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In Leipzig ist das Problem fehlenden Kita-Personals längst in vielen Kindertagesstätten erlebbar

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    Es ist wie so oft: Rechtzeitig haben vor allem Oppositionsparteien im Landtag gewarnt und gemahnt. Die Staatsregierung hat abgewiegelt und alles für paletti erklärt. Und trotzdem ist Sachsen auch in den Personalmangel in den Kindertagesstätten mit Volldampf hineingerauscht. Und Leipzig, wo auch noch emsig neue Kindertagesstätten gebaut werden, erlebt diesen Mangel längst massiv. Die nächste Kita-Krise droht, warnen die Grünen.

    Die Stadt Leipzig hat am Dienstag, 17. Dezember, die Kita-Bedarfsplanung für 2020 präsentiert. Die Verwaltungsspitze geht dabei von einer Entspannung der Situation bis Sommer 2020 mit ausreichend vorhandenen Betreuungsplätzen aus, denn rund 1.800 neue Betreuungsplätze sollen bis dahin entstehen.

    Zudem verweist der Sozialbürgermeister auf die mittlerweile eingeführte berufsbegleitende Erzieherausbildung und die neuen Möglichkeiten, auch Fachkräfte mit DDR-Ausbildung und ausländischen Abschlüssen einsetzen zu können. Die Realität sieht jedoch bei weitem nicht so entspannt aus, kritisieren die Grünen.

    „Bei aller Anerkennung für die mittlerweile rege Bautätigkeit und die zahlreichen erfolgten und noch bevorstehenden Eröffnungen neuer Kindertagesstätten, stehen wir unmittelbar vor einem riesigen Problem: dem Fachkräftemangel. Als Stadt können wir das nur in begrenztem Maße selbst lösen“, stellt Katharina Krefft, Stadträtin und Fraktionsvorsitzende der Grünen, dazu fest.

    „Zentrale Aufgabe muss es sein, diese Probleme offen zu benennen und Strategien für Notsituationen zu entwickeln. Ein Verschweigen und Heile-Welt-Vorspielen ist wenig hilfreich! Es wird nur dazu führen, dass betroffene Familien unvorbereitet vor neuen Problemen in ihrem Alltag stehen werden.“

    Bereits heute haben zahlreiche Kitas massive Schwierigkeiten, die Betreuung aller Kinder aufrechtzuerhalten. Teilweise fehlen bis zu 20 Prozent der Fachkräfte in einer Einrichtung. Auch die Kürzung von Betreuungszeiten und aller Verträge von 9 auf maximal 7 Stunden sind bereits an der Tagesordnung und alternativlos, um Einrichtungen am Laufen zu halten. Für berufstätige Eltern oft geradezu ein Ding der Unmöglichkeit, das mit ihrer Arbeitswirklichkeit unter einen Hut zu bekommen.

    „Das Landesjugendamt als Genