Am 20. Januar machte der Stadtrat etwas, womit Leipzigs Verwaltung nicht gerechnet hat: Er stimmte gegen den Baubeschluss für den neuen Nahlesteg im Verlauf des Heuwegs. Die ganze Planung für die Katz. Der Grund dafür: Die Stadt hatte den neuen Steg nur mit 4 Meter Breite geplant, für den üblichen Gegenverkehr mit Radfahrern und Fußgängern viel zu schmal.

Und das Verkehrs- und Tiefbauamt konnte sich nicht darauf herausreden, es hätte von dem Problem nicht gewusst. Doch einmal mehr nahm man die Mahnungen aus den Ratsfraktionen nicht ernst und plante einfach stur weiter. 2022 hätte der Steg für knapp 3 Millionen Euro gebaut werden sollen. Doch diesmal sagte die Stadtratsmehrheit „Nein. So nicht.“

Das Bauwerk muss mit 5 Meter Breite neu geplant werden. Denn – so stellten SPD, Linke und Grüne fest: „Die Regelbreite für einen gemeinsamen Fuß- und Radweg beträgt 2,5 Meter, woraus sich eine nötige nutzbare Breite der Brücke von 5 Metern ergibt. Damit sind gefahrlose Begegnung und Aufenthalt im Begegnungsverkehr auf der Brücke möglich.“

Das gilt auch für Radwege außerhalb des Straßennetzes.

Und da taucht gleich das nächste Problem auf. Denn der Nahlesteg ist Teil des Heuwegs, einer der wichtigsten Verbindungen im Radwegenetz, die in diesem Fall durch Auwald und Elsteraue führt. Hier war ja drei Jahre lang mehr oder weniger sowieso Ausnahmezustand, denn die Deutsche Bahn baute ja die Brücken durch die Elsteraue neu, um hier künftig auch ICE mit hoher Geschwindigkeit fahren zu lassen.

Dabei wurden auch sämtliche Wegeverbindungen rechts und links der Strecke in Anspruch genommen, verwandelten sich monatelang in Baufelder.

Heuweg-Abschnitt ist schon neu gebaut

Logisch, dass die Freibeuter-Fraktion nun wissen wollte, ob die Stadt wenigstens die Chance nutzt, die betroffenen Teile des Heuweges anschließend auch deutlich zu verbreitern. Oder wird der kurvenreiche Asphaltweg, den die Bahn angelegt hat, nun zum Dauerzustand?

Mitnichten, teilt das Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) mit. Die Bahn hat im Winter nicht nur ihre Brückenbauten fertiggestellt, sie hat auch den provisorisch gebauten Asphaltweg wieder zurückgebaut.

„Der Ausbaugrad des Heuweges ist im Bereich zwischen Neue Luppe und Nahle einheitlich und weist eine Ausbaubreite zwischen 2,50 m und 3,0 m auf. Der für die Baustelle der DB genutzte Bereich des Weges wurde bauzeitlich umverlegt, wobei die Umverlegung inzwischen zurückgebaut und der ursprüngliche Verlauf des Heuweges wiederhergestellt wurde. Dazu war die DB gemäß Planfeststellungsbeschluss verpflichtet. Die neue Ausbaubreite beträgt in diesem Bereich ca. 2,70 m“, teilt das VTA mit.

Und betont extra: „Im Rahmen des Ersatzneubaus des Nahlesteges sind keine dauerhaften Änderungen am Heuweg vorgesehen.“

Der neu gebaute Abschnitt des Heuwegs mit dem frei gelassenenen Montagefeld für den Nahlesteg (rechts). Foto: Ralf Julke
Der neu gebaute Abschnitt des Heuwegs mit dem ausgesparten Montagefeld für den Nahlesteg (rechts). Foto: Ralf Julke

Der Weg ist dadurch wieder etwas breiter und komfortabler geworden. Warum man ihn nicht noch breiter bauen kann, begründet das VTA so:

„Der Heuweg stellt eine wichtige innergemeindliche Hauptradwegverbindung (Kategorie IR III) zwischen den Stadtteilen Leutzsch und Möckern dar. Gleichzeitig befindet sich der Heuweg im Bereich des Nahlesteges in einem Landschaftsschutzgebiet (LSG), Vogelschutzgebiet (SPA) sowie FFH-Gebiet.

Zur Kompensation des natur- und artenschutzfachlichen Eingriffs im Rahmen der Baumaßnahme der DB wurden wegenahe Ausgleichspflanzungen entsprechend des landschaftspflegerischen Fachbeitrags durchgeführt. Die Kompensationsmaßnahmen waren mit dem Amt für Umweltschutz und Amt für Stadtgrün und Gewässer abgestimmt. Aufgrund dieser Gegebenheiten dürfte sich ein mittelfristiger Ausbau des Weges schwierig gestalten.“

Platz gelassen für die Steg-Baustelle

Die Freibeuter fragten auch noch nach einem kleinen Flurstück am Heuweg, das noch der Deutschen Bahn gehört. Es liegt gleich östlich des Nahlesteg und gehörte einmal zum Kleingartenverein Eisenbahn Leipzig-Plagwitz. Hier wurden bislang noch keine neuen Bäume gepflanzt.

Und das hat mit dem Nahlesteg zu tun, wie das VTA erklärt:

„Das im Eigentum der Deutschen Bahn AG befindliche Flurstück 284 soll von der Stadt Leipzig gekauft werden; die entsprechenden Kaufverhandlungen mit der DB laufen seit geraumer Zeit. In Zusammenhang mit dem Ersatzneubau der 3 Eisenbahnüberführungen im Zuge des Heuweges wurde durch die DB AG ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt.

Im Ergebnis sind naturschutzfachliche Ausgleichsmaßnahmen auf diesem Flurstück notwendig. Durch die notwendige Brückenvormontage des neuen Nahlestegs auf dem Flurstück wurde mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Eisenbahnbundesamt vereinbart, dass diese Ausgleichsmaßnahmen im Anschluss an den Ersatzneubau des Nahlestegs erfolgen können. Ein darüber hinausgehendes Nutzungsrecht ist nicht erforderlich, da der Grunderwerb vor dem Baubeginn erfolgen soll.“

Nur mit dem Neubau des 1962 gebauten Nahlestegs wird es noch dauern. Denn Planung und Finanzierung müssen nun völlig neu angepackt werden.

Hinweis der Redaktion in eigener Sache

Seit der „Coronakrise“ haben wir unser Archiv für alle Leser geöffnet. Es gibt also seither auch für Nichtabonnenten alle Artikel der letzten Jahre auf L-IZ.de zu entdecken. Über die tagesaktuellen Berichte hinaus ganz ohne Paywall.

Unterstützen Sie lokalen/regionalen Journalismus und so unsere tägliche Arbeit vor Ort in Leipzig. Mit dem Abschluss eines Freikäufer-Abonnements (zur Abonnentenseite) sichern Sie den täglichen, frei verfügbaren Zugang zu wichtigen Informationen in Leipzig und unsere Arbeit für Sie.

Vielen Dank dafür.

- Anzeige -

Empfohlen auf LZ

So können Sie die Berichterstattung der Leipziger Zeitung unterstützen:

Es gibt 7 Kommentare

Wissen Sie, ich kann damit leben, dass andere Leute sich mehr Platz wünschen als 2,70 m. Heute hängt man seinen Einkaufshundekinderwagen ans Rad, sicher will man auch mal nebeneinander fahren. Von mir aus.
Aber den Bau dieser 4 m Brücke zu stoppen, weil nominale 2,50 x 2 eben fünf und nicht vier ergeben, und damit Teuerung und Verzug in Kauf genommen wird, finde ich absolut daneben. Da fehlt irgendwo das Augenmaß.

> Gebt mir Platz, weil mein Auto halt sehr breit ist“ hoffentlich nichts mehr.

Individuell natürlich nicht. Aber wenn aus “mein Auto” eine Menge von Leuten wird, die alle das Gleiche wollen, ist das schon ein Argument.

Inzwischen stehen die Autos auf dem Ring vom neuen Rathaus zur Thomaskirche, seit es nur noch eine Geradeausspur gibt. Aber war es nicht Frau Krefft, die postulierte, es gäbe kaum noch Autos auf diesem Teil des Rings?

Schön, dass der Heuweg so gut genutzt wird und es nun auch mal eine neue Brücke geben wird. Ob vier oder fünf Meter Breite ist glaube keine wichtige Thematik, aus praktikabler Sicht gesehen. Dort wird sich deswegen nichts stauen.

@Sebastian: Der war gut!
Lassen Sie uns in der Stadt die Straßen für Autos auf 2.50m verjüngen, denn auf der Autobahn wird´s ja dann auch wieder breiter!

Der Platzbedarf ist ein streitbares und provozierendes Argument.
Hier sollte (nach Jahrzehnten des Autostraßenbaus 🙂 ) einmal eine ökologische und nachhaltige Messlatte eingesetzt werden. Alle wissen doch mittlerweile, welche ökologischen Fußabdrücke die verschiedenen Verkehrsmittel aufweisen. Da zählt ein “Gebt mir Platz, weil mein Auto halt sehr breit ist” hoffentlich nichts mehr.

Ich würde ein Naturschutzgebiet neben einer Schnellzug- und Güterzugstrecke eher nicht logisch sehen. Natürlich kann neben einem Bahndamm ein Asphaltweg existieren.

Und warum beim Appell zu mehr Radfahrern auf die Zeit des Autostraßenbaus verweisen wird ist mir auch nicht klar. Erstens haben die beiden Verkehrsmittel ziemlich unterschiedliche Platzbedarfe, wie die “Badenudelfraktion” nicht müde wird zu betonen, und zweitens sehe ich den Bedarf dort weiterhin nicht so krass. Wie gesagt, ich kenne die Strecke auch gut, selbst Pferde kommen einem da mal entgegen, aber natürlich kommt man mit 2,70 m auch aus. Der Weg am Waldrand ist ja dann auch wieder breiter.

Na mal ruhig mit den jungen Pferden.

Die vorgeschriebene Breite von 2.50m für einen gemeinsamen Rad- und Fußweg ist m.E. plausibel.
Heißt natürlich, für hin und zurück müssten es mehr sein, mathematisch genau 5m.
Wer dort bei gutem Wetter unterwegs war, weiß, dass das sehr realistisch ist. Viele Fußgänger und Radfahrer agieren dort, zumal es – wie im Artikel bereits erfasst – eine wichtige Verbindung darstellt.

Die Brücke ist daher mit 4m schon ganz gut geplant, 5m wären ideal. Eventuell hätte man einen Kompromiss schließen können.

Ich sehe das Problem eher am wieder hergestellten Heuweg selbst. Die 2.70m neben der Bahnlinie sind viel zu knapp bemessen.
Und Ursache dafür ist offenbar, dass das Umweltamt die Ersatzpflanzungen der Bahn gleich daneben genehmigt hat, sodass der DB gar nichts anderes übrig bleibt, als den Weg zu “schmälern”.

Das ist der Schildbürgerstreich des Leipziger Umweltamtes!
Zu Lasten aller Leipziger, die den Weg dort wieder nutzen werden.
Das ist wirklich DUMM und wird uns nun jahrzehntelang begleiten.

Erinnert mich an die neue Linie im Auwald, wo man zu Recht streiten kann, wie ein Weg ausgestaltet werden sollte, um nachhaltigen Fuß- und Radfahrverkehr zu gewährleisten.
Der Heuweg ist nun – man staune – asphaltiert!!
Ob wohl dieser durch ein Landschaftsschutzgebiet (LSG), Vogelschutzgebiet (SPA) sowie FFH-Gebiet führt.

Kann das jemand logisch einordnen?

Mag sein, dass 2,70 m für Alleinfahrer ausreichen. Für Familien mit Kindern nicht, für Gemeinsamfahrer nicht, für diejenigen, die aufs Rad umsteigen sollen, weil es bequemer, umwelt- und menschenfreundlicher ist, nicht. Warum nicht einfach mal großzügig bauen? Im Autozeitalter ging/ geht das für Autostraßen doch auch!

Echt gut, oder?
Vier Meter in der Breite, die nicht ausreichen sollen, um sich “gefahrlos” zu begegnen. Gegenstand dieser Einschätzung sind übrigens Radfahrer und Fußgänger, keine Straßenbahnen, LKW oder Autos…

Ich fahre relativ oft über diese eingeengte kleine Brücke. Und es dauert circa fünf Sekunden, bis man drüber ist. In der Zeit kann man mal kurz warten oder sich ein Zeichen geben, wenn Gegenverkehr kommt. Ich habs tatsächlich, im Sinne des Artikeltenors fast unglaublich, auch schon geschafft, zeitgleich mit einem geübten Radler die Brücke zu queren.
Wenn das Teil dann später vier Meter breit ist, dann haut das aus meiner Sicht komplett hin. Warum diese Zeitung mal wieder in die Kerbe “unsere doofe Verwaltung bekommt das nicht hin” schlägt, ist unklar.
Und ganz ehrlich – auch die schnurgeraden 2,70 m für den Weg sehen auf dem Bild im Artikel nicht spartanisch aus.

Verstehe ich richtig, der Weg zum Steg ist teilweise nur 2,70 Meter, da Naturschutz und teilweise FFH-Gebiet nicht mehr hergeben. Beim Steg aber fängt man von vorne an um 5 Meter zu erreichen? Dann möchte ich hier die Stadträtinnen und -räte ins Gebet nehmen, denn warum die Kostenerhöhung durch Neuplanung? Wenn die Zuwegung schmal ist, bringt der breitere Steg auch nichts und kann nach meinem Effizienzempfinden gebaut werden. Denn die Gefahren die auf der kurzen Strecke des Steges vermieden werden, bestehen auf dem Heuweg bei teils nur 2,70 Meter in umso größerem Maße. In meinen Augen ein Leipziger Schildbürgerstreich.

Edit: 1 Rechtschreibfehler und Interpunktion wg. Lesbarkeit

Schreiben Sie einen Kommentar