Der Stadtrat tagt: Strukturreform der städtischen Kulturbetriebe nimmt frühestens 2016 Form an

Bisher wurde viel über Konsequenzen aus dem actori-Gutachten diskutiert. Mit der aktuellen Vorlage bietet die Stadtverwaltung zwar Einsparmöglichkeiten an, zementiert aber im Großen und Ganzen den Status quo. Bis 2020 solle es keine Umstrukturierungen geben. Die FDP hatte einen Änderungsantrag vorgelegt, der nicht nur eine Zusammenlegung der Verwaltungen von Häusern, sondern den Umzug der Musikalischen Komödie ins Opernhaus vorschlägt.

Das Haus Drei Linden könne dann als Spielstätte der Freien Szene genutzt werden. Sämtliche Änderungsanträge aber wurden abgelehnt.

Burkhard Jung begründete die Haltung, eine Strukturreform noch nicht anzugehen, wie folgt: „Die Häuser sind besser aufgestellt als gemeinhin angenommen. Das Schauspiel erlebt gerade einen neuen Aufschwung, die Oper hat ein Besucherplus von 16.000 Zuschauern zu verzeichnen und beim Theater der Jungen Welt ist nicht viel zu verbessern. Die Auslastung lässt sich kaum steigern, auch sonst wird hier gut gearbeitet.“

Dennoch gibt es in den Fraktionen sehr verschiedene Meinungen zu einer nötigen Strukturreform. Einigkeit herrscht noch, dass das kulturelle Angebot Leipzigs für eine Stadt dieser Größe außergewöhnlich ist. Dann aber betonten alle Redner, den meisten Änderungsanträgen der anderen Fraktionen nicht zuzustimmen.
Für die CDU begründete dies Stefan Billig. „Eine Fusion der Verwaltungen von Oper und Schauspielhaus ist aus unserer Sicht denkbar. Doch die Frage muss lauten, welche Rolle spielen die Einsparungen einer solchen Verwaltungsfusion überhaupt?“ Denn wie Heiko Bär (SPD) anmerkte: „Leipzig hat pro Kopf die zweithöchsten Kulturausgaben bundesweit, aber die drittkleinsten Steuereinnahmen. Auch der Zuschussbedarf liegt zwei Drittel über dem Durchschnitt der Fördergelder pro Zuschauer.“ Eine Einsparung von jährlich gut einer Million wiegt dann bei einem Haushaltsvolumen von 100 Millionen Euro nicht mehr schwer.

Skadi Jennicke betonte, dass die jetzt begonnene Arbeitsgruppe um Vertreter der Freien Szene erweitert werden müsse. „Der Stein, den der OBM aktuell den Berg hinaufrollt, ist löchrig. Er besteht nur aus der Hochkultur. Wenn wir die Freie Szene in den Umgestaltungsprozess der sogenannten Hochkultur einbinden, kann die Kultur wieder zu einem Felsgestein werden.“ Einen Erfolg konnte ihre Fraktion insofern verzeichnen, als dass dieser Punkt in die Informationsvorlage aufgenommen wurde.

Offen bleibt noch die Prüfung der jeweiligen Rechtsform der einzelnen Häuser und eine mögliche Optimierung der Ausgaben dadurch. Sämtliche Änderungsanträge wurden abgelehnt, lediglich einzelne Punkte in die Informationsvorlage übernommen. Dies waren eben der Beschlussvorschlag der Fraktion die Linke, die freie Szene am weiteren Prozess zu beteiligen, und ein Punkt der CDU, die Strukturreform weiter zu betreiben, dabei jedoch die künstlerische Eigenständigkeit der einzelnen Betriebe zu erhalten.

Der Stadtrat stimmte dann noch über zwei Personalien ab. Gereon Röckrath ist ab 1. März Zweiter Betriebsleiter des Leipziger Gewandhauses. Uwe Bernhardt leitet ab 1. März das Standesamt. Die Stadträte stimmten mit großer Mehrheit für die beiden Designierten. OBM Burkhard Jung (SPD) gratulierte beiden Gewählten mit Blumensträußen.


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