei neuen, zukunftsfähigen Konzepten unterstützen. Denn wenn sich verlorene Handelsflächen in der Stadt nicht mehr durch anderen Handel ersetzen lassen, müssen wir ganz neu denken und agieren“, sagt er ein wahres Wort.

    Ansatzpunkte sieht Jung darin, in den Innenstädten wieder stärker auch auf Wohnen, Handwerk, Produktion, Bildung, Kultur und Kommunikation als prägende Elemente zu setzen. Es gelte, Arbeiten, Einkaufen, Dienstleistungen, Produktion und Wohnen nicht mehr so stark räumlich aufzuteilen wie bisher.

    Was aber ein kaum gelingender Balanceakt werden dürfte, wenn große anonyme Fonds das Mietniveau in der City bestimmen und damit letztlich genau die kleinteilige Mischung verdrängen, um die ja auch Leipzig seit 30 Jahren kämpft – und immer wieder neue blaue Wunder erlebt.

    Oberbürgermeister Silvio Witt aus Neubrandenburg, der dem Präsidium des Deutschen Städtetages angehört, erlebt in seiner Stadt ganz Ähnliches: „Die Interessen der Menschen beim Einkaufserlebnis verändern sich. Es braucht Ideen und Innovationen, um die Kundschaft anzuziehen. Dann sind weiterhin lebendige Innenstädte garantiert. In der Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg wird zum Ende des Monats die Kaufhauskette Karstadt/Kaufhof ihre Türen schließen.

    Dabei handelt es sich um ein zentral gelegenes Gebäude von großer innerstädtischer Bedeutung. Das Kaufhaus ist ein Anlaufpunkt für Kundinnen und Kunden, die unsere Innenstadt beleben und die weiteren Angebote nutzen. Ich bin mir aber sicher, dass Neubrandenburg als Einzelhandelsstandort weiterhin attraktiv bleiben wird. Neubrandenburgs Innenstadt hat sich in den vergangenen Jahren mit neuen Unternehmen und Angeboten stets weiterentwickelt und hat daher aus meiner Sicht ein großes Potential. Dazu trägt auch das gemeinsame Engagement der Innenstadthändler in Form einer Werbegemeinschaft bei. Außerdem haben wir mit Förderung der Landesregierung einen Handelsmanager eingestellt.“

    Eine solche City-Gemeinschaft hat Leipzig ebenfalls. Doch auch sie kann nichts ausrichten, wenn große Filialisten wieder schließen oder die Kaufhäuser von großen Investmentfonds übernommen werden, die die Altmieter kündigen. So bleiben den Kommunen im Grunde nur die Rahmenbedingungen, mit denen sie die Innenstädte beleben können – die Förderung von Kultureinrichtungen, das Pflanzen von Bäumen, Aufstellen von Bänken und – wie Jung betont – eben auch der Versuch, die Autos aus den Innenstadtstraßen zu verdrängen, damit sich der Aufenthalt für Fußgänger, Nachtschwärmer und Städtereisende angenehmer gestaltet.

    Da hätte man auch in Leipzig schon weiter sein können.

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    1 KOMMENTAR

    1. Autoarme Innenstadt?
      Ja, hohe Gebühren fürs Parken und den ÖPNV bringen nur noch Fußgänger in die Innenstadt.
      Aber warum wollte man überhaupt noch dahin? Um die vielen Hotels zu bewundern, die Drogendealer und den Sarg, den manche „Höfe am Brühl“ nennen?

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