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BUND Sachsen benennt Klimawandel und Krieg um Ressourcen als Ursache der Flucht nach Europa

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    Willkommen in der Wirklichkeit, hätte der BUND Sachsen seine Stellungnahme zur deutschen Flüchtlingspolitik auch überschreiben können. Denn dass so viele Flüchtlinge jetzt nach Europa und in die Bundesrepublik drängen, daran sind die Europäer keineswegs unschuldig. Denn das Paktieren mit Diktatoren hat genauso Folgen wie das Ignorieren des Klimawandels. Das betrifft auch Syrien.

    Die derzeitige Politik suggeriere, so der BUND Sachsen, der Zustrom von Flüchtlingen wäre ein temporäres und rein organisatorisches Problem, das allein durch verschärfte Asyl-Gesetzgebung und mehr Solidarität unter den EU-Partnern zu lösen wäre.

    Dieser Wahrnehmung widerspricht der BUND Sachsen: Tatsächlich habe das Problem der Flüchtlingsströme jetzt auch Europa eingeholt – in vielen Teilen der Welt seien diese schon seit längerem Normalität. Eine Normalität, die durch Kriege um Ressourcen wie Wasser und Rohstoffe, ethnische und religiöse Konflikte hervorgerufen werde.

    Prof. Dr. Felix Ekardt, Nachhaltigkeitsforscher und Landesvorsitzender des BUND Sachsen: „Was wir aktuell erleben, ist auch eine Folge unseres Lebensstils. Mit unserem Konsumstil verbrauchen wir in den westlichen Industriestaaten Unmengen natürlicher Ressourcen wie etwa Öl, für deren ungebremste weitere Verfügbarkeit wir sogar Kriege wie in Afghanistan, Irak oder Libyen in Kauf nehmen und mit diversen Diktaturen kooperieren. Unser verschwenderischer Umgang mit fossilen Energien führt ferner dazu, dass der Klimawandel ungebremst voranschreitet – und damit große Landstriche unserer Erde unbewohnbar werden.“

    Für die Zukunft scheint da ohne gevierende Änderungen keine Besserung in Sicht.

    Ekardt weiter: „Trinkwasserressourcen werden weiter schwinden, an anderer Stelle Starkregenereignisse zu schweren Schäden führen, während dichtbesiedelte Landschaften wie die Mündungsbereiche von Ganges, Mekong oder auch Elbe zunehmend überschwemmt werden. Infolgedessen werden die Menschen dorthin flüchten, wo das Leben noch einigermaßen erträglich ist – passenderweise jetzt genau in die Staaten, die in erster Linie für den Klimawandel verantwortlich sind. Aktuelle Flüchtlingsströme sind nur ein Vorbote dessen, was noch kommt, wenn wir ökologisch nicht energisch umsteuern.“

    Derzeit migrieren besonders viele Menschen aus Syrien nach Europa.

    Sie stammen aus der Wiege der Zivilisation, dem Fruchtbaren Halbmond, der sich in einem weiten Bogen vom Nildelta das östliche Mittelmeerufer hinauf im Bogen entlang der Flüsse Euphrat und Tigris hinab bis zum persischen Golf erstreckt, stellt der BUND Sachsen fest.

    Aber hier sei auch der Klimawandel bereits deutlich zu spüren und der Kampf um Ressourcen habe längst begonnen: „Die Region leidet derzeit unter der zweiten schweren Dürre der vergangenen fünf Jahre. Prognosen sagen voraus, dass die Niederschläge im Fruchtbaren Halbmond in den kommenden Jahrzehnten weiter abnehmen werden. Zugleich kontrollieren nur wenige Staaten die großen Flüsse der Region Euphrat, Tigris und Jordan. Die Auseinandersetzung um die Ressource Wasser ist entbrannt und längst ebenso ein Konfliktgrund in der Region, wie der Kampf um Erdöl oder religiöse Konflikte.“

    Felix Ekardt: „Wir sollten diese Menschen freundlich bei uns aufnehmen – nicht nur, weil es die Menschlichkeit und das Grundrecht auf Asyl gebieten, sondern auch weil wir ein Mitverursacher ihres Übels sind. Denn es ist eine Farce zu glauben, dass Menschen tausende Kilometer lange Fußwege auf sich nehmen, mit kaum seetüchtigen, überfüllten Nussschalen über das Mittelmeer oder zu den Kanaren übersetzen, allein um wirtschaftliche Vorteile zu genießen – viele Flüchtlinge kommen zu uns, weil bei ihnen die Lebensumstände unerträglich geworden sind.“

    Und sein Appell an die Sachsen selbst, die ja oft selbst nicht wissen, welche Auswirkungen ihr eigenes Verhalten auf die Ressourcen in anderen Weltregionen hat: „Wir haben es selbst in der Hand, nicht nur den zu uns flüchtenden Menschen zu helfen, sondern auch mehrere der Fluchtursachen hier in Sachsen anzugehen. Nicht nur können wir mit einem raschen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung und ein verändertes Mobilitätsverhalten – mehr Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel, weniger Auto – einen Beitrag gegen die Klimaerwärmung leisten, sondern unseren Lebensstil insgesamt ressourcenschonender gestalten.“

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