Bauleute verdienen mehr, Bauen in Sachsen wird teurer

„Keine Entspannung bei den Preisen am Bau in Sachsen in Sicht“, titelte das Statistische Landesamt des Freistaats Sachsen am Mittwoch, 22. Juni. Man hatte sich wieder einmal die Baupreise in Sachsen angeschaut und wieder einmal festgestellt, dass Bauen immer teurer wird. „Die Errichtung eines neuen Wohngebäudes verteuerte sich in Sachsen von Februar zu Mai um 0,9 Prozent“. So die Botschaft.

Wer jetzt irgendwo einen besonderen „Schuldigen“ oder einen Ausreißer sucht, wird nicht unbedingt fündig, auch wenn Instandhaltungen mit über 4 Prozent im Jahresvergleich noch etwas mehr zulegten als die 2 bis 3 Prozent, die Bauen sonst teurer wurde. Die Statistiker analysieren nicht unbedingt, woran es im Konkreten lag, dass die Baupreise weiter anzogen, nachdem sie schon seit 2010 nur einen Weg kannten: den nach oben. Mittlerweile ist Bauen in Sachsen um 20 Prozent teurer als noch 2010. Was immerhin eine (scheinbar) durchschnittliche Teuerungsrate von 3 Prozent im Jahr ergibt.

Dass vor allem die Tarifsteigerungen für die Bauleute eine Rolle spielten, zeigt der Blick auf einzelne Handwerkertätigkeiten: „Gegenüber dem Vorjahr mussten die sächsischen Bauherren im Schnitt 2,7 Prozent mehr an finanziellen Mitteln veranschlagen. Dies galt insbesondere für ‚Maler- und Lackierarbeiten‘ (7,3 Prozent), ‚Wärmedämm-Verbundsysteme‘ (5,5 Prozent), ‚vorgehängte hinterlüftete Fassaden‘ (4,4 Prozent), ‚Putz- und Stuckarbeiten‘ (4,0 Prozent) oder den Einbau von ‚Gas-, Wasser- und Entwässerungsanlagen‘ (4,8 Prozent) sowie von ‚Nieder- und Mittelspannungsanlagen‘ (4,3 Prozent).“

Je mehr Hand-Arbeit in der einzelnen Bauetappe anfällt, umso stärker sind die Kosten angestiegen. Was ja angekündigt war: Die Leipziger Handwerker haben in allen Umfragen der Handwerkskammer der letzten Zeit angegeben, dass sie lieber versuchen würden, die höheren Kosten auf die Preise umzulegen, als ihre Leute zu feuern. Und so mancher Baubetrieb war natürlich auch vom Mindestlohn betroffen.

Das Problem ist natürlich, dass die notwendige Lohnanpassung für die am Bau Tätigen auf eine Gemengelage trifft, in der einerseits viele Förderprogramme (wie im Wohnungsbau) noch nicht greifen oder existieren, andererseits die Kommunen als wesentliche Auftraggeber nicht über die nötigen Puffer verfügen, um die höheren Baupreise aufzufangen – denn eigentlich, man nehme nur das Beispiel Leipzig, hat man ja sein Investitionsbudget nicht erhöht, um jetzt teurere Schulen oder Straßen zu bauen, sondern um endlich mehr davon gebaut zu bekommen.

Dabei wurden noch nicht einmal die Preissteigerungen der Vorjahre verkraftet, als vor allem steigende Rohstoff- und Materialkosten das Bauen teurer machten.

Die Landesstatistiker haben die Kostensteigerungen am Bau auch grafisch aufgearbeitet. Und diese Kostensteigerungen unterscheiden sich schon seit Jahren von der gewöhnlichen Inflationsrate, die den Konsumenten sogar teilweise eine Teuerungsrate von Null suggeriert.

Doch gerade das Thema Bauen macht sichtbar, dass in weiten Bereichen der heutigen Wirtschaft nach wie vor (oder wieder) die ganz normale Inflation im Gange ist. Für Bauleute ganz gewiss im positiven Sinn: Sie haben endlich wieder an den Lohnsteigerungen im Land Teil. Man darf sich durchaus an die Zeit von 2000 bis 2010 erinnern, als die Einkommen in Leipzig stagnierten. Was eine sehr lange Phase ist für so einen Effekt – und in der Summe natürlich ein gewaltiger Entlastungseffekt für die hiesige Wirtschaft war.

