Neuer Beschäftigungsrekord und Rätselraten über passgenaue Stellenangebote

Für alle LeserEtwas Seltsames geht vor auf dem Leipziger Arbeitsmarkt. Immer mehr Menschen haben hier eine Arbeit. Mit über 266.000 Beschäftigten am Arbeitsort wurde im September eine neue Höchstmarke erreicht. Über 7.000 Stellen sind unbesetzt. Immer mehr junge Menschen suchen nach einem Ausbildungsplatz – aber die Unternehmen bieten immer weniger Lehrstellen an. Erstaunlich, dass die Arbeitsagentur trotzdem noch einen Spagat im Zahlensalat hinbekommt.

Eins der Grundprobleme ist natürlich die wenig hilfreiche Statistik, die tausende Menschen ins Nicht-mehr-Wahrgenommen-Werden expediert, die in Wirklichkeit trotzdem eine Arbeit suchen. Oder die Arbeit haben und trotzdem nicht davon leben können. Oder die ins Altenteil abgeschoben wurden und auf diese Weise „die Statistik entlasten“.

Im Grunde hat man mit den monatlichen Zahlen aus Arbeitsagentur und Jobcenter nur eine Selbstverwaltungsstatistik vor sich, die zu einer echten Steuerung in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik nicht die Bohne hilft.

Sie verrät nicht, wie erfolgreich die Vermittlungen tatsächlich sind, wie sinnvoll die Qualifizierungen und Umschulungen oder gar, wo tatsächlich die Probleme der Wirtschaft liegen, die über 7.200 freie Stellen vorhält und sie immer schwerer besetzt bekommt. Liegt es wirklich an den Bewerbern? Oder sind viele dieser Jobs in Wirklichkeit unzumutbar?

Nichts davon zeigt die Statistik.

Außer dass am Ende trotzdem immer mehr Leipziger in Arbeit sind.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Arbeitsort in Leipzig hat mit 266.824 im September 2017 einen neuen Höchststand erreicht, teilt die Arbeitsagentur mit. Damit stieg die Beschäftigtenzahl innerhalb eines Jahres um 6.647 oder 2,6 Prozent.

„Das ist eine überaus erfreuliche Entwicklung und bestätigt meine Prognose. Diese Zahl spricht die deutliche Sprache des Wachstums in der Leipziger Wirtschaft auch in diesem Jahr. Das führt auch zu weiter sinkenden Zahlen der Arbeitslosigkeit“, ist sich der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Leipzig, Steffen Leonhardi, sicher.

Die Zahl wächst aber auch, weil Leipzig als Stadt nach wie vor wächst. Die Menschen folgen der Arbeit. Und die neuen Angebote entstehen nun einmal zentral in Leipzig. Und zwar nicht nur in den Bereichen, die die Suchliste anführen – Produktion, Logistik, Sicherheitsdienste, Pflege. Sondern viel tragender und nachhaltiger in Bereichen, die auf den ersten Blick nicht so auffallen. Etwa wenn im März im Bereich „Geisteswissenschaften, Kultur, Gestaltung“ 501 freie Stellen angeboten werden oder im Bereich „Naturwissenschaft, Geografie, Informatik“ auch noch einmal 335 Stellen. Das alles sind akademische Ausbildungsberufe. Sie erzählen von der modernen, von Forschung und Innovation begleiteten Großstadt.

Die gemeldeten freien Stellen im März. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

Die gemeldeten freien Stellen im März. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

Und da auch die Handwerksfirmen und Industrieunternehmen vor allem qualifizierte Facharbeiter suchen, ahnt man schon, dass in den ganzen Stellenstatistiken auch jede Menge heiße Luft ist. Denn gerade die schlechter bezahlten unattraktiven Jobs kommen ja immer wieder.

Und nun zur durchaus luftigen Statistik, wie sie die amtlichen Arbeitsstatistiker sehen:

Insgesamt waren im März 21.771 (Vormonat 22.401) Männer und Frauen in Leipzig arbeitslos gemeldet. Der Rückgang im Vergleich zum Februar betrug 630 Personen. Der Rückgang zur Zahl der arbeitslosen Menschen im März 2017 beträgt 2.586.

Bei den jungen Leuten wie den älteren sank die Zahl im Vergleich zum Vormonat. Der Rückgang bei den unter 25-Jährigen betrug 33, insgesamt gibt es derzeit 1.933 Arbeitslose in dieser Altersgruppe, das sind 94 weniger als vor einem Jahr, ein Minus um 4, 6 Prozent. Der Rückgang bei den über 50-Jährigen lag bei 200, damit waren im März 6.143, 829 oder 11,9 Prozent weniger als vor einem Jahr arbeitslos gemeldet.

Die Aussagen zu den offenen Arbeitsstellen

Beim Zugang an offenen Arbeitsstellen verzeichnete der gemeinsame Arbeitgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter Leipzig im März einen Rückgang gegenüber dem Vormonat. Die Wirtschaft und die Verwaltung haben 1.941 freie Stellen, das waren 591 weniger als im Februar und 87 mehr als vor einem Jahr, zur Besetzung gemeldet. Der Bestand an freien Stellen lag bei 7.276. Das waren 178 mehr als im Vormonat und 1.099 als im März 2017.

Und dann die etwas schräge Formulierung, mit der Steffen Leonhardi das versucht zu erklären: „Unsere täglichen Kontakte zu den Arbeitgebern Leipzigs zeigen uns, dass die Anforderungsprofile von Stellen und die zur Verfügung stehenden Qualifikationen von Bewerbern mitunter nicht ausreichend zusammenpassen. Deshalb bitte ich die Arbeitgeber, uns ihren Bedarf so konkret wie möglich anzuzeigen. Unser Ziel ist es, die Qualifizierung Arbeit suchender Menschen daran auszurichten. Die Kolleginnen und Kollegen in unserem gemeinsamen Arbeitsgeberservice von Arbeitsagentur und Jobcenter Leipzig beraten Sie gerne zu den finanziellen Unterstützungen bei der Einstellung und zu den Fördermöglichkeiten der Weiterbildung.“

Eine Aussage, die schon verblüfft. Denn eigentlich erwartet man doch von so einem rührigen System, dass es in der Lage ist, diese Passgenauigkeit herzustellen. Augenscheinlich passiert das aber nicht. Die Systeme leben weiter hübsch unberührt nebeneinander her. Was auch den Ausbildungsmarkt betrifft.

Aktuell waren im März 2.067 freie Ausbildungsstellen bei der Arbeitsagentur Leipzig gemeldet. Das waren 83 weniger als vor einem Jahr um diese Zeit. Gegenwärtig sind davon noch 1.465 Ausbildungsstellen unbesetzt. Dem stehen 2.218, 432 mehr als im März 2017, Bewerberinnen und Bewerber um einen Ausbildungsplatz gegenüber. Von diesen suchen aktuell 1.510 noch nach einer Ausbildungsstelle.

„Mein Appell an die Ausbildung Suchenden – Nutzt eure Chance. Jede und jeder hat individuelle Talente, die in einer Ausbildung gebraucht werden. Denkt bei der Suche auch an Alternativen zum Wunschberuf. Wir unterstützen euch dabei, den passenden Beruf und auch die richtige Lehrstelle zu finden“, meint Leonhardi. „Viele junge Menschen stehen vor der großen Herausforderung, sich mit der Thematik Berufs- und Studienwahl auseinanderzusetzen. Um sie bei dem entscheidenden Prozess der Berufswahlentscheidung unterstützen und beraten zu können, setzen wir in unserem Pilotprojekt der ‚Lebensbegleitenden Berufsberatung‘ auf eine Weiterentwicklung unserer Berufsberatung und beginnen deshalb schon in den siebten Klassen, das Interesse für das Universum der Berufe zu wecken.“

Die Entwicklung in Arbeitsagentur und Jobcenter

Zum statistischen Zähltag im März betrug die Arbeitslosenquote in der Stadt Leipzig 7,3 Prozent (Vormonat: 7,5 Prozent). Die Arbeitslosenquote war die niedrigste in einem März seit 1991. Im März 2017 lag sie noch bei 8,5 Prozent.

Im März waren 6.421 Menschen in der Arbeitsagentur im Rechtskreis SGB III arbeitslos gemeldet. Das waren 381 weniger als im Vormonat und 732 weniger als vor einem Jahr. Im Jobcenter Leipzig im Rechtskreis SGB II waren 15.350 Menschen arbeitslos registriert. Das waren 249 Menschen weniger als im Februar 2018 und 1.854 weniger als ein Jahr zuvor.

In Leipzig gab es im März 37.302 Bedarfsgemeinschaften. Das waren 25 mehr als im Vormonat und 2.077 weniger als im März des Vorjahres. Das Jobcenter Leipzig betreut aktuell 47.053 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Im Vergleich zum Vormonat betrug der Rückgang 24 Personen. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl um 2.378.

Dass einige der Zahlen stiegen, hat natürlich auch mit den Ausländern zu tun, die zunehmend in das Arbeitsmarktsystem integriert werden, aber meist eher die geringqualifizierten Jobs bekommen. Ihre Familien tauchen dann oft bei den Bedarfsgemeinschaften und den 17.417 „nicht erwerbsfähigen Leistungsberechtigten“ auf, worunter man in der Regel Kinder unter 15 Jahre verstehen darf.

Die Zahl der als arbeitslos gemeldeten Ausländer sank freilich im März von 4.442 auf 4.317.

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