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Die Rekordzahlen vom Flughafen Leipzig/Halle sind keine gute Nachricht fürs Klima

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    Leipzigs Quartalsbericht wertet auch die Entwicklung am Flughafen Leipzig/Halle aus, obwohl der gar nicht zu Leipzig gehört. Aber irgendwie empfindet die Stadtspitze ihn als zugehörig. Was auch erklären würde, dass man sich dort so schwertut, die Flughafenbetreiber in ihrer Rücksichtslosigkeit zu begrenzen. Nicht nur beim Frachtumschlag gab es 2018 einen neuen Höchstwert: 1,21 Millionen Tonnen. Oder auch 1,221. Da haben die Flughafenstatistiker widersprechende Einstellungen dazu.

    Aber die Zahl bedeutet eben auch, dass Leipzig nach dem Frankfurter Flughafen der Flughafen mit dem höchsten Frachtumschlag in Deutschland ist. Dahinter kommt dann noch Köln/Bonn mit 844.599 Tonnen Frachtumschlag, München mit 368.378 Tonnen und Hahn mit 149.597 Tonnen. Die anderen Flughäfen haben dagegen kaum nennenswerte Frachtumschläge. Nur dass in Leipzig/Halle fast alles in der Nacht abgewickelt wird, 70 Flugzeuge nachts starten und landen und dabei auch immer wieder übers Leipziger Stadtgebiet abbiegen.

    Da half dann auch die 2017 vom Bundestag positiv abgestimmte Petition gegen die Kurze Südabkurvung nichts. Der konzerntreue Luftfahrtminister Andreas Scheuer (CSU) teilte jüngst erst dem MDR auf Anfrage mit, dass ihn die Bundestagsentscheidung nicht die Bohne interessiere.

    Was Matthias Zimmermann, Pressesprecher der Bürgerinitiative „Gegen die neue Flugroute“ in einem geharnischten Beitrag so kommentiert: „Hier nun allerdings sieht Herr Scheuer die Welt plötzlich ganz anders. Die Umsetzung dieses Bundestagsbeschlusses wird bis heute von ihm boykottiert! Erst kürzlich ließ er das MDR-Fernsehen auf Nachfrage wissen, ,dass von einer Umsetzung der Petition abgesehen wird‘. Und das, obwohl sowohl der Vorsitzende des Petitionsausschusses Marian Wendt als auch weitere Bundestagsabgeordnete nochmals im Dezember 2018 in einem ,Sachstandsbericht‘ erklärt haben, sich ,… im 1.Quartal 2019, unter Koordinierung des Vorsitzenden des Petitionsausschusses, mit allen beteiligten öffentlichen Stellen auf einen Lösungsweg zu verständigen.‘“

    Im MDR-Beitrag wurde auch deutlich, dass sich die Deutsche Flugsicherung, die dem Bundesverkehrsministerium untergeordnet ist, genauso wenig um die Petition schert und auch nicht um den Planfeststellungsbeschluss zur Südstartbahn. Die DFS wundere sich nur, wie das Überflugverbot für schwere Maschinen in den Planfeststellungsbeschluss geraten sei. Als wäre die DFS bei der Aufstellung des Plans gar nicht beteiligt gewesen. Den Fluglärmbetroffenen klang das vor Eröffnung der Startbahn 2007 aber ganz anders. Auch die Politik versicherte ihnen damals immer wieder: „Leipzig wird umflogen.“

    Wird es aber nicht. In stiller Eintracht mit den Frachtfluggesellschaften schickt die DFS schwere Frachtflieger übers Stadtgebiet, direkt über das Naturschutzgebiet Leipziger Auenwald. Und die Flughafeneigner haben einer weiteren massiven Vergrößerung der Frachtumschlagkapazitäten am Flughafen zugestimmt.

    Die Passagierkapazitäten reichen locker für mindestens 4 Millionen Passagiere aus. Aber davon ist der Flughafen noch weit entfernt.

    „Mit den Touristen nimmt auch die Auslastung des Flughafen Leipzig/Halle zu. Im Jahr 2018 zählte er 8,8 Prozent mehr Gäste als im Vorjahr. Das ist der zweitgrößte Zuwachs im deutschlandweiten Vergleich. Der Luftfrachtverkehr nahm um 7 Prozent zu und umfasste 1,2 Millionen Tonnen, die Zahl der Beschäftigten am Standort stieg um 10,3 Prozent“, schrieb Leipzigs Stadtverwaltung zu dem Thema.

    Und in seinem Text im Quartalsbericht führt Lars Klingbeil die Steigerung auf die „Nachfrage zu Zielen in Ägypten, Griechenland und der Türkei“ zurück. Er folgt damit der Interpretation von Götz Ahmelmann, Vorstandsvorsitzender der Mitteldeutschen Flughafen AG sowie Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughäfen Leipzig/Halle und Dresden, aus dem Januar: „Das starke Passagierwachstum 2018 basiert an beiden Flughäfen (Dresden und Leipzig, d. Red.) auf einem Anstieg im Touristikverkehr. Vor allem türkische, ägyptische und griechische Ferienziele verzeichneten eine gestiegene Nachfrage.“

    Das lenkt ab von der tatsächliche Entwicklung, auch wenn es stimmt: Die Fluggastzahlen in diese drei Krisenländer haben nach dem Ende der Krisenberichterstattung tatsächlich wieder zugenommen. In die Türkei flogen 58.000 Einsteiger mehr als 2017, nach Ägypten 45.000 mehr und nach Griechenland 40.000 mehr. Auch wenn sich an den politischen Gegebenheiten in Ägypten und der Türkei nichts geändert hat. Wenn es um Urlaub in warmen Ferienressorts geht, vergessen viele Menschen ganz schnell, was für eine politische Lage draußen vor den Toren der Ressorts herrscht. Dazu kommt natürlich in Leipzig auch noch der starke Anteil von Billigfliegern.

    Dafür verloren andere Reiseziele an Zuspruch – Spanien zum Beispiel mit minus 41.000 Passagieren, oder Portugal mit minus 3.000.

    Insgesamt nahm die Zahl der Flugpassagiere ins Ausland am Flughafen Leipzig/Halle um 108.000 zu gegenüber dem Vorjahr. Was nicht nur mit dem Angebot der Ferienflieger zu tun haben dürfte, sondern auch mit den steigenden Einkommen in der Region. Es gibt mehr Menschen in Leipzig und Umgebung, die sich einen klimaschädlichen Flug leisten können. Was auch ein wenig erklärt, warum der Flughafen seit 2007 nie die geplanten 4 bis 5 Millionen Passagiere erreicht hat: Auch den Urlaub mit Flugzeug muss man sich erst einmal leisten können.

    Aber die 108.000 zusätzlichen Passagiere sind ja nur etwas mehr als die Hälfte des Zuwachses von 207.000. Die anderen Passagiere flogen also zu anderen Zielen – auch zu Transitflughäfen in Deutschland. Und ein wachsender Teil von Geschäftsreisenden dürfte auch mit in der Zahl stecken.

    Und 2019 werden die Zahlen noch weiter steigen, da ja nun mehr zahlungskräftige Erwerbstätige in Leipzig wohnen. Lars Kreymann: „Erstmals seit der deutschen Wiedervereinigung wird es ab Juli 2019 Nonstop-Flüge zwischen den Partnerstädten Leipzig und Kiew mit der Fluggesellschaft Wizz Air geben. Außerdem wird Condor ab Sommerflugplan 2019 zwölf zusätzliche Flüge auf die Balearen, Kanaren, nach Ägypten, in die Türkei und nach Griechenland anbieten.“

    Das ist keine gute Nachricht für das Klima. Genauso wenig wie die mit breiter Brust verkündeten Ausbaupläne für den Frachtumschlag.

    Noch einmal Matthias Zimmermann: „So stellt sie sich also derzeit dar, die viel gepriesene deutsche Demokratie. Schade, was aus ihr geworden ist. Rechts,Verständnis‘ dort, wo sie einem nützt, Rechtsbeugung da, wo sich auf der Welle von Lobbyisten und Mainstream komfortabel schwimmen lässt. Da ist man doch fast geneigt zu sagen, kehrt erst mal vor euer eigenen Haustür, bevor ihr anderen Ländern demokratische Regeln empfehlt! Wobei natürlich gerechterweise ergänzt werden sollte, dass Herr Scheuer mit seiner Blockadehaltung nicht alleine dasteht. Mächtige Verbündete, die derzeit mit 500 Mio. Euro krampfhaft im Schnellgang am Landtagsparlament vorbei versuchen, die Fehlplanungen ihrer Vorgänger vom überdimensionierten Personenflughafen mittels gigantischem Fracht- und Militärflughafen zu kompensieren (und sich dabei offensichtlich nicht zu schade sind, zu den fragwürdigen Expansionsgelüsten der Chinesen – der neuen Chinesischen Seidenstraße – einen entscheidenden Beitrag zu leisten), grübeln derzeit, wie man denn die kommende Landtagswahl in Sachsen übersteht und blockieren ebenso.“

    Hat die Stadt Leipzig tatsächlich für noch mehr Lärm und Dreck am Flughafen Leipzig/Halle gestimmt?

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