Reicht denn das, was das Kultusministerium vorgerechnet hat?

Leipzig hat die Ausbildungskapazitäten für Kita-ErzieherInnen vorsichtshalber schon mal erhöht

Für alle LeserEinige alarmierende Meldungen geisterten ja im Sommer schon durch den Orbit: Wenn Leipzig so viele neue Kindertagesstätten baut, dann wird doch das Finden von den dazu benötigten Erzieherinnen und Erziehern ein Problem. Die SPD-Fraktion machte das im Leipziger Stadtrat zum Thema und stellte eine entsprechende Anfrage, die der Sozialbürgermeister jetzt recht ausführlich beantwortet hat.

„Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen in den Kindertagesstätten steigt Jahr um Jahr. Mehr zu betreuende Kinder bedeuten auch, dass mehr Erzieherinnen und Erzieher benötigt werden“, hieß es in der Anfrage der SPD-Fraktion. „Die Stadt Leipzig muss neue kommunale Einrichtungen ans Netz geben und braucht hierfür zusätzliches Personal. Zudem werden in den nächsten Jahren einige Erzieherinnen und Erzieher in den Ruhestand gehen. Ende 2013 legte die Stadtverwaltung, durch Beschluss eines Antrages der SPD-Fraktion, eine Informationsvorlage „Personalentwicklungskonzept für den Kita-Bereich (V/3402) vor. Quintessenz der Informationsvorlage war, dass es für die kommunalen Kitas noch mehr Bewerber gab als Stellen und dass die Ausbildungssituation im Freistaat Sachsen im Bereich Erzieher positiv eingeschätzt und kein Fachkräftemangel gesehen wurde. Wir werden aber immer wieder von Kitas wie auch von Eltern damit konfrontiert, dass Personal fehlt und qualifiziertes Personal schwer zu bekommen ist.“

Irgendwie hat Leipzig gar keine eigenen Zahlen, sondern verlässt sich auf das, was das sächsische Kultusministerium an Zahlen errechnet und zur Verfügung stellt. Danach stieg allein im Jahr 2017 der Personalbedarf in Leipzigs Kindertagesstätten von 3.840,40 Vollzeitäquivalenten (VZÄ) auf 4.334,09. Das sind nicht gleich die benötigten Personen. Denn viele Erzieherinnen arbeiten natürlich in den unterschiedlichsten Teilzeitmodellen.

Deswegen braucht man natürlich mehr neue Erzieherinnen und Erzieher als nur nach VZÄ berechnet.

Das mit den VZÄ ist einfach.

Danach würde Leipzig 2018 weitere 386 VZÄ besetzen müssen, im nächsten Jahr noch einmal 225 und 2020 noch einmal 221. Allein nach gegenwärtigem Planungsstand. Oder dem vom August. Die Zahl der VZÄ würde sich auf 5.166,13 VZÄ belaufen im Jahr 2020.

Bei staatlich anerkannten Erzieherinnen und Erziehern ist es etwas weniger. Da geht es um 449, 363, 193 bzw. 200 neue VZÄ. Zusammen: 1.205.

Und weil das SMK ausgerechnet hat, dass auf eine Vollzeitstelle im Schnitt 1,22 gut ausgebildete Frauen oder Männer kommen, macht das: 1.470 frisch ausgebildete Kita-Erzieherinnen und -Erzieher, die Leipzig bis 2020 braucht. Allein, um die neu entstehenden Stellen zu besetzten.

Denn dazu kommen die Altersabgänge. Auch Erzieherinnen gehen ja mal in Rente. Aber wie viele in Leipzig in den nächsten drei Jahren in Rente gehen, weiß die Stadt eigentlich nicht so richtig. Nur bei den eigenen Kitas: da sind es 119. Bei den Kitas der freien Träger kommen mindestens noch einmal 164 dazu – eher wohl das Doppelte, denn die meisten freien Träger haben noch gar keine Zahlen geliefert. Macht noch einmal 400 bis 450 Erzieherinnen und Erzieher, die ersetzt werden müssen. Da ist man dann schon bei 1.900 benötigten Fachkräften. Also über 600 pro Jahr.

Dass da die sächsische Ausbildungsplanung für Erziehernachwuchs ziemlich knapp ist, hatte ja auch die vom Sozialdezernat zitierte Landtagsanfrage vom August gezeigt. „Dem Arbeitsmarkt stehen seit 2013 jährlich über 2.000 Erzieherabsolventen zur Verfügung. Der Bedarf an Fachkräften kann somit derzeit gedeckt werden“, hatte die damals noch amtierende Kultusministerin Brunhild Kurth gesagt.

Dass das nicht wirklich reicht, hat man in Leipzig zumindest schon mal registriert.

Das zeigt die Antwort auf die letzte Frage der SPD-Fraktion: „Plant die Stadt Leipzig Erzieherinnen und Erzieher selber auszubilden? Wenn nein, warum nicht? Wenn Ja, ab wann und setzt die Stadt dabei auch auf berufsbegleitende Ausbildung? Wenn nein, warum spricht sich die Stadt gegen berufsbegleitende Ausbildung aus?“

Antwort natürlich: Ja.

Oder im Wortlaut des Sozialdezernats: „Die Fachschule ‚Henriette Goldschmidt‘ befindet sich in Trägerschaft der Stadt Leipzig. Im Schuljahr 2017/2018 werden insgesamt 169 Fachschüler/-innen zum/zur staatlich anerkannten Erzieher/in in sieben Klassen ausgebildet. Für das Schuljahr 2018/2019 ist bereits eine Klasse mehr geplant. In den nächsten Wochen sollen darüber hinausgehende Ressourcen und weiterführende Kompetenzen der Fachschule diskutiert werden. Die berufsbegleitende Ausbildung wird derzeit an sechs Fachschulen in Leipzig angeboten. Dies entspricht dem derzeitigen Bedarf. Die exemplarische Nachfrage bei einer Fachschule ergab, dass diese flexibel auf ein Ansteigen des Bedarfs an berufsbegleitenden Ausbildungen reagieren könnte.“

Ergebnis: Das SMK hat wieder mal knapp unter Kante geplant. Leipzig reagiert schon und erhöht die Ausbildungskapazitäten. Ob’s reicht, sehen wir spätestens 2019, wenn die 12 bis 13 neuen Schnell-Kitas in Leipzig ans Netz gehen.

Horrido, kann man da nur sagen.

Die Antwort auf die Anfrage der Leipziger SPD-Fraktion.

Kita-Personal
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