2010 ist tatsächlich – vor allem auch durch den zunehmenden Fachkräftemangel und durch das Wiedererwachen der Gewerkschaften – ein Anstieg der Löhne im Baubereich zu beobachten. Der unübersehbar stärker ist als die Steigerung der Steuereinnahmen in den Kommunen.

Dass das vor allem mit den Löhnen der Beschäftigten zu tun hat, zeigt der Blick auf die Ingenieurbauten unterschiedlichster Art, wo der Anteil maschineller Bauprozesse deutlich höher ist als etwa im Hochbau.

„Bei den Ingenieurbauten flachte sich die Jahresteuerung beim Bau von ‚Straßen‘ weiter ab“, schreiben die Statistiker. „Sie sank im Mai von 0,7 Prozent (Februar 2016) auf nur noch 0,2 Prozent. Entscheidend dafür waren die Rückgänge im Bereich des ‚Verkehrswegebaus‘ beim Aufbringen von ‚Oberbauschichten aus Asphalt‘ (-3,2  Prozent).“

Aber auch hier wird sichtbar: Wo wieder viel Hand-Arbeit gebraucht wird, stiegen die Preise stärker: „Die Verlegung von ‚Pflaster, Platten und Einfassungen‘ (3,7 Prozent) oder die Verwendung von ‚Schichten ohne‘ (2,9 Prozent) bzw. ‚mit hydraulischen Bindemitteln‘ (1,9 Prozent) verhieß jedoch im Vergleich zum Vorjahr wieder deutliche Mehrkosten“, so das Landesamt für Statistik.

„Weniger erfreulich für die öffentlichen Haushalte gestalteten sich zudem die Preise für Leistungen im Rahmen des ‚Brückenbaus‘ (1,9 Prozent).“

Die komplette Meldung aus dem Statistischen Landesamt.

In eigener Sache

Jetzt bis 8. Juli für 49,50 Euro im Jahr die L-IZ.de & die LEIPZIGER ZEITUNG zusammen abonnieren, Prämien, wie zB. T-Shirts von den „Hooligans Gegen Satzbau“, Schwarwels neues Karikaturenbuch & den Film „Leipzig von oben“ oder den Krimi „Trauma“ aus dem fhl Verlag abstauben. Einige Argumente, um Unterstützer von lokalem Journalismus zu werden, gibt es hier.

Überzeugt? Dann hier lang zu einem Abo …

InflationBaukostenLohnkosten
Print Friendly, PDF & Email
 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr


Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Die Zukunft nach Corona: Matthias Horx wirft einen Blick in die Zukunft in unseren Köpfen
Matthias Horx: Die Zukunft nach Corona. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserKann man die Zukunft voraussagen? Es gibt einen Haufen Leute, die tun so, als könnten sie es. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie gibt es kaum noch einen Tag, an dem nicht irgendein Kommentator, Politiker, Ökonom oder sonstiger Kaffeesatzleser aus voller Brust behauptet zu wissen, dass nach Corona alles anders wird. Oder sich gar nichts ändert – was dann sozusagen die Variante für gutverdienende Zyniker ist. Oder für Blender. Aber was kommt wirklich danach? Nur eins ist sicher, stellt Matthias Horx fest.
Die Schulschließungen wegen Corona haben Mütter besonders belastet
Die Auswirkungen des Homeschoolings auf die Eltern. Grafik: DAK

Grafik: DAK

Für alle LeserZuletzt merkten ja auch endlich die Regierenden, dass nicht die Wirtschaft am meisten gelitten hat unter dem Shutdown. Der größte Teil der Last wurde auf Familien mit Kindern abgeladen. Eltern waren auf einmal zum Zuhausebleiben verdonnert, weil Kindertagesstätten und Schulen schlossen. Und das oft in Wohnungen, in denen überhaupt kein Platz für Homeoffice und Homeschooling war. Die psychischen Folgen waren dramatisch, wie die DAK jetzt feststellt.
Linksfraktion beantragt eine neue Leipzig-Anleihe und eine Verlängerung des Schuldenabbaus bis 2050
Steffen Wehmann (Linke) im Stadtrat. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAm 3. Juni gab die Bundesregierung den Inhalt ihres 130-Milliarden-Euro-Konjunkturpaketes bekannt. Darin enthalten sind auch konkrete Unterstützungen für die Kommunen, die mit einbrechenden Steuereinnahmen zu rechnen haben. Nicht nur 2020, sondern wohl auch in den Folgejahren. Das wird die Diskussion auch um den Leipziger Haushalt anheizen. Die Linksfraktion hat schon mal ihren Handschuh in den Ring geworfen.
Digitale Klimarallye, anders wirtschaften und jede Menge Ansprechpartner für ein weltverträgliches Leben in Leipzig
Mit dem UiZ können Jugendliche einzeln oder in Teams per App auf Klima-Rallye durch Leipzigs Innenstadt gehen. Foto: UiZ Julia Zimmerhäkel

