Freiheit, Ehre, Vaterland: OBM-Kandidat Hobusch ist „Alter Herr“ von rechtslastiger Leipziger Burschenschaft + Update

Eine böse Überraschung vor wenigen Tagen für die Leipziger FDP - über den Jahreswechsel beklebten Unbekannte den Eingang ihres Wahlkreisbüros mit A4-Zetteln. Darauf waren Aufschriften wie "Demokratieparasiten" und "schmeißt den Viet-schie raus" zu lesen. Was die im rechten Spektrum einzuordnenden Täter scheinbar nicht wussten: OBM-Kandidat René Hobusch ist "Alter Herr" der "Leipziger Burschenschaft Germania".
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Der Altherrenverein, dem der Jurist nach Abschluss seines Studium beigetreten ist, dient laut seiner Satzung sowohl der „Pflege der Beziehungen der Alten Herren der Leipziger Burschenschaft Germania zueinander“ als auch der „Wiederbegründung der aktiven Burschenschaft in Leipzig und deren Förderung entsprechend ihren Grundsätzen.“

Unter den fünf heute existierenden Leipziger Burschenschaften gelten die Germanen als besonders offen gegenüber rechtsradikalem Gedankengut. Als sie die L-IZ im Sommer 2010 auf ihrer Etage am Nordplatz zum Interview empfingen, hing an der Decke ein Leuchter in Form einer „Schwarzen Sonne“ – ein originäres NS-Symbol, welches einst den Boden der Wewelsburg schmückte. Ein Jahr zuvor fand an gleicher Stelle am Nordplatz die Mitgliederversammlung des Altherrenvereins statt. Hobusch’s Signum findet sich auf der Teilnehmerliste. Auf den merkwürdigen Deckenbehang angesprochen, kann sich der Lokalpolitiker heute nicht mehr erinnern. Nicht ausgeschlossen werden kann allerdings, dass die Bundesbrüder den Leuchter erst zu einem späteren Zeitpunkt aufgehangen haben.

„Ich nehme am Bundesleben seit einigen Jahren nicht mehr aktiv teil“, erklärt der Rechtsanwalt gegenüber L-IZ.de. „Auch und wegen der Entwicklungen in der Deutschen Burschenschaft.“ Der Dachverband mit seinen rund 100 Mitgliedsbünden, darunter die Germania, rückt seit Jahren immer weiterer nach Rechtsaußen. Dazu trägt der Umstand bei, dass viele national-liberale Bünde die „Deutsche Burschenschaft“ (DB) längst verlassen haben oder ihren Austritt vorbereiten.

Ein Konflikt: Der „Ariernachweis“. Die DB wollte eine Mannheimer Verbindung ausschließen, weil sie einen deutschen Studenten mit asiatischer Herkunft aufgenommen hatte. Der Antrag scheiterte. Mittlerweile ist die Mannheimer Verbindung freiwillig aus dem Dachverband ausgetreten. Seit Dienstag hat dort den Vorsitz die Wiener Burschenschaft Teutonia inne. Für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ ein „Bund mit großdeutschen Phantasien.“ Einige seiner Mitglieder sind bestens zu Österreichs extremer Rechten vernetzt.“Die burschenschaftliche Idee ist fast 200 Jahre alt“, führt Hobusch gegenüber L-IZ aus. „Es gibt das Problem, dass es in der DB Ewiggestrige gibt, die diese Idee besetzen wollen. Ich möchte ihnen diese Idee nicht überlassen.“ Wer angesichts dieser Worte ein emsiges Engagements des FDP-Politikers gegen die rechten Umtriebe in seinem Bund erwartet hätte, wird enttäuscht. Der Jurist zahlt weiterhin brav seinen Mitgliedsbeitrag und hält sich ansonsten offenbar weitgehend zurück. Wofür das Geld verwendet wird, wisse er angeblich nicht. Außerhalb der Verbindung bezieht Hobusch dagegen regelmäßig Stellung gegen Rechts, hielt bereits Vorträge zum juristischen Umgang mit Neonazi-Veranstaltungen, veröffentliche Broschüren zum Thema.

Ein Blick auf den Terminkalender der Germanen hingegen scheinen Hobuschs sonstigen Haltungen entgegenzustehen. Erst am 16. Oktober sprach Felix Menzel auf der Verbindungsetage über „Ausländergewalt“. Zwei Wochen später referierte ein Bundesbruder zum Thema „Islamisierung – Untergang Deutschlands?“. Beides Themen, die dem NPD-Parteiprogramm oder einem Werk Thilo Sarrazins entnommen sein könnten. Spricht man Hobusch auf diese Veranstaltungen an, fällt sein Kommentar knapp aus. „Dazu kann ich Ihnen nichts sagen.“
Auch das Personal sprach noch vor zwei Jahren eine eindeutige Sprache. Bundesbruder Maik O. war zum damaligen Zeitpunkt in der sächsischen Neonazi-Szene aktiv. Der aus Chemnitz stammende Student sprach dort am 05. März 2010 unter dem Pseudonym „Maik Richter“ auf einer NPD-Demo. Zum Kreis der „Alten Herren“ zählte bis Herbst 2009 der Borsdorfer Gerd Fritzsche. Der parteilose Lokalpolitiker saß von 2008 bis anfang 2012 für die NPD im Kreistag des Landkreises Leipzig. Ob Fritzsche den Bund wegen seines politischen Engagements verlassen musste, wusste Hobusch auf Nachfrage nicht zu beantworten.

„Die stramm rechte Burschenschaft Germania steht im klaren Gegensatz zu den freiheitlich-demokratischen Werten die sich auch die Liberalen auf ihre Fahnen geschrieben haben“, findet hingegen der parteilose OBM-Bewerber Dirk Feiertag. Die FDP solle sich fragen, ob sie den richtigen Mann für das Rennen um das Leipziger Oberbürgermeisteramt nominiert habe. Kritik erntet Hobusch erwartungsgemäß auch von den Linken. „Rechts motivierte An- und Übergriffe müssen immer und überall geächtet werden“, erlärte Stadträtin Juliane Nagel (Die Linke) am Donnerstag. „So auch der Angriff auf das Wahlkreisbüro der FDP.“ Vielleicht sei diese direkte Betroffenheit für die Partei und insbesondere ihren OBM-Kandidaten Rene Hobusch ein Anlass, das Problem neonazistischer Einstellungen und Aktionen ernster zu nehmen, als es bisher der Fall gewesen sei.

„Nicht nur, dass Hobusch sich in der Vergangenheit in der absurden und gefährlichen Gleichsetzung von links und rechts übte und der Leipziger Stadtverwaltung vorwarf auf dem linken Auge blind zu sein“, so Nagel. „Seine Mitgliedschaft im Altherrenverein einer Burschenschaft, die eine „multikulturelle Gesellschaft“ ablehnt und deren Mitglieder keine Berührungsängste zur organisierten Naziszene haben, zeigt wohl, auf welchem Auge er blind ist.“
In der DDR war diese Form der studentischen Traditionspflege verboten. Viele Bünde emigrierten deshalb gen Westen. Erst nach der Wiedervereinigung entwickelte sich durch Neu- und Wiedergründungen das Verbindungswesen der Messestadt in seiner heutigen Form.

Burschenschaften sind seit jeher politisch aktiv. Traten sie im 19. Jahrhundert für einen deutschen Nationalstaat ein, entwickelte sich die Vaterliebe nach Gründung des Kaiserreichs vielerorts zu einem wahnhaften Chauvinismus, der schlussendlich im völkischen Nationalismus der NS-Zeit seinen Höhepunkt fand. Heute reicht das politische Spektrum der Burschenschaftsszene von liberal bis stramm neonazistisch.

Bericht über den Rechtsruck der „Deutschen Burschenschaft“ bei Spiegel Online
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/deutsche-burschenschaft-wiener-teutonia-uebernimmt-den-vorsitz-a-873889.htmlIn der Frage der Zugehörigkeit zur Burschenschaft Germania hat der Leipziger OBM-Kandidat René Hobusch am heutigen 3. Januar 2013 neben den direkten Angaben gegenüber der L-IZ ein schriftliches Statement im Netz veröffentlicht. Darin heißt es unter der Überschrift „Zum ?Gerücht‘, ich sei ein Burschenschafter“ wie folgt: „Liebe Leipzigerinnen und Leipziger, ich wurde in den letzten Tagen häufiger angesprochen, ob das ?Gerücht‘ denn stimme, dass ich in einer Burschenschaft Mitglied sei. Um keine Fragezeichen offen zu lassen: Ja, ich bin als Student der Leipziger Burschenschaft Germania beigetreten und bin seit meinem Studienabschluss als sog. „Alter Herr“ Mitglied in einem im Vereinsregister eingetragenen, rechtlich selbstständigen Altherrenverein.“

Im Folgenden formuliert der FDP-Mann seine Sicht auf die Burschenschaften und ihren historischen Wert, welchen er bis heute fortgeschrieben sieht: „Die Burschenschaften stehen seit 200 Jahren in der Tradition der Freiheitskämpfe, sie waren die ersten, die für bürgerliche Rechte wie Presse- und Redefreiheit eintraten und sie stellten mit rund einem Drittel die Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung von 1848/49. Die Bundesrepublik Deutschland trägt nicht durch Zufall die Farben der Urburschenschaft: schwarz-rot-gold.“

Weiter nimmt Hobusch Stellung zu seiner eigenen Mitgliedschaft in genannter Burschenschaft: „Als Burschenschafter bekenne ich mich gerne zu „Freiheit – Ehre – Vaterland“, dem Wahlspruch der Urburschenschaft. Wobei die ?Ehre‘ heute aus meiner Sicht in der Unverletzlichkeit der Würde des Menschen zu sehen ist. Natürlich machen einen die Debatten und Ereignisse in der Deutschen Burschenschaft nachdenklich. Ich bin jedoch nicht bereit, die Leistungen und die beinahe 200jährige Tradition der Burschenschaften den Demokratiefeinden von Rechtsaußen zu überlassen.“

Zu seinem eigenen Engagement äußert sich der OBM-Kandidat abschließend wie folgt: „Ich arbeite seit längerer Zeit im Begleitausschuss des Leipziger Aktionsplans „Leipzig. Ort der Vielfalt.“ mit und habe bereits mehrfach Beiträge zum Umgang mit Rechtsextremen bspw. zu Strategien gegen Erwerb, Anmietung und Nutzung von Immobilien durch rechtsextremistische Organisationen veröffentlicht. Aus meiner Mitgliedschaft habe ich nie ein Geheimnis gemacht, es ist daher auch kein ?Gerücht‘.“

Im Weiteren könne man den FDP-Mann gern selbst ansprechen, damit er nähere Informationen zu Geschichte, Werten und Hintergründen von studentischen Verbindungen geben könne.

Zum OBM-Wahl-Blog von René Hobusch
www.rene-hobusch.de/2013/01/03/zum-gerucht-ich-sei-ein-burschenschafter/


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