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Es war ja kein rundes Jubiläum der Montagsdemonstrationen von 1989. Deshalb fand es etwas kleiner statt, ohne Lauf um den Ring, mit Licht-Stationen in der Leipziger City. Aber das Lichtfest 2026 lockte am Freitag, dem 9. Oktober, wieder Tausende in die Innenstadt. Auf dem diesmal gestalteten Lichtweg durch die Innenstadt luden von 19:00 Uhr bis 23:00 Uhr sechs Stationen zur Erinnerung an die Friedliche Revolution ein.
Der Lichtweg verband Lichtinstallationen, Performances und Bilder von 1989. Er führte vom Nikolaikirchhof über Grimmaische Straße und Markt, Thomaskirchhof und Dittrichring zum Matthäikirchhof und konnte in beide Richtungen und ohne festgelegte Reihenfolge begangen werden. Orangefarbene Straßenleuchten halfen bei der Orientierung.

Der Lichtweg präsentierte sechs Projekte: die Open-Air-Ausstellung „Unsere VerANTWORTung …“ in der Grimmaischen Straße, die Lichtinstallation „Faces of Light“ am Zeitgeschichtlichen Forum (ebenfalls Grimmaische Straße), die Tanzperformance „Aufbruch – Umbruch –? Verbunden in Vielfalt“ auf dem Marktplatz, die Kerzen-89 und Zeitzeugeninterviews am Thomaskirchhof, die immersive Videoinstallation „PERPETUUM“(Dittrichring) sowie die Videoinstallation „Der Aktenschrank“ im Innenhof des Matthäikirchhofs.
Und Tanzperformances gab es auch: Die Tanzperformance der Company TARO TANZ fand auf dem Markt statt. Vier solcher Hauptperformances gab es zu jeweils etwa 30 Minuten. Die Bühne wurde auch dazwischen bespielt.

Ein zentraler Ort des Gedenkens war wieder das Kerzenpodest in Form einer 89, diesmal an der Thomaskirche/Ecke Klostergasse. Dort konnten Besucherinnen und Besucher innehalten und mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ins Gespräch kommen. Der Ort – als originaler Ausgangspunkt der Montagsdemonstrationen von 1989 – bot auch diesmal Raum für persönliche Erinnerungen und Austausch.
Auch Vicki Felthaus, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Jugend, Schule und Demokratie, betonte zu diesem Lichtfest, dass das Lichtfest Leipzig sichtbar mache, was im Herbst 1989 nahezu unsichtbar begann: den leisen, aber unaufhaltsamen Mut einer Zivilgesellschaft.
Sie appellierte eindringlich an die Besucherinnen und Besucher des Lichtfestes: „Der 9. Oktober erinnert uns daran, dass Veränderung möglich wird, wenn Menschen mutig Verantwortung übernehmen. Heute ist unsere Antwort auf die Herausforderungen der Zeit entscheidend: ob wir zuhören, statt auszugrenzen, Haltung zeigen, statt zu schweigen und Zusammenhalt stärken, statt Spaltung hinzunehmen.“

Das Lichtfest erinnert an die Friedliche Revolution im Herbst ‘89 und an die Montagsdemonstrationen in Leipzig. Der 9. Oktober 1989 steht für die bis dahin größte Montagsdemonstration gegen das SED-Regime mit über 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
Der gewaltfreie Verlauf gilt als ein wesentlicher Moment für die Friedliche Revolution, den Weg zum Fall der Mauer und zur deutschen Wiedervereinigung. Mit dem Lichtfest Leipzig, dem Friedensgebet und der Rede zur Demokratie würdigt die Stadt Leipzig alljährlich die Ereignisse.