Foto: UiZ Julia Zimmerhäkel

Für alle LeserDie Ökofete musste schon abgesagt werden wegen Corona. Aber wie ist das mit den ganzen Veranstaltungen, die der Leipziger Ökolöwe für die Leipziger Umwelttage geplant hatte? Die Themen Klima und Artenschutz werden ja nicht weniger brisant, bloß weil Corona vorerst größere Veranstaltungen verhindert. Dann machen wir es eben digital, beschloss der Ökolöwe.
Drei Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt am 6. und 7. Juni in Leipzig
Der Freizeitpark Rabet im Leipziger Osten. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserHeute wird auch in Leipzig gegen Rassismus demonstriert. Die Gruppe „Series Be:“ ruft für den 6. Juni unter dem Titel ‚STAND UP, SPEAK UP, SHOW UP‘ zu einer Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt auf. Um 14 Uhr startet die Auftaktkundgebung am Augustusplatz, die Route verläuft über den Leipziger Innenstadtring, durch die Südvorstadt vorbei am Amerikanischen Konsulat und dem Bundesverwaltungsgericht bis zum geplanten Ende am Wilhelm-Leuschner-Platz. Die nächste Demo gibt es am Sonntag, 7. Juni.
Leipzigs Verwaltung möchte auch die Jahnallee nicht umbenennen
Blick in die Jahnallee. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserMan wird sie nicht so einfach los, diese alten Rauschebärte und Nationalisten. Schon bei der Umbenennung der Arndtstraße gab es ja nach dem Stadtratsbeschluss heftige Reaktionen, die augenscheinlich auch das Leipziger Verwaltungsdezernat beeindruckt haben. Weshalb man dort jetzt mit einem ganzen Berg von Argumenten versucht, das Ansinnen, auch noch die Jahnallee umzubenennen, abwehrt. Dabei wäre der Vorschlag Frankfurter Allee nur eine Rückbenennung.
Regionalliga-Saison abgebrochen, NOFV erklärt Lok zum Meister, Chemie feiert Klassenerhalt
Viermal durfte Lok gegen Nordhausen jubeln. Foto: Jan Kaefer

Foto: Jan Kaefer

Für alle LeserDer 1. FC Lokomotive Leipzig ist erstmalig Meister der Regionalliga Nordost. Das entschied der Nordostdeutsche Fußballverband mit einem einstimmigen Votum für den Saisonabbruch am Freitag. Auf der Präsidiumssitzung wurde außerdem entschieden, dass es keine sportlichen Absteiger geben wird. Die BSG Chemie Leipzig hält damit nach dem Aufstieg im Vorjahr die Klasse.
Freitag, der 5. Juni 2020: Vor dem „Black Lives Matter“-Demowochenende
Antirassistische Demonstration im September 2019. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserRassismus, Polizeigewalt und die „Black Lives Matter“-Bewegung dominieren seit Tagen die Schlagzeilen. Für das Wochenende sind in Leipzig mehrere Demonstrationen angekündigt; die wohl größte am Sonntag um 13 Uhr vor dem Hauptbahnhof. Die „taz“ enthüllt derweil, dass eine Leipziger Burschenschaft offenbar den „Rassenkrieg“ plante. Die L-IZ fasst zusammen, was am Freitag, den 5. Juni 2020, in Leipzig und darüber hinaus wichtig war.
Berliner Luft in der Kirchenruine Wachau – Konzert mit „clair-obscur“
Die Kirchenruine in Wachau. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Am 12. Juni 2020, 19.00 Uhr spielt das Saxophonquartett der Berliner Philharmoniker „clair-obscur“ in der Kirchenruine Wachau, Kirchplatz 1. Das Konzert mit dem Titel „Berliner Luft“ findet im Rahmen des Festivals „Sommertöne“ statt. Die Saxophonisten der Berliner Philharmoniker gastieren 2020 zum ersten Mal bei den Sommertönen, doch ihr hervorragender Ruf eilt ihnen voraus.
Sexuelle Übergriffe auf Frauen: Serientäter kommt in Psychiatrie
Serientäter Martin L. (r.), hier mit seinem Anwalt Stefan Wirth, muss in die Psychiatrie. Foto: Lucas Böhme

Foto: Lucas Böhme

Für alle LeserEs war eine absehbare Entscheidung: Nach einer Reihe brutaler Übergriffe auf junge Frauen in Leipzig wurde der geständige Täter vom Landgericht wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen, aber in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen.
Ensembles von Oper, Leipziger Ballett und Musikalsicher Komödie im Westbad
Foto: L-IZ

Foto: L-IZ

An fünf aufeinanderfolgenden Wochenenden werden Oper, Leipziger Ballett und Musikalische Komödie ab dem 12. Juni 2020 jeweils Freitag und Samstag zur Veranstaltungsreihe „Vorstellungskraft voraus!“ mit einem eigenen Programm wieder auf der Bühne im Westbad zu sehen, hören und erleben sein.
FES-Papier wirbt für weitere Unterstützung für eine echte Mobilitätswende in Deutschland
LVB-Baustelle in der KarLi 2014. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserDie lange diskutierte Abwrackprämie für Pkw war dann zum Glück nicht mehr Bestandteil des am 3. Juni bekannt gegebenen Konjunkturpakets der Bundesregierung. Da dürften auch die Autor/-innen eines Positionspapiers der Friedrich-Ebert-Stiftung aufgeatmet haben, die schon befürchteten, dass nun wieder Milliarden in den Verbrenner investiert werden, die dringend für eine richtige Mobilitätswende gebraucht werden. Den Corona-Shutdown hatten sie zur Gelegenheit genommen, dieses Papier zu verfassen.
Antrag der AfD-Fraktion zur Aufhebung der Leipziger Umweltzone macht nicht mal aus Gesundheitsgründen Sinn
Einfahrt in die Leipziger Umweltzone an der Hohentichelnstraße. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserIm Corona-Shutdown kam auch ein Großteil des Leipziger Verkehrs zum Erliegen. Auch die Bahnen und Busse der LVB leerten sich, weil die Leipziger/-innen zu Hause blieben oder lieber aufs Fahrrad umstiegen. Gleichzeitig trommelten die Umweltverbände für eine deutliche Verbesserung der Radwegesituation, während die AfD geradezu das Gegenteil beantragte: die Aufhebung der Umweltzone. Ein Antrag, der selbst aus epidemologischer Sicht Quatsch ist, wie das Umweltdezernat jetzt feststellt.
„Stunde der Gartenvögel“ bestätigt: Auch in Sachsen ist das große Blaumeisen-Sterben angekommen
Blaumeise bei der Fütterung. Foto: NABU / Rita Priemer

Foto: NABU / Rita Priemer

Für alle LeserNoch im März war die Meisenwelt in Ordnung: Die Blaumeisen waren die ersten, die die Birken vorm Fenster besetzten und sich erst einmal sattfutterten, bevor sie an ihr Tagwerk gingen. Ihnen folgten dann die lärmenden Spatzen. Doch dann wurde es auf einmal still im April, verschwanden die Blaumeisen. Nur die Spatzen kamen wie gewohnt. Und die diesjährige „Stunde der Gartenvögel“, die vom 8. bis 10. Mai stattfand, bestätigte, dass das Blaumeisensterben auch in Sachsen angekommen ist.
Fachausschuss verweigert der Vorlage zum Erweiterungsbau der Apollonia-von-Wiedebach-Schule seine Zustimmung
Der geplante Anbau der Apollonia-von-Wiedebach-Schule. Grafik: Stadt Leipzig

Grafik: Stadt Leipzig

Für alle LeserSo geht das nicht wirklich. Als das Dezernat Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule im Mai die Vorlage zum Erweiterungsbau der Apollonia-von-Wiedebach-Schule öffentlich machte, fielen nicht nur die Anrainer aus allen Wolken. Das neue Projekt hatte mit den Auskünften und Ankündigungen aus den Vorjahren nichts mehr zu tun. Am 10. Juni soll eigentlich die Ratsversammlung über den Bau entscheiden. Aber jetzt gibt es auch eine Petition.