Auf diesen Tag haben viele lange gewartet – Leipzig feiert das Finale der UEFA Conference League mit einem großen Fest. Traurig: in der Nacht lieferten sich spanische und englische Hooligans eine Massenschlägerei, griffen zudem eingesetzte Polizeikräfte an. Wünschen wir uns, dass heute Abend alles friedlich bleibt. Bevor das Endspiel gefeiert wird, heisst es für die Abgeordneten im Rathaus aber erst einmal, Debatten zu führen und Entscheidungen zu treffen.
Erst die Arbeit…
Heute wollen vermutlich auch die Leipziger Stadträte pünktlich vom Hof. Doch vor der Party heisst es, ordentlich zu knuffen. Der Leipziger Stadtrat entscheidet in seiner heutigen Sitzung über die künftige Namensgebung der bisherigen 46. Grundschule im Leipziger Westen. Die Schule selbst beantragte, künftig den Namen Käte Duncker (1871–1953) zu tragen. Der Vorschlag hatte zuletzt für kontroverse Diskussionen gesorgt. Die Stadt folgt dem Wunsch der Schule und bringt ihn heute als Antrag in den Stadtrat ein.
Die Schulleitung würdigt die geplante Namensgeberin als „Reformpädagogin“, Frauenrechtlerin und verweist auf die geografische Nähe des Schulgebäudes zum benachbarten „Duncker-Viertel“. Dem widerspricht der Berufsschullehrer Kai-Uwe Arnold nun vor der Abstimmung in der Leipziger Volkszeitung. Er befasst sich seit Jahren mit der historischen Bedeutung von Straßennamen und klärt über die mögliche Namensgleichheit auf. Nach seiner Darstellung wurde das „Duncker-Viertel“ nicht nach Hermann Duncker, dem Ehemann von Käte, benannt, sondern nach Gustav Heinrich Duncker, einem Leipziger Kaufmann und Stifter. Dessen Name habe ursprünglich auch eine Straße im Viertel getragen. Erst 1960 sei diese nach dem Tod des DDR-Funktionärs durch die sozialistischen Machthaber in Dr.-Hermann-Duncker-Straße umbenannt worden. Für Arnold ist dieser Aspekt jedoch nur von untergeordneter Bedeutung.
Schwerer wiege aus seiner Sicht die politische Haltung Käte Dunckers. „Diese Frau war eine glühende Kommunistin, Verehrerin von Stalin und Lenin“, zitiert das Blatt den passionierten Historiker und Lehrer. Weiter gibt es Arnold mit den Worten wieder: „Sie bezeichnete Lenins Terrorregime, dem Millionen zum Opfer fielen, als ‚heiliges Land‘, ihr Eintreten für den Anschluss der baltischen Staaten, der mit der gewaltsamen Annexion an die Sowjetunion in Erfüllung ging, dient heute Russland als Blaupause des Krieges um die Angliederung der Ukraine und einer erneuten Bedrohung der Baltenstaaten.“
Eine Leipziger Berufsschule hatte vor diesen Hintergründen 1992 den Namen „Käte Duncker“ bewusst abgelegt.
Weitere Anträge, über die von der Ratsversammlung abgestimmt werden soll, sind u. a. Regelungen zum Betrieb von Motorbooten auf dem Cospudener See, Leipzigs Beitrag zur Berliner Olympiabewerbung oder das weitere Betreiben sogenannter „Verschenkekisten“. Verschoben wurde die Beschlussfassung zum Verkauf des einstigen Connewitzer Bahnhofs.

…dann das Vergnügen
Zwei Tage wurde ordentlich vorgefeiert (LZ berichtete), heute nun ist es endlich soweit – Leipzig wird für einen Tag europäische Fußball-Hauptstadt. Das Endspiel der UEFA Conference League füllt die Red-Bull-Arena und lädt alle, die keine Tickets mehr bekamen, auf den Markt zum Zuschauen und Feiern ein. Mit einem ganztägigen Programm wird das Event begleitet.
Wenig feierlich ging es gestern Nacht in der City zu, als spanische und englische Chaoten zeigten, dass für sie Gewalt eine Begleiterscheinung des Fussballs ist. Mehr als 300 Personen lieferten sich eine Schlägerei, bewarfen sich gegenseitig mit Gegenständen. Ein schnelles Eingreifen von Polizeikräften führte dazu, dass von fast allen Randalierern die Personalien festgestellt werden konnte. Die Polizei bestätigte dies am Morgen gegenüber Medienvertretern.
Den Auftakt des heutigen Festes bildet von 11 bis 12 Uhr der Blindenfußball der DFB-Stiftungen. Um 13 Uhr beginnt das „UEFA Legends Match“, bei dem Jugendliche gemeinsam mit früheren Fußballprofis antreten. Mit dabei sind unter anderem der einstige spanische Nationalspieler Gaizka Mendieta sowie die ehemaligen DFB-Fußballer René Adler (Mainz) und Steffen Freund (Champions League Sieger mit Dortmund, 1997). Von 14 bis 15 Uhr präsentiert sich der Europäische Rollstuhl-Fußballverband. Zudem bietet die UEFA mit dem Training „Get Trained Save Lives“ nicht ganz unwichtige Einblicke in die Grundlagen der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Während des gesamten Fan Festivals sorgen Live-DJs für musikalische Unterhaltung. Besucher können außerdem den Pokal der UEFA Conference League aus nächster Nähe betrachten und an einer eigens eingerichteten Fotostation Erinnerungsbilder aufnehmen.
Für die Versorgung der Gäste stehen verschiedene Verpflegungsstände sowie ein temporärer Trinkwasserbrunnen bereit. Ein Großschirm soll tagsüber für Schatten sorgen (Prognose: wolkenlos, 29 Grad). Am Abend wird schließlich dann das Endspiel der UEFA Conference League live auf dem Markt übertragen. Der Anpfiff im Stadion erfolgt um 21 Uhr. Nach Angaben der Stadt ist das Public Viewing für bis zu 4.000 Zuschauer ausgelegt.

Und das sind die Gäste im Stadion
Mit Crystal Palace und Rayo Vallecano treffen im Finale der UEFA Conference League in Leipzig zwei Vereine aufeinander, die bislang eher als Außenseiter des europäischen Spitzenfußballs galten. Crystal Palace gehört traditionell zu den bodenständigen Klubs der englischen Premier League. Der Verein aus dem Süden Londons kämpfte über viele Jahre überwiegend gegen den Abstieg und spielte national selten um Titel mit. Unter Trainer Oliver Glasner entwickelte sich die Mannschaft zuletzt jedoch zu einem ernstzunehmenden Pokalteam und gewann 2025 erstmals den nationalen FA-Cup, den „The Football Association Challenge Cup“. Er wird seit 1871 ausgetragen und gilt damit als ältester Fußballpokal der Welt.
Der Einzug ins Conference-League-Finale markiert zugleich die erste europäische Finalteilnahme der Vereinsgeschichte. Auf dem Weg nach Leipzig setzte sich Palace unter anderem gegen Fiorentina durch und besiegte im Halbfinale Schachtar Donezk mit 5:2 nach Hin- und Rückspiel.
Auch Rayo Vallecano steht erstmals in einem europäischen Endspiel. Der Verein aus dem Madrider Arbeiterviertel Vallecas gilt als einer der ungewöhnlichsten Erstligisten Spaniens und pflegt bis heute ein starkes lokales und soziales Selbstverständnis. Sportlich steht der Verein meist im Schatten der großen Stadtrivalen Real Madrid und Atlético Madrid. Der Weg ins Finale führte die Spanier über Siege gegen Samsunspor, AEK Athen und schließlich Racing Straßburg im Halbfinale nach Leipzig.
Die Gewinn-Erwartungen vieler Sportwetten-Fans liegen bei Crystal Palace. Dennoch gilt Rayo Vallecano als hartnäckig. Auffällig ist zudem, dass viele Tipper von einer defensiv geprägten Begegnung ausgehen, da beide Teams in den bisherigen K.-O.-Spielen vor allem durch ihre stabile Abwehrarbeit überzeugt haben. Besonders gefragt sind derzeit Kombiwetten, die einen knappen Erfolg von Crystal Palace mit einer Gesamtzahl von weniger als 2,5 Toren verbinden.
Die UEFA Conference League gehört seit der Saison 2021/22 zum europäischen Vereinsfußball und wurde in ihren ersten drei Spielzeiten unter dem Namen UEFA Europa Conference League ausgetragen. Der Wettbewerb stellt hinter der UEFA Champions League und der UEFA Europa League den dritten europäischen Vereinswettbewerb dar und gilt damit zugleich als drittwichtigster Kontinentalwettbewerb für Vereinsmannschaften in Europa. Ziel des Wettbewerbs ist es insbesondere, Vereinen aus kleineren Fußballnationen mehr internationale Spiele auf europäischer Ebene zu ermöglichen. Amtierender Sieger ist der FC Chelsea.
Bei aller Party-Freude erntet die UEFA Conference League immer wieder auch Widerspruch. So wird bemängelt, dass zusätzliche internationale Spiele die Belastung für Spieler und Vereine erhöhen. Auch die finanzielle Verteilung der Einnahmen sorgt regelmäßig für Diskussionen, Kritiker befürchten größere Vorteile für wirtschaftlich starke Klubs. Gleichzeitig bietet der Wettbewerb jedoch kleineren Vereinen die Möglichkeit, internationale Erfahrung zu sammeln und zusätzliche Erlöse zu erzielen. Vor allem Teams aus kleineren Fußballnationen profitieren dadurch häufiger von europäischen Auftritten.
Die satirische Politikvereinigung „Die PARTEI“ hat anlässlich der, wie sie sagt,  „großen UEFA-Sause“ 10 Demonstrationen für 19 Uhr im Umfeld des Stadions angemeldet. Wörtlich heißt es in einer Pressemitteilung: „Die PARTEI demonstriert dabei im Namen der UEFA für Völkerverständigung, korruptes Fußballfunktionärstum und Bürotechnik im Stadion.“ Was immer das bedeuten mag…

Lizenzhinweis: Das Foto des Maskottchens von Crystal Palace F.C. stammt von Ajay Suresh und ist auf Wikimedia zur freien Nutzung eingestellt. Ebenso das Foto des Leipziger Stadions von Markus Unger. Beide Motive wurden zur Nutzung auf dieser Website geringfügig und nicht sinnentstellend beschnitten, ansonsten jedoch in keiner Weise verändert.
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