Im Jahr 2009 wurde der 9. Oktober durch eine Anpassung der Hauptsatzung der Stadt Leipzig zum städtischen, nicht arbeitsfreien Gedenktag zur Erinnerung an die Friedliche Revolution 1989 bestimmt.
Mahnende Worte
Um 17:00 Uhr gab es in der Nikolaikirche schon das Friedensgebet mit Prediger Joachim Jeska. Und um 18.15 Uhr ebenfalls in der Nikolaikirche die Rede zur Demokratie, diesmal mit der deutsch-ameriukanischen Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook, die in ihrer Rede daran erinnerte, wie bedroht die Demokratie inzwischen wieder ist: „Und es ist mir gerade vor den Ereignissen dieser Woche umso wichtiger, mit Ihnen gemeinsam darüber nachdenken zu können, wie wir unsere Demokratie widerstands- und zukunftsfähig machen.
Denn mitansehen zu müssen, wie aus der Mitte eines rechtsstaatlichen, parlamentarischen Prozesses ein Landtagspräsident gewählt wird, hinter dem ein Programm steht, das Kernelemente unserer freiheitlichen Grundordnung dafür nutzen möchte, diese zu diskreditieren, zu schwächen und sie – auch das müssen wir trotz der oft inkongruenten Aussagen annehmen – von innen zu zersetzen, das ist aus dem Blick unserer gemeinsamen Geschichte nicht nur schmerzlich, schwer verständlich und vermittelbar – es muss uns aber genauso dringend Auftrieb geben, uns strukturierter, direkter, persönlicher für den Schutz unserer Demokratie einzusetzen.“

Sie schlug in ihrer Rede auch den Bogen zur Geschichte der USA und zur ebenfalls bedrohten, inzwischen 250 Jahre alten Demokratie: „Die Beschleunigung muss uns auch hier eine Warnung sein. Die Zäsur der Wahl Sachsen-Anhalt, das vorläufige Ende einer Volkspartei in Mecklenburg-Vorpommern, die Verbreitung des Radikalen in Landes- und Kommunalwahlen muss reichen, um zu erkennen, dass die Strategien und Taktiken trotz unserer anderen Verfassungsfestigkeit im Vergleich mit den USA hier gleichsam wirken, dass der Nährboden, auf dem die Ängste gedeihen, die die Schwächung der liberalen Demokratien erst ermöglichen, sehr ähnlich ist.“

Und sie schilderte, wie sich das Vorgehen der Demokratiefeinde in den USA und in Deutschland ähneln: „Die Bewegungen, die diese Zersetzungen nähren, machen sich unsere Schwächen kühl kalkuliert zu eigen, sie manipulieren unsere realen und heraufbeschworenen Ängste, verkaufen einfache Lösungen zwischen der Dialektik des technologischen Fortschritts und koppeln sie mit der kulturellen Rückentwicklung, in eine ethno-nationale Form, die es in den USA tatsächlich niemals gegeben und deren grauenhafte Durchsetzung hier uns das Leben 6 Millionen unserer Mitbürger gekostet hat.

Die Beschleunigung wird durch eine permanente Überfrachtung gesteuert – Bilder, Nachrichten, neue Realitäten, die wir schon längst in der Dichte nicht mehr einordnen können, die aber vor allem den Kontroll- und gefühlten Identitätsverlust steigern sollen. Diese Bewegungen suchen gezielt nach den Schwachpunkten in unseren Normen – fordern sie heraus, prangern sie an, stellen sie in 5 Fragen –, um dann die eigentlich wunden Punkte bloßzulegen. Die Punkte, an denen unsere Institutionen nicht genügend Schutz haben, die Offenheit unserer Schulen, unserer Gerichte, unserer Medien – und ja, sie stellen auch die Wirksamkeit unserer Verfassungen in Frage.“

Und sie zeigte, wie eine Demokratie ganz langsam von innen erodiert: „In den USA kamen die Veränderungen schleichend über 40 Jahre, sie verstärkten sich durch die mangelnde Rolle des Staats, denn ohne wirklich soziale Marktwirtschaft, können Transformationsprozesse schlecht aufgefangen werden. Dort begann es mit der Abschaffung des 8 Medienfairness-Gesetzes, das Medieneignerschaft und damit Fakten zu Meinungen machte. Es ging über in eine von republikanischen und demokratischen Präsidenten gleichzeitig gewollte und beschleunigte Globalisierung, die zu Werksschließungen und Wirtschaftsverlagerungen führte, ohne dass die Menschen Zufluchtsorte hatten.“
Sie entließ ihre Zuhörerinnen und Zuhörer mit der Ermutigung, dass man um die Demokratie und ihre Institutionen sehr wohl kämpfen kann. Aber das braucht Teilhabe und die für alle Bürger erlebbare Beteiligung samt dem Gefühl, tatsächlich wahrgenommen zu werden.
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