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Die Corona-Krise trifft auch in Leipzig vor allem die jüngeren Arbeitnehmer/-innen

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    Ein bisschen haben die Regierungen der Welt doch gelernt aus der Weltwirtschaftskrise von 1929: Man darf den Hahn nicht zudrehen und eine Krise damit bekämpfen, dass man die Ausgaben auch noch zusammenstreicht. Die „Schwarze Null“ ist das übelste Instrument zur Bewältigung einer Krise. Und die großen Extra-Pakete, die die Bundesregierung zur Bewältigung der Coronakrise beschlossen hat, zeigen durchaus Wirkung. Sie dämpfen auch massiv den Anstieg der Arbeitslosigkeit.

    Denn die massiv anschwellende Arbeitslosigkeit war einer der Gründe dafür, warum die Weimarer Republik ab 1920 immer mehr ins Straucheln geriet. Damit die Wirtschaft weiterläuft, braucht sie Geld, Geld, das fließt, das am Ende bei den Beschäftigten landet und den Waren-Geld-Kreislauf im Gang hält.

    Ob die Corona-Milliarden-Pakete richtig eingesetzt wurden und werden, ist eine andere Frage. Selbst alte, von der Zeit überholte Wirtschaftszweige tragen zum „Wirtschaftswachstum“ bei, wenn sie nur weiter ihre Produkte verkaufen können. Und es sieht ganz so aus, als könnte die deutsche Wirtschaft mit einem ähnlichen blauen Auge davonkommen wir zur Bankenkrise 2008. Jedenfalls besagen das die jüngsten Prognosen aus dem Wirtschaftsministerium, über die der „Spiegel“ am Dienstag, 1. September, berichtete.

    Und wenn der größte Teil der Wirtschaft wieder Tritt fasst, heißt das auch, dass es nicht zu den schnellen und heftigen Anstiegen der Arbeitslosigkeit kommt, die noch im Frühjahr für den Herbst befürchtet wurden. Vorerst auch in Leipzig nicht, auch wenn die Zahlen, die die Arbeitsagentur am 1. September vorgelegt hat, erst einmal nur die für den Urlaubsmonat August sind.

    Insgesamt waren Ende August in der Stadt Leipzig 26.724 Menschen, 997 mehr als im Juli, bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum August 2019 stieg die Arbeitslosigkeit um 6.170 Personen oder 30 Prozent stark an, meldet die Arbeitsagentur. Das ist viel – stimmt. Aber selbst 2002 lag diese Zahl mit 45.000 deutlich höher. Seit 2010 wurde die Zahl der als arbeitslos registrierten zwar deutlich abgebaut.

    Aber noch immer sind die Beschäftigungen in einigen Branchen höchst prekär. Und einige Branchen sind natürlich bis heute hochgradig von den Corona-Einschränkungen betroffen.

    „Auch im August ist die Arbeitslosigkeit wie im Juli angewachsen“, erklärte am Dienstag die Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Leipzig Nadia Arndt zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im August 2020. „Dieser Anstieg in der Arbeitslosigkeit ist zum großen Teil saisonbedingt und überwiegend bei jungen Leuten zu verzeichnen, aber auch Corona hatte Einfluss. Junge Leute sind in den letzten Monaten schneller freigesetzt worden oder haben den Einstieg nach der Ausbildung nicht geschafft. So stieg die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahres August um 44,7 Prozent. Die Gelegenheit für andere Unternehmen, diese jungen Fachkräfte einzustellen ist günstig.“

    Andererseits arbeiten nach wie vor viele Betriebe eingeschränkt und versuchen Entlassungen dadurch zu vermeiden, dass sie ihr Personal weiter in Kurzarbeit belassen. Das trägt in Leipzig bislang erheblich dazu bei, dass die Arbeitslosenzahl nicht drastisch in die Höhe schnellt.

    Kurzarbeit dämpft Arbeitslosigkeit

    Insgesamt haben seit Jahresbeginn 7.260 Leipziger Betriebe in der Agentur für Arbeit Kurzarbeit angezeigt. In diesen Betrieben arbeiten 95.992 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. Besonders betroffen sind Unternehmen der Gastronomie (826), des Einzelhandels (757) und des Gesundheitswesens (709), so die Arbeitsagentur Leipzig.

    Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei jüngeren Beschäftigten. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig
    Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei jüngeren Beschäftigten. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

    „Wir hatten im April den Höhepunkt bei den erstmaligen Anzeigen mit 5.412, im Mai waren es nur noch 428, im Juni 129 und im Juli 50. Die angezeigte Kurzarbeit ging seit April stetig zurück. Ich sehe bisher in Leipzig keine Entwicklung raus aus der Kurzarbeit und rein in die Arbeitslosigkeit. Die Unternehmen versuchen, ihr Personal zu halten“, erläutert Arndt die aktuellen Kurzarbeiterzahlen.

    Nach der Abrechnung der Kurzarbeit durch die Betriebe für den zweiten Monat in der Coronakrise können nun für den April Angaben zum tatsächlichen Bezug von Kurzarbeitergeld gemacht werden. Im April haben in Leipzig 4.769 Betriebe Kurzarbeitergeld für 58.959 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte von der Arbeitsagentur erhalten. Ende 2019 gab es in Leipzig 277.145 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte.

    „Um diese sprunghafte Entwicklung bewältigen zu können, waren viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den zurückliegenden Monaten in die Bearbeitung und Zahlbarmachung von Leistungsanträgen gewechselt“, betont Nadja Arndt.

    „Nun sind die Kolleginnen und Kollegen zum Teil an ihre angestammten Arbeitsplätze in der Arbeitsvermittlung und Berufsberatung zurückgekehrt. Einige von ihnen helfen ab heute bei der Identitätsprüfung von über 6.000 arbeitslos gemeldeten Menschen, die in den letzten Monaten die Arbeitsagentur nicht betreten konnten. Diese haben wir eingeladen und in den nächsten Wochen holen wir die für den Bezug von Arbeitslosengeld notwendige persönliche Identitätsprüfung hier im Haus nach. Gerne empfehle ich auch das ,Selfie-Ident‘ Verfahren. Damit kann man bequem von zu Hause aus seine Identität der Arbeitsagentur auf elektronischem Wege mitteilen. Wie das geht, steht auf unserer Internetseite www.arbeitsagentur.de.“

    Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Bereichen SGB 2 ("Hartz IV") und SGB 3 (ALG I). Grafik: Arbeitsagentur Leipzig
    Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Bereichen SGB 2 („Hartz IV“) und SGB 3 (ALG I). Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

    Die Zahlen zum Leipziger Arbeitsmarkt im August in der Kurzübersicht:

    Der Anstieg im Vergleich zum Vormonat Juli betrug bei den Unter-20-Jährigen 185 (+ 37,6 Prozent) auf 677 und bei den Unter-25-Jährigen 459 (+ 17,2 Prozent) auf 3.135. Zum Vorjahres-August lag der Anstieg bei 24,0 bzw. 44,7 Prozent.

    Bei den Lebensälteren, in der Altersgruppe ab 50 Jahren, stieg die Arbeitslosigkeit um 69 auf 6.700 Personen (Vorjahr: 5.510).

    Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist im zurückliegenden Monat in Leipzig gewachsen. Gegenüber dem Vormonat stieg sie um 377 auf 6.157. Im Vergleich zum August 2019 gab es 1.539 langzeitarbeitslose Menschen mehr. Das entsprach einem Anstieg um 33,3 Prozent.

    Der Zugang in die Arbeitslosigkeit aus der Erwerbstätigkeit betrug in den letzten vier Wochen 2.087. In Erwerbstätigkeit meldeten sich 1.853 vorher arbeitslose Menschen in der gleichen Zeit ab.

    Beim Zugang an offenen Arbeitsstellen verzeichnete die Arbeitsagentur Leipzig im August einen Anstieg gegenüber dem Vormonat. Die Wirtschaft und die Verwaltung haben in den letzten vier Wochen 1.872 freie Stellen, das waren 241 mehr als im davor liegenden Monat und 168 weniger als vor einem Jahr, zur Besetzung gemeldet.

    Zum statistischen Zähltag im August betrug die Arbeitslosenquote in der Stadt Leipzig 8,4 Prozent (Vormonat: 8,1 Prozent). Im August 2019 lag diese Quote noch bei 6,4 Prozent.

    Arbeitsmarktentwicklung nach Rechtskreisen SGB III und SGB II

    Im August waren 10.454 Menschen in der Arbeitsagentur im Rechtskreis SGB III arbeitslos gemeldet. Das waren 537 mehr als im Vormonat und 3.431 mehr als vor einem Jahr. Im Jobcenter Leipzig im Rechtskreis SGB II waren 16.270 Menschen arbeitslos registriert. Das waren 460 mehr als im Juli und 2.739 mehr als vor einem Jahr.

    60,9 Prozent aller arbeitslosen Leipziger wurden vom Jobcenter und 39,1 Prozent von der Arbeitsagentur betreut.

    In Leipzig gab es im August 35.301 Bedarfsgemeinschaften. Das waren 85 mehr als im Vormonat und 2.151 mehr als im August des Vorjahres.

    Das Jobcenter Leipzig betreut aktuell 44.470 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Im Vergleich zum Vormonat betrug der Anstieg 217. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs die Zahl um 2.675 Personen.

    Ausbildung

    Seit Oktober 2019 wurden der Arbeitsagentur Leipzig 2.601 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet. Das waren 443 weniger als vor einem Jahr um diese Zeit. Gegenwärtig sind davon noch 812 Ausbildungsstellen unbesetzt.

    Im gleichen Zeitraum meldeten sich 2.770 Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildungsstelle. Das waren 160 weniger als bis August 2019. Zum Zähltag waren noch 599 unversorgt.

    „Auch wenn die Berufsausbildung für die meisten in diesen Tagen beginnt, sollten die jungen Leute, die noch keine Ausbildungsstelle gefunden haben, sich unbedingt bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur melden. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater suchen gemeinsam mit euch nach noch unbesetzten Ausbildungsstellen oder anderen Perspektiven zum Berufseinstieg“, so Arndt zum Abschluss.

    Die Arbeitsagentur Leipzig hat extra für die jungen Leute eine spezielle Telefonhotline zur Beratung eingerichtet. Von Montag bis Donnerstag von 10:00 bis 15:00 Uhr sind die Berufsberaterinnen und Berufsberater telefonisch unter 0341 913 33333 oder per E-Mail

    für Oberschulen und Schüler der Berufsschulzentren unter:
    Leipzig.151-Berufsberatung-vor-dem-Erwerbsleben@arbeitsagentur.de

    für Gymnasien und Fachoberschulen unter:
    Leipzig.153-Berufsberatung-vor-dem-Erwerbsleben@arbeitsagentur.de

    erreichbar.

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