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Kurzarbeit dämpft auch zum Jahreswechsel die Leipziger Arbeitslosenzahlen

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    Zum Jahreswechsel hat die Arbeitsagentur Leipzig jetzt Bilanz gezogen, wie sich die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen auf den Leipziger Arbeitsmarkt ausgewirkt hat. Mit Einschränkung formuliert, denn ein wirklich modernes Werkzeug zur Steuerung des Arbeitsmarktes ist die Arbeitsagentur ja wirklich nicht. Das wäre sie erst an dem Tag, an dem man hinkommt, nach einem Job fragt und sofort vermittelt wird. Und zwar nicht in einen schlecht bezahlten Aushilfsjob.

    Sondern in einen, der der eigenen Qualifikation entspricht und ordentlich bezahlt wird. Wozu freilich ein gut Teil der deutschen Gesetzgebung entrümpelt werden müsste – vor allem jenes alte Sklavenhalterdenken, das bis heute in die Köpfen der Menschen hämmert, sie müssten flexibel zu jeder Schikane bereit sein, egal, was für ein mieses Jobangebot sie bekommen. Denn in dieser Denkwelt sind Menschen von Natur aus faul und müssen zur Arbeit gepeitscht werden.

    Obwohl gerade die Corona-Zeit gezeigt hat, dass auch das Märchen vom „Verschwinden der Arbeit“ eine Zwecklüge aus den PR-Abteilungen großer Konzerne ist, die den Menschen gern einreden möchten, dass sie und ihre Arbeit überflüssig sind und deshalb auch saumies bezahlt werden darf.

    Wozu ist dann aber Wirtschaft letztlich noch da, wenn alles Interesse darin besteht, den Menschen aus diesem sinnstiftenden Zusammenhang systematisch zu verdrängen?

    Die Frage steht. Gerade jetzt, da die Arbeitsagentur Leipzig zum Jahresende sogar wieder einen leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit meldet, auch wenn die durch die Pandemie verursachten Arbeitsplatzverluste bestehen bleiben. Denn sie stammen ja zumeist aus jenen Branchen, die schon seit dem ersten Lockdown ihren Betrieb einstellen oder herunterfahren mussten.

    Entwicklung der Beschäftigtenzahlen in Leipzig. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig
    Entwicklung der Beschäftigtenzahlen in Leipzig. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

    Andererseits zeigen die Zahlen, dass der eigentliche Arbeitsplatzaufbau, der auch in Sachsen seit 14 Jahren im Gange war, weitergeht.

    „Der Dezember 2020 war für den Leipziger Arbeitsmarkt von einem leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum November geprägt. Der leichte Rückgang um 180 Personen ist saisonbedingt und hielt die Arbeitslosenquote wie im November bei 7,7 Prozent“, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Leipzig Steffen Leonhardi bei der Vorstellung der Arbeitsmarktzahlen für den Dezember 2020 am Dienstag, 5. Januar.

    „Der Vergleich zum Dezember 2019 ist durch die Folgen der Pandemie stark beeinflusst. Hier hatten wir einerseits leider einen Zuwachs von 5.727 Menschen in die Arbeitslosigkeit verzeichnet und andererseits einen Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung innerhalb des Quartals von März auf Juni 2020 von 1.896 oder 0,7 Prozent.“

    Dabei weiß auch Leonhardi, dass Sachsen nach wie vor einen riesigen Bedarf an Nachwuchs für den Arbeitsmarkt hat. Die seit 2010 halbierten Ausbildungsjahrgänge zeigen nach wie vor Wirkung und bedeuten in den meisten Branchen nach wie vor eine intensive Suche nach Berufsnachwuchs.

    „Um die Arbeitslosigkeit zu reduzieren, bleibt ein wichtiges Anliegen der Agentur für Arbeit wie auch des Jobcenters Leipzig die Investition in die berufliche Qualifizierung sowohl von arbeitslosen Menschen als auch Menschen in Kurzarbeit. Gleichzeitig wollen wir auch Beschäftigte dabei unterstützen, eine höhere Qualifikation zu erlangen.

    Mit dem dafür vorhandenen Förderprogramm wollen wir einen Beitrag zur Fachkräftesicherung für beschäftigte Menschen wie für Unternehmen in der Region leisten. Die demografische Entwicklung bleibt trotz Corona weiterhin davon geprägt, dass in den nächsten Jahren viel mehr Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden als eintreten“, erläutert Leonhardi das zentrale Ziel der Geschäftspolitik für das Jahr 2021.

    Unübersehbare Folge: der Zugang an offenen Arbeitsstellen bleibt hoch, auch wenn die Arbeitsagentur hier einen leichten Rückgang sieht. Aber: Die Wirtschaft und die Verwaltung haben in den letzten vier Wochen 1.428 freie Stellen zur Besetzung angeboten. Das waren zwar 150 Stellen weniger als im davor liegenden Monat November und 168 Stellen weniger als vor einem Jahr.

    Aber es sind reale Stellen, wenn auch zur Hälfte über Leiharbeitsfirmen angeboten, weil viele Firmen seit den Arbeitsmarktreformen vor zwei Jahrzehnten verinnerlicht haben, dass man die Suche nach Arbeitskräften derart outsourcen kann und man nach wie vor Leute findet, die sich auch prekär in Zeitverträgen verdingen.

    Entwicklung der als frei gemeldeten Stellen. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig
    Entwicklung der als frei gemeldeten Stellen. Grafik: Arbeitsagentur Leipzig

    Verdingen müssen, wie man betonen muss. Denn oft haben die in einer Branche Tätigen keine Wahl, weil alle Anbieter so handeln und dabei so tun, als sei der einzelne Arbeiter jederzeit ersetzbar.

    Es gibt aber längst auch viele Unternehmen, die so nicht mehr denken wollen und die auch im Frühjahr, als der erste Lockdown kam, lieber ihre Leute in Kurzarbeit schickten, um sie langfristig doch im Betrieb zu halten. Denn das, was einer in seinem Berufsleben an Knowhow gesammelt hat, ist in der Regel nicht ersetzbar.

    Und so liefert die Arbeitsagentur auch eine kleine Jahresabrechnung zur Kurzarbeit.

    Insgesamt haben seit Jahresbeginn 8.019 Leipziger Betriebe in der Agentur für Arbeit Kurzarbeit angezeigt. In diesen Betrieben arbeiten 106.947 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte. (In Leipzig gibt es insgesamt 274.019 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte (- Jüngster Stand Juni 2020.) Besonders betroffen sind Unternehmen der Gastronomie (1.094), des Einzelhandels (808) und des Gesundheitswesens (741). Die Zahl der Anzeigen stieg nach Monaten des Rückgangs seit Oktober wieder an, so die Arbeitsagentur.

    Nach der bisherigen Abrechnung der Kurzarbeit durch die Betriebe in der Coronakrise haben im März 2.904, im April 4.759, im Mai 4.117, im Juni 3.012, im Juli 2.275 und im August 1.961 Betriebe Kurzarbeit abgerechnet.

    Kurzarbeitergeld wurde durch die Betriebe im März für 30.619, im April für 50.956, im Mai für 42.114, im Juni für 24.394, im Juli für 16.545 und im August für 13.403 Beschäftigte bezogen.

    „Wir sehen, dass der Monat April der Höhepunkt bei den erstmaligen Anzeigen und auch beim Abrechnen der Kurzarbeit war. Im Mai wurde Kurzarbeit bereits etwas weniger, aber auf einem weiterhin hohen Niveau in Anspruch genommen. Dann sanken die Zahlen deutlich von Monat zu Monat bevor sie seit Oktober erneut anstiegen. Kurzarbeit ist und bleibt das Instrument, um Arbeitslosigkeit zu verhindern und den Betrieben ihre Fachkräfte zu erhalten“, betont Leonhardi.

    Da der Lockdown aber weiter verlängert wird, weil die Zahl der Infizierten noch lange nicht genug reduziert wurde, werden die benannten Branchen noch weit bis ins Jahr 2021 leiden und am Ende froh sein, wenn sie mit ihrem alten Personal wieder öffnen dürfen.

    Leipzigs Arbeitsmarkt in Zahlen

    Insgesamt waren im Dezember 2020 24.364 (Vormonat 24.544) Männer und Frauen in Leipzig arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Vormonat November ging die Zahl um 180 leicht zurück. Gegenüber Dezember 2019 stieg die Arbeitslosigkeit aber um 5.727 Personen oder 30,7 Prozent sehr deutlich an. Damit liegt die Leipziger Arbeitslosenzahl freilich noch immer unter der von 2015. Die Pandemie hat also den Effekt des Beschäftigungsaufbaus der vergangenen Jahre nicht komplett aufgefressen, sondern wirkt sich in den Branchen völlig unterschiedlich aus.

    In den einzelnen Altersgruppen gab es im zurückliegenden Monat uneinheitliche Entwicklungen. Bei den unter 25-Jährigen nahm die Arbeitslosigkeit um 61 ab. In der Altersgruppe der 50-Jährigen und Älteren betrug dagegen der Anstieg zum Vormonat 72 Personen.

    So zählte die Statistik im Dezember 2.164 Jugendliche unter 25 Jahren, das waren 552 Personen mehr als im Dezember 2019. Die Zahl der älteren Arbeitslosen ab 50 Jahren lag im Dezember bei 6.673 Personen. Das waren 1.287 mehr als vor einem Jahr.

    Zum statistischen Zähltag im Dezember betrug die Arbeitslosenquote in der Stadt Leipzig 7,7 Prozent (Vormonat: 7,7 Prozent). Im Dezember 2019 lag sie noch bei 5,9 Prozent.

    Im Dezember waren 8.969 Menschen in der Arbeitsagentur Leipzig arbeitslos gemeldet. Das war 1 Person weniger als im Vormonat, waren aber 2.703 mehr als ein Jahr zuvor. Beim Jobcenter Leipzig waren 15.395 Menschen arbeitslos registriert. Das waren 179 Personen weniger als im November, aber 3.024 mehr als im Dezember 2019.

    In Leipzig gab es im Dezember 32.834 Bedarfsgemeinschaften. Das waren 124 Bedarfsgemeinschaften mehr als im Vormonat und 1.352 mehr als im Dezember 2019. Aktuell betreut das Jobcenter Leipzig 41.137 erwerbsfähige Leistungsberechtigte. Im Vergleich zum Vormonat gab es einen Anstieg um 174 und auch im Vergleich zum Dezember 2019 gab es einen Anstieg und zwar um 1.482.

    Im Juni 2020, dem jüngsten statistischen Erfassungszeitpunkt, der nun aktuell veröffentlicht wurde, lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Arbeitsort in Leipzig bei 274.019 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Zunahme um 1.146 Beschäftigte oder 0,4 Prozent. Im Vergleich zum Vormonatsquartal (März 2020) gab es einen Rückgang um 1.896 oder 0,7 Prozent.

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