Bisher wurde viel über Konsequenzen aus dem actori-Gutachten diskutiert. Mit der aktuellen Vorlage bietet die Stadtverwaltung zwar Einsparmöglichkeiten an, zementiert aber im Großen und Ganzen den Status quo. Bis 2020 solle es keine Umstrukturierungen geben. Die FDP hatte einen Änderungsantrag vorgelegt, der nicht nur eine Zusammenlegung der Verwaltungen von Häusern, sondern den Umzug der Musikalischen Komödie ins Opernhaus vorschlägt.
Das Haus Drei Linden könne dann als Spielstätte der Freien Szene genutzt werden. Sämtliche Änderungsanträge aber wurden abgelehnt.
Burkhard Jung begründete die Haltung, eine Strukturreform noch nicht anzugehen, wie folgt: „Die Häuser sind besser aufgestellt als gemeinhin angenommen. Das Schauspiel erlebt gerade einen neuen Aufschwung, die Oper hat ein Besucherplus von 16.000 Zuschauern zu verzeichnen und beim Theater der Jungen Welt ist nicht viel zu verbessern. Die Auslastung lässt sich kaum steigern, auch sonst wird hier gut gearbeitet.“
Dennoch gibt es in den Fraktionen sehr verschiedene Meinungen zu
einer nötigen Strukturreform. Einigkeit herrscht noch, dass das
kulturelle Angebot Leipzigs für eine Stadt dieser Größe
außergewöhnlich ist. Dann aber betonten alle Redner, den meisten
Änderungsanträgen der anderen Fraktionen nicht zuzustimmen.
Für die CDU begründete dies Stefan Billig. „Eine Fusion der
Verwaltungen von Oper und Schauspielhaus ist aus unserer Sicht
denkbar. Doch die Frage muss lauten, welche Rolle spielen die
Einsparungen einer solchen Verwaltungsfusion überhaupt?“ Denn wie
Heiko Bär (SPD) anmerkte: „Leipzig hat pro Kopf die zweithöchsten
Kulturausgaben bundesweit, aber die drittkleinsten Steuereinnahmen.
Auch der Zuschussbedarf liegt zwei Drittel über dem Durchschnitt
der Fördergelder pro Zuschauer.“ Eine Einsparung von jährlich gut
einer Million wiegt dann bei einem Haushaltsvolumen von 100
Millionen Euro nicht mehr schwer.
Leipziger Eigenbetriebe Kultur: FDP
erneuert Antrag, die Muko mit ins Opernhaus zu bringen
So richtig zufrieden ist die Mehrheit …
Leipziger Betriebe der Hochkultur: Grüne
beantragen Verwaltungsdirektion für alle drei großen
Häuser
Alles begann im November 2011 …
Linke-Stadträtin zur Kultur-Vorlage des
OBM: Leipzig braucht wieder eine Debatte über Stadtkultur
Zwei Jahre wurde das Ding …
Neue Szene/Skala: Grüne und Linke
beantragen kulturelle Nachnutzung für die beliebte
Spielstätte
Es muss weitergehen …
Skadi Jennicke betonte, dass die jetzt begonnene Arbeitsgruppe um Vertreter der Freien Szene erweitert werden müsse. „Der Stein, den der OBM aktuell den Berg hinaufrollt, ist löchrig. Er besteht nur aus der Hochkultur. Wenn wir die Freie Szene in den Umgestaltungsprozess der sogenannten Hochkultur einbinden, kann die Kultur wieder zu einem Felsgestein werden.“ Einen Erfolg konnte ihre Fraktion insofern verzeichnen, als dass dieser Punkt in die Informationsvorlage aufgenommen wurde.
Offen bleibt noch die Prüfung der jeweiligen Rechtsform der einzelnen Häuser und eine mögliche Optimierung der Ausgaben dadurch. Sämtliche Änderungsanträge wurden abgelehnt, lediglich einzelne Punkte in die Informationsvorlage übernommen. Dies waren eben der Beschlussvorschlag der Fraktion die Linke, die freie Szene am weiteren Prozess zu beteiligen, und ein Punkt der CDU, die Strukturreform weiter zu betreiben, dabei jedoch die künstlerische Eigenständigkeit der einzelnen Betriebe zu erhalten.
Der Stadtrat stimmte dann noch über zwei Personalien ab. Gereon
Röckrath ist ab 1. März Zweiter Betriebsleiter des Leipziger
Gewandhauses. Uwe Bernhardt leitet ab 1. März das Standesamt. Die
Stadträte stimmten mit großer Mehrheit für die beiden Designierten.
OBM Burkhard Jung (SPD) gratulierte beiden Gewählten mit
Blumensträußen.
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