Nicht lange fackeln: Weg damit. Schon im vergangenen Herbst begann die Deutsche Bahn damit, auf Leipziger Bahnanlagen und -böschungen alles abzusäbeln, was nach Baum oder Strauch aussah. Rücksicht nehmen muss das Unternehmen auf niemanden mehr, seit das Sächsische Baum-ab-Gesetz gilt. Die Leipziger Grünen machen das Kettensägenheulen trotzdem zum Thema einer Anfrage im Stadtrat.

Seit 2010 gilt das Gesetz und hat nicht nur dazu geführt, dass in Privatgärten leichter gesägt werden konnte. Es hat die Baumfäller auch von der Pflicht entbunden, Ersatzpflanzungen vorzunehmen.

Das seit Oktober 2010 geltende Gesetz zur Vereinfachung des Landesumweltrechts teilt Bäume in wertvolle und nicht-so-wertvolle. Es erlaubt die Beseitigung von Pappeln, Birken, Baumweiden, Nadelgehölzen und Obstbäumen generell, sowie aller anderen Bäume mit einem Stammumfang bis zu 100 cm auf mit Gebäuden bebauten Grundstücken. Die Kommunen, die vorher naturschutzfachlich steuern und Ersatzpflanzungen anordnen konnten, sind damit wichtige Steuerungsinstrumente genommen.

Nun hat die Deutsche Bahn an ihren Anlagen in Leipzig flächenweise Kahlschlag geschaffen.”In großen Bereichen entlang von Bahngleisen wurde in den letzten Wochen ein zum Teil extremer Kahlschlag auch an langjährig dort wachsenden Bäumen vorgenommen. Ein erschreckendes Beispiel dafür bietet vor allem die Brückenstraße im Wolfswinkel zwischen Großzschocher und Markkleeberg”, stellt dazu Norman Volger, Fraktionsvorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Leipziger Stadtrat, fest. “Hier wurde der etwa 20 Meter breite Baumstreifen zwischen Gleisanlage und S46 auf einer Länge von mehr als 500 Metern radikal gerodet. Sinn und Urheberschaft dieses nach unserem Eindruck unverantwortlichen Treibens sind uns bislang nicht bekannt. Klar ist jedenfalls schon jetzt, dass die Stadt Leipzig eines Teiles des Auwaldbestandes beraubt wurde. Auf erschreckende Weise wurde zum Teil großräumig das Grün bzw. der Aufwuchs entlang der Strecken abgesägt. Es handelt sich dabei nicht um einen üblichen Pflegeschnitt zur Gefahrenabwehr, sondern um gezielte großflächige Abholzungen.”

Streckenweise sieht es so aus, als habe das Unternehmen auf einen Schlag nachgeholt, was man in den letzten Jahren unterlassen hatte. Denn Vieles an dem nun gefällten Baumbestand gehört in die Kategorie der vom sächsischen Gesetzgeber nicht mehr als schützenswert eingeordneten Gehölze.

“Aber auch anderenorts in Leipzig muss, wie uns bereits mehrfach durch Bürger mitgeteilt wurde, ein drastischer Kahlschlag neben den Gleisanlagen der Deutschen Bahn verzeichnet werden”, so Volger. “Unsere Fraktion Bündnis 90/Die Grünen haben daher eine Anfrage zur Stadtratssitzung am 12. Februar eingereicht, in der dieser Sachverhalt dringend beleuchtet werden muss.”

Der kleine Fragenkatalog der Grünen:

1. Wo sind in Leipzig entlang von Gleisanlagen weitere großflächige Einschläge vorgenommen worden bzw. wo sind diese geplant?

2. Mit welcher Begründung wurden teilweise über 10 Meter breite Schneisen neben den Gleisen geschlagen und in wessen Verantwortungsbereich stehen diese Maßnahmen?

3. Welche Vorschriften und Vereinbarungen regeln die Pflichten und Rechte zwischen Stadt und Deutscher Bahn entlang der gleisbegleitenden Flächen?

4. Wie beurteilt die Untere Umweltbehörde die Auswirkungen auf die Flora und Fauna bei diesen radikalen Eingriffen und welche Ausgleichsmaßnahmen wurden eingefordert?

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