Ein Stück Welt für Leipzig: Ehepaar Linke zeigt im Grassi-Museum ihr restauriertes Patenkind

Das Leipziger Ehepaar Ilona und Werner Linke hat ein besonderes Patenkind. Es heißt Sarangi und ist ein Saiteninstrument aus Nordindien. Seit 1958 gehört es zum Fundus des Grassi-Museums für Völkerkunde. Dank der Spende des Leipziger Ehepaars konnte das Instrument nun restauriert werden. Am Mittwoch präsentierten die stolzen Paten ihre Sarangi.
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Die Leipzigerin Ilona Linke teilt eine lange gemeinsame Geschichte mit dem Grassi-Museum für Völkerkunde. Schon als Kind kam sie regelmäßig in den Kunsttempel am Johannisplatz. Anfangs war es ihr Interesse an der Welt der Indianer, das durch die damals besonders erfolgreichen Indianer- und Westernfilme geweckt wurde. Später kam die Leidenschaft für die Orientalistik hinzu.

Vor einiger Zeit lasen die Linkes davon, dass der Freundeskreis des Grassi Paten sucht. Menschen, die mit ihrem Geld die Restaurierung von völkerkundlichen Exponaten finanzieren.

Die Entscheidung für ihr Patenkind fiel den Linkes leicht. Denn unter den Stücken aus aller Welt befinden sich zahlreiche Musikinstrumente. „Verbindung zur Geige: Wir nehmen das“, befand Werner Linke beim Anblick der Sarangi, einem traditionellen nordindischen Saiteninstrument. Für den langjährigen Musiklehrer und Violinenspezialisten musikalisch wohl so etwas wie eine zweite Liebe auf den ersten Blick.

Im März 2012 begannen die Kontakte der Linkes mit den Freunden und den Machern des Grassi-Museums. Jetzt, gut acht Monate später, ist es vollbracht. Die stolzen Paten können „ihre“ Sarangi erstmals in den Händen halten. Demnächst soll das Instrument in der Dauerausstellung des Hauses gezeigt werden.Von „einem freudigen Ereignis“ sprach Grass-Chef Dr. Claus Deimel, mit offiziellem Titel Direktor der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen, bei der Präsentation. Als Teil der Staatlichen Kunstsammlungen im Freistaat könne sein Haus über die Etatmittel aus dem Landehaushalt keine Klage führen, so Deimel. Gleichwohl gebe es aber Objekte, die in dem laufenden Geschäft der Restaurierung nicht bedacht werden könnten.

Für eben diese Fälle gibt es seit 2007 das Patenschaftsprogramm „Ein Stück Welt für Leipzig“. Dr. Wolfgang von Richter, Vorstandsmitglied des Freundeskreises, sieht in dem Programm eine „bürgerschaftliche und zivilgesellschaftliche Unterstützung“ der Museumsarbeit. Bislang seien so sieben Projekte im Gesamtwert von 7.500 Euro realisiert worden. Wobei es Einzelpersonen sind, die hier als Spender auftreten. Meist sind runde Geburtstage oder Firmenjubiläen der Grund, dass Mitbürger an Stelle von Geschenken um Geldspenden für diese Art der Unterstützung der Museumsarbeit bitten.

Seit 1958 befindet sich die Sarangi nun schon im Besitz der Völkerkundler am Johannisplatz, berichtete Carola Krebs, Indien-Kuratorin des Hauses. Ein Herr Stiller bot das Instrument damals privat dem Museum an. Bekannt ist über ihn nur, dass er bei dem renommierten hiesigen Klavierbauer Blüthner tätig war. Jedenfalls bekam Stiller für die Sarangi damals 35 Deutsche Mark der Deutschen Notenbank, wie die DDR-Währung damals hieß.“Es ging darum, es so ausstellungsfähig zu machen, dass es wieder gepflegt aussieht“, benannte Restauratorin Ute Gerlts ihren Arbeitsauftrag. Dazu mussten beispielsweise Korrosionsschäden am Griffbrett beseitigt werden, eine komplette Neubesaitung erfolgen und erstmals ein Bogen beschafft werden.

Mit der Sarangi erhalten die Besucher des Grassi ein Stück Welt zurück, wie Claus Deimel unter Anspielung auf das Motto des Patenschaftsprogramms befand. Überhaupt seien Musikinstrumente eines der besten Mittel, sich interkulturell zu verständigen, meint der Ethnologe mit dem Schwerpunkt Mexiko.

Und das sei hier angefügt: Das Haus am Johannisplatz ist eine der besten Bildungsinstitute der Region, wenn es um das Verständnis für interkulturelle Zusammenhänge geht. „Menschen gucken voneinander ab“, so Carola Krebs über globalen Wissens- und Kulturtransfer am Beispiel der Saiteninstrumente, „Kulturgüter werden ausgetauscht.“


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