NABU-Forderungen an die neue Koalition in Sachsen

NABU-Brief an CDU, SPD und Grüne: Naturpark-Ranger, Biotopverbund und naturverträgliche Landnutzung

Für alle LeserAus Sicht des Naturschutzbundes (NABU) Sachsen war das, was im gemeinsamen Papier von CDU, SPD und Grünen nach den Sondierungsgesprächen zu lesen war, aus Naturschutzsicht noch viel zu wenig. So könne man das Artensterben in Sachsen nicht stoppen. Das brauche deutlich mutigere Beschlüsse in den Koalitionsverhandlungen. Und deshalb schrieb der NABU jetzt einen Brief an alle drei Parteien.

Mit diesem Schreiben an die Landtagsfraktionsvorsitzenden von CDU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen hat sich der NABU Sachsen in die beginnenden Koalitionsverhandlungen „eingeschaltet“ und seine Forderungen zum Artenschutz und zu naturverträglicher Landnutzung gegenüber den voraussichtlich künftigen Regierungsparteien geäußert.

In dem Brief heißt es: „Es muss nun insbesondere darum gehen, die Möglichkeiten eines Miteinanders von Agrarförderung und Naturschutzzielen zu nutzen. Der Klimakrise wirksam entgegenzutreten, das Artensterben zu stoppen und die biologische Vielfalt zu erhalten, gehören zu den größten Herausforderungen unser aller Zukunft.“

Aber wer das Artensterben stoppen will, muss zwei wichtige Weichen stellen.

„Beim Artensterben geht es längst nicht mehr nur um Rote Listen oder das Aussterben einzelner Arten, sondern um das Verschwinden ganzer Ökosysteme, wie uns das Insektensterben und die massiven Waldschäden zeigen“, erklärt Bernd Heinitz, Landesvorsitzender des NABU Sachsen. Denn was Insekten, Vögeln und Säugetieren fehlt, sind Rückzugsräume, große, verbundene Naturschutzräume, die auch wirklich geschützt sind und nicht selbst wieder dem Zwang der ökonomischen Verwertung unterliegen. Das braucht eine andere Landschaftspflege. Und es braucht echten Schutz, den in Sachsen heute noch nicht einmal die Natura-2000-Gebiete genießen.

So gibt es seitens des NABU Sachsen Bestrebungen, ein Biosphärenreservat „Westerzgebirge“ zu etablieren.

„Unser Ziel ist es, einen zusammenhängenden, möglichst grenzübergreifenden Biotopverbund aus Waldflächen, Offenland und bereits geschützten Biotopen wie Steinrücken dauerhaft zu etablieren und zu sichern. Dies wäre ein essenzieller Baustein für die Sicherung von Habitaten und somit für Erhaltung und Verbesserung von Lebensräumen für gefährdete Arten wie das Birkhuhn. Wir bitten daher darum, das Vorhaben mit konkreter Benennung in den Koalitionsvertrag aufzunehmen“, lautet es im Schreiben.

Weitere Punkte mahnen zwingend die praktische Umsetzung eines Biotopverbundsystems im Freistaat Sachsen an und sehen in der Gestaltung des energie- und klimapolitisch begründeten Strukturwandels in Deutschland große Chancen, Maßnahmen für den Klima- und Naturschutzschutz zu etablieren und gleichzeitig sanften Tourismus zu entwickeln. Dies könnte zum Beispiel durch die Ausweisung eines nationalen Naturmonumentes in der Bergbaufolgelandschaft im Südraum Leipzigs und den Aufbau eines amtlichen Betreuersystems – durch Ranger – für Natura-2000-Gebiete geschehen. Bislang käme jedoch das Wort Naturschutz im sogenannten „Kohlepapier“ nicht einmal vor, kritisiert der NABU.

Womit zum ersten Mal die Forderung benannt ist, die wertvollen Natura-2000-Gebiete eben nicht mehr von Forstverwaltungen bewirtschaften zu lassen, die den Wald immer nur als Rohstoffplantage betrachten, aber den Schutz des Biotops dabei gern erst „zweitrangig“ bedenken. Das gilt auch für Leipzig und das Natura-2000-Gebiet des Leipziger Auenwaldes, der nach Vorstellungen des NABU direkt anschließen könnte an einen Biotopverbund im Leipziger Südraum.

Die Herstellung des Biotopverbundes wurde übrigens schon 2002 beschlossen. Aber sämtliche Landwirtschaftsminister haben den Beschluss seither regelrecht ignoriert. Und genauso haben sie sich einer anderen Landwirtschaftspolitik verweigert, obwohl gerade die intensive Landwirtschaft dazu geführt hat, dass Insekten, Feldvögel und Feldsäugetiere auf die Roten Listen gewandert sind, während gleichzeitig Millionen Tonnen fruchtbarer Erde in die Flüsse gespült werden und Dünger und Insektizide die Gewässer belasten.

Hier hätte schon längst umgeschaltet werden können, so der NABU: „Eine naturverträgliche Landnutzung ist notwendig für das Überleben vieler geschützter Tier- und Pflanzenarten und ihrer Lebensräume. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Landwirtschaft jedoch zu einem wesentlichen Faktor für die Belastung der Umwelt und das Artensterben geworden. Die Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion führt zu einem massiven Verlust an artenreichem Grünland, zu einer Monotonisierung der Landschaft durch Verengung von Fruchtfolgen und Vergrößerung von Ackerschlägen, zur übermäßigen Nährstoff- und Pestizidbelastung des Grund- und Oberflächenwassers sowie zu einem Verlust an ökologischen Rückzugsflächen wie Brachen. All das hat die dringend benötigten Lebensräume für viele Arten und auch ihre Nahrungsgrundlage drastisch eingeschränkt.“

Logisch, dass der NABU mindestens 20 Prozent ökologischen Landbaus fordert, das Verbot etlicher Umweltgifte und die Reduzierung des Phosphat- und Nitrateintrags, alles Dinge, um die sich die letzten Landwirtschaftsminister gedrückt haben.

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