Ende März erfreute das Statistische Landesamt die Öffentlichkeit noch mit einer Meldung, die ein wenig die Stimmung dämpfte: „0,2 Prozent realer Rückgang des BIP 2025 in Sachsen“. Das Wörtchen „real“ darin dürfte durchaus irritieren. Denn eigentlich ist das Bruttoinlandsprodukt auch 2025 gewachsen. Erst wenn man es nach den gestiegenen Preisen neu berechnet, kommt man auf ein Minus.

Tatsächlich aber hat die sächsische Wirtschaft brutto mehr umgesetzt als im Vorjahr: rund 5 Milliarden Euro. Ein Bild, das mit mehr Investitionen auf Bundes- und Landesebene sogar noch ganz anders ausgesehen hätte.

Aber derzeit kann man auf allen drei Ebenen – Bund, Land und Kommunen – zusehen, wie eine „Austeritätspolitik“ aussieht, die einerseits bei den Steuern massiv auf Einnahmen verzichtet und andererseits gerade in Krisenzeiten auch noch die Staatsausgaben für Investitionen drosselt.

Das hat auch mit der sächsischen Haushaltspolitik zu tun, die im Doppelhaushalt 2025/2026 rund 2 Milliarden Euro „eingespart“ hat, um nur ja keine Schulden zu machen. Geld, das auch den Kommunen für Investitionen fehlt. Der Staat hat also einen deutlichen Anteil daran, dass das BIP stagniert und vor allem die Kommunen als Konjunkturmotor ausfallen.

Und das wird nur noch deutlicher, wenn die Statistiker das preisbereinigte BIP berechnen.

Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) verringerte sich in Sachsen 2025 um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Deutschland: +0,2 Prozent). Damit verzeichnete die sächsische Wirtschaft im dritten Jahr in Folge einen realen Rückgang des BIP. Innerhalb von Deutschland reichte die reale Veränderung des BIP im Vergleich zu 2024 von einem Rückgang um 0,9 Prozent im Saarland bis zu einem Plus von jeweils 1,4 Prozent in Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

Eigentlich logisch: Deutliche Auswirkungen auf diese preisbereinigten Ergebnisse hatten auch 2025 die gestiegenen Preise. Das BIP in jeweiligen Preisen betrug 2025 in Sachsen knapp 168 Milliarden Euro und war damit um 3,1 Prozent höher als 2024 (Deutschland: +3,3 Prozent).

Arbeitsvolumen bei 83 Prozent

Berechnet haben Sachsens Statistiker bei der Gelegenheit auch noch das Arbeitsvolumen der Sachsen. Bezogen auf das Arbeitsvolumen in Sachsen erreichte das BIP aktuell einen Wert von 60,75 Euro je Erwerbstätigenstunde und entsprach damit reichlich 83 Prozent des gesamtdeutschen Wertes (72,97 Euro je Stunde). In Relation zur Zahl der Erwerbstätigen am Arbeitsort lag der aktuelle Pro-Kopf-Wert des BIP in Sachsen bei 81.957 Euro und repräsentierte reichlich 84 Prozent von der gesamtdeutschen Größe (97.210 Euro je Person).

Was nicht etwa heißt, dass die Sachsen weniger fleißig waren als ihre Kollegen im Westen, sondern dass es hier weniger produktionsstarke Industriebetriebe gibt.

Sowohl das produzierende Gewerbe als auch die Dienstleistungsbereiche verzeichneten 2025 in Sachsen reale Rückgänge der Bruttowertschöpfung (BWS) im Vergleich zum Vorjahr. Real heißt auch hier: preisbereinigt.

Dabei wurden die preisbereinigten Verluste von –1,3 Prozent im Verarbeitenden Gewerbe noch von den Einbußen im Baugewerbe in Höhe von –4,7 Prozent übertroffen. Innerhalb des Dienstleistungssektors konnte nur der Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation einen realen Anstieg der BWS in Höhe von 1,0 Prozent verbuchen.

Im Bereich öffentliche und sonstige Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit verringerte sich die BWS minimal um 0,1 Prozent. Deutlicher fiel der reale Rückgang der BWS mit –1,2 Prozent im Bereich Grundstücks- und Wohnungswesen, Finanz- und Unternehmensdienstleistungen aus. Die Land- und Forstwirtschaft, Fischerei erreichte 2025 ein preisbereinigtes Wachstum der BWS um 17,9 Prozent.

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