Leutzsch rockt!: Ein L-IZ-Interview mit Roman Raschke über das Musikfestival am 16. Juni, Auszeichnungen und Arbeitsmarktreformen

Am 16. Juni 2012 rockt es wieder am Leutzscher Wasserschloss. Mitorganisator des Musikfestivals ist Roman Raschke, der sich im Leutzscher Bürgerverein engagiert. Dafür wurde er zuletzt ausgezeichnet. Neben der Freude über die Anerkennung und die Entwicklung im Kiez treibt Raschke auch Ärger um: Ärger über die Arbeitsmarktreformen.
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Leutzsch rockt. Und zwar so sehr, dass Sie stellvertretend für den Bürgerverein mit der Ehrenurkunde und Ehrennadel der Stadt Leipzig und einer Ehrenurkunde des Sächsischen Landtages geehrt wurden. Herzlichen Glückwunsch und die Frage: Wie fühlt man sich mit so viel Anerkennung?

Danke für den Glückwunsch. Natürlich habe ich mich sehr über diese Ehrung gefreut, insbesondere weil mein persönliches Engagement wahrgenommen worden ist. Doch ich habe sie vor allem stellvertretend für viele ehrenamtlich Tätige angenommen, insbesondere für jene Menschen, die mich unterstützt haben und unterstützen. Ich könnte sehr viele Namen anführen und möchte sehr gern die mir entgegengebrachte Wertschätzung mit ihnen teilen.

Nun haben Sie ja keine Dankesbriefe an die Politik verfasst, sondern protestieren als Erstunterzeichner der „Leipziger Resolution“ gegen die Arbeitsmarktreformen der Bundesregierung. Was läuft da aus Ihrer Sicht falsch?

Viele gemeinnützig tätige Vereine sind mit ihren Vereinszwecken, Tätigkeitsschwerpunkten und alltäglichen Arbeitsaufgaben so gewachsen, dass sie ein wichtiger Teil des Gemeinwesens geworden sind. Das bedeutet zugleich, dass damit Arbeitsplätze entstanden sind. Denn ausschließliches Ehrenamt kann dies nicht leisten.

Doch die Vereine haben keine eigene unmittelbare materielle Wertschöpfung und können somit diese Arbeitsplätze nicht selbst finanzieren. Hier wurde die Beschäftigungsförderung beziehungsweise der so genannte zweite Arbeitsmarkt als Ventillösung genutzt. Dass dies jahrelang im Zusammenspiel zwischen Politik, Jobcenter/Arbeitsagentur und Vereinen so lief, fällt jetzt den Vereinen auf die Füße. Denn die Arbeitsmarktreformen machen die Vereine, die als Träger von Beschäftigungsmaßnahmen dienen, zu einem Betreuungs- und Qualifizierungsorgan des Jobcenters. Aus unserer Sicht muss es ein Umdenken mit entsprechendem Handeln geben.In welche Richtung soll dieses Umdenken gehen?

Förderung von Arbeitsplätzen in gemeinnützigen Vereinen statt Förderung von Langzeitarbeitslosen in Beschäftigungsmaßnahmen in Vereinen! Diese Hauptforderung der Resolution wird von weiteren Forderungen ergänzt, zum Beispiel jener, den Begriff Arbeit nicht länger nur als Erwerbsarbeit in der Gesellschaft zu definieren.

Jede Form von Arbeit muss Wertschätzung und Honorierung erfahren! Es muss endlich der Mut zu Ehrlichkeit und Redlichkeit gefunden werden. Denn manche Beschäftigungsförderung – auch innerhalb der kommunalen Aufgaben – ist nur ein bequemer Finanzierungsweg! Das Gemeinwesen ist es auch den Menschen schuldig, die – so sind meine Erfahrungen, die ich mir auch nicht wegdiskutieren lasse – in Beschäftigungsförderungsmaßnahmen Arbeit leisten, die einem „normalen Arbeitsplatz“ entspricht.

Natürlich muss es weiterhin Beschäftigungsförderung geben, doch Vereine – ausgenommen jene, deren Vereinszweck es ist – können dabei kein Partner sein. Ich möchte in meiner Verantwortung als Vorstand eines gemeinnützigen Vereins endlich einem Menschen und uns als Verein eine verlässliche Perspektive geben können und mich nicht alle paar Monate mit „warmen Worten“ von ihm verabschieden müssen. Dabei sind die Kosten für eine Beschäftigungsmaßnahme unter dem Strich etwa auf dem Niveau eines „normalen“ Arbeitsplatzes. Das Anliegen der Resolution liegt mir wirklich persönlich sehr am Herzen.

Zurück zu Angenehmem: Leutzsch rockt, und zwar wieder am 16. Juni 2012. Worauf dürfen sich die Besucher rund um das Wasserschlösschen freuen?Das Musikfestival „Leutzsch rockt!“ wird von der Veranstaltungsgemeinschaft „Leutzsch rockt!“ Marko Kronberg und Roman Raschke veranstaltet. Bewusst habe ich es nicht in die Veranstalterfunktion des BürgerVereins Leutzsch e.V. gegeben, der uns natürlich dabei unterstützt. Marko Kronberg betreibt die Firma „Makroni Veranstaltungstechnik“, und als Musiker habe ich mit ihm natürlich öfter beruflich zu tun.

Unser beider Idee, in Leutzsch ein Musikfestival auf die Beine zu stellen, wollten wir auch in unsere Verantwortung stellen und nicht einem Verein „aufhalsen“. Wir möchten damit kein Geld verdienen – im Gegenteil: wir investieren viel Zeit, Kraft und organisatorische und technische Eigenleistungen und haben die schwarze Null unter dem Strich als Ziel. Wir möchten damit etwas für unseren Stadtteil tun.

Finanziert wird das Musikfestival ausschließlich durch Sponsoren und möglich machen es vor allem die Mitwirkenden, die auf einen Teil ihrer üblichen Gagen verzichten und so das Anliegen der Veranstaltung unterstützen. Am 16. Juni 2012 stehen Maria Schüritz, Eisenheinrich, Francis D.D. String & Revision und Pilgrim auf der Bühne. Auch die eine oder andere Überraschung wird es geben. Durch das Programm führt in bewährt großartiger Weise Volly Tanner.

Worum kümmert sich der Bürgerverein nach dem Leutzscher Rockertreffen?

Der BürgerVerein Leutzsch e.V. wird am 8. September 2012 an gleicher Stelle das inzwischen 15. Leutzscher Stadtteilfest veranstalten. Bis dahin und überhaupt sind alle Leutzscher Stadtteilentwicklungsthemen – insbesondere die Georg-Schwarz-Straße – auf dem Zettel.

In Kooperation mit vielen Partnern ist auch immer etwas im Stadtteilladen Leutzsch los. Dieser ist quasi der Dreh- und Angelpunkt unseres Tuns als BürgerVerein Leutzsch und inzwischen gut frequentiert. Die Bürger tragen in diesen die unterschiedlichsten Anliegen. Wir sind für die Menschen da – wie es unser Name ja auch signalisiert – und möchten sie gern motivieren, sich in ihrem und bestenfalls auch für ihr Quartier einzubringen.

Die Stadtteilzeitung „Blickpunkt Leutzsch“ – auch im Internet unter www.blickpunkt-leutzsch.de – ergänzt unsere Öffentlichkeitsarbeit.

Zum Schuljahresbeginn 2013/2014 soll die 57. Mittelschule am Rathaus Leutzsch wieder eröffnet werden. Auch darüber hinaus laufen Anstrengungen zur Wiederbelebung der Georg-Schwarz-Straße. Wie bewerten Sie die Entwicklungen an der Magistrale?

Ich freue mich wirklich sehr, dass die ehemalige 57. Mittelschule wieder „wachgeküsst“ wird. Dass sie damals geschlossen wurde, war schon ein derber Schlag, und es gibt seitdem nur zwei Grundschulen in Leutzsch. Schüler ab Klasse 5 müssen in anderen Stadtteilen zur Schule gehen. Zwischenzeitlich gab es temporäre Nutzungen des Gebäudes, zum Beispiel von einigen Klassen der Nachbarschaftsschule, als diese saniert wurde.

Die Georg-Schwarz-Straße hat sich unaufhaltsam auf einen sehr positiven Weg gemacht. Hier engagieren sich viele Menschen, und die Straße zieht Leute mit Ideen, Konzepten und Taten an. Inzwischen ist dies schon sichtbar geworden, und Zuversicht hat auch die skeptischen Einschätzungen von manch alt eingesessen Anwohnern in und um die Georg-Schwarz-Straße vertrieben.

Natürlich ist die Liste der Herausforderungen noch lang und gibt es im Detail Sorgen. Auch ist der ein oder andere nachvollziehbare Wunsch – noch – nicht umsetzbar. Das Wichtigste ist jedoch erreicht: ein ergebnisorientiertes Zusammenarbeiten von lokalen Akteuren mit den Fachämtern der Stadtverwaltung, dem Magistralenmanagement, den Leipziger Verkehrsbetrieben, dem Diakonissenkrankenhaus sowie mit Immobilieninvestoren, Immobiliennutzern und Eigentümern. Ich bin mir ganz sicher, dass in spätestens drei Jahren die Georg-Schwarz-Straße für soziale, kulturelle, wirtschaftliche und städtebauliche Vielfalt steht und so über die Stadt(teil)grenzen hinaus wahrgenommen wird.

Terminhinweis: Sonnabend, 16. Juni, ab 16 Uhr: Leutzsch rockt! Das Musikfestival im Park am Wasserschloss Leutzsch

www.facebook.com/Leutzsch.rockt


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