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Fleißige Hühner? Animal Rights Watch fordert das Statistische Bundesamt zur Korrektur auf

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    Zeiten ändern sich und auch Statistiker/-innen haben nicht wirklich ein Recht, sich dumm zu stellen. Auch nicht zu Weihnachten oder zu Ostern, wenn sie die neuesten Zahlen zum Fest veröffentlichen, aber verpacken, als wären es lauter süße Nettigkeiten. So hat auch das Bundesamt für Statistik seine Oster(eier)zahlen bekannt gegeben. Und bekommt eine deutliche und nur allzu berechtigte Kritik von Animal Rights Watch (ARIWA).

    „Ohne die fleißigen Hühner wäre der Hase an Ostern wohl arbeitslos“, schreibt das Statistische Bundesamt (Destatis) in einer Pressemitteilung am 30. März. Denn jede der rund 43 Millionen Hennen in deutschen Eierfabriken lege im Durchschnitt 301 Eier pro Jahr.Dass das kein Ausrutscher war und der Verfasser des Textes überhaupt nicht verstanden hat, was er da berichtete, machen auch spätere Passagen deutlich: „Besonders viele fleißige Hühner gab es in Niedersachsen. Sie legten mit 5,1 Milliarden Eiern fast 40 % der im Jahr 2020 in Deutschland erzeugten Gesamtmenge. Es folgten die Legehennen aus Nordrhein-Westfalen mit einer Menge von 1,4 Milliarden Eiern (11 %) und die aus Bayern mit 1,1 Milliarden Eiern oder 8 %. Betrachtet man die jährliche Legeleistung je Henne, so hatten die Legehennen in Thüringen allerdings den Schnabel vorn – dort legte jede Henne 321 Eier im Jahr. Überdurchschnittlich produktiv waren die Hühner auch in Sachsen (314 Eier) und in Niedersachsen (308).“

    Als wenn das Eierlegen in den riesigen Legebatterien irgendetwas mit einem Wettrennen zu tun hätte. Aber weder die Rennmetapher noch die von den fleißigen Hühnern ist hier angebracht, wie Animal Rights Watch (ARIWA) erklärt. Das sei keine Anerkennung, sondern eine Verhöhnung der betroffenen Tiere.

    „Dass diese ‚jährliche Legeleistung‘ nichts mit Freiwilligkeit oder gar Fleiß zu tun hat, scheint den Destatis-Beamten nicht in den Sinn gekommen zu sein“, staunt Sandra Franz, Pressesprecherin von Animal Rights Watch. „Die Hennen, von denen hier die Rede ist, haben in Wahrheit keine Wahl, ob sie Eier legen wollen oder nicht. Sie sind in Körpern gefangen, die auf maximale, in absurdem Maße unnatürliche Eierproduktion gezüchtet wurden. Und die daran innerhalb kurzer Zeit qualvoll zugrunde gehen.“

    Wie jeder weibliche Vogel würde eine normale Henne pro Jahr so viele Eier legen, wie sie ausbrüten kann, konkret etwa 10 Stück. Heutige Qualzuchten, wie sie ARIWA nennt, die in der Eierindustrie – einschließlich Biohaltung – Standard sind, fordern dem Körper also die 30-fache Belastung ab.

    „Es ist deshalb kein Wunder, dass der Durchschnitt von rund 300 Eiern nicht nur pro Jahr gilt, sondern meist auch für die gesamte Lebensdauer dieser Hühner“, erklärt Sandra Franz. „Denn die wenigsten Hennen überstehen diese Tortur länger als ein Jahr. Dann lässt ihre ‚Legeleistung‘ nach und sie werden getötet.“

    Die ausgemergelten Tiere enden im Schlachthof und werden zu Suppenpulver, Hundefutter oder Babybrei verarbeitet. Zwischen 10 und 20 Prozent aller „Legehennen“ sterben noch vor Ablauf der einjährigen „Legeperiode“ in den Eierfabriken, meist an Krankheiten oder Verletzungen.

    „Dass unsere Gesellschaft diese Ausbeutung von Abermillionen empfindsamer Tiere immer noch zulässt, ist schlimm genug“, so Sandra Franz: „Diese hilflosen, missbrauchten Tiere von staatlicher Seite auch noch als ‚fleißig‘ zu verhöhnen, ist einer aufgeklärten Gesellschaft vollends unwürdig.“

    Animal Rights Watch fordert das Statistische Bundesamt deshalb auf, sich schnell und eindeutig von dieser Formulierung zu distanzieren.

    Der Verein geht sogar noch weiter und findet, dass Hühnereier für die menschliche Ernährung gar nicht gebraucht würden, wie Sandra Franz betont: „Hühnereier sind ausnahmslos erzwungene, mit Tierqual erkaufte Produkte. Und gleichzeitig sind sie für unsere Ernährung völlig unnötig. Deshalb gehört die Eierindustrie besser heute als morgen abgeschafft.“

    Aber ein Schritt wäre schon getan, wenn die statistischen Ämter der Republik aufhören würden, blumig aufzuhübschen, was in Wirklichkeit eine ziemlich gnadenlose Tierindustrie ist. Solange solche blumigen Sätze die Sicht darauf verstellen, wie unsere heutigen Berge industriell gefertigter Nahrung entstehen, so lange wird es auch vielen Käufern der Produkte schwerfallen, umzudenken. Denn wie mit den Tieren umgegangen wurde, die hinter den hübsch verpackten Produkten stehen, steht meist nur kleingedruckt und verschlüsselt auf der Packung.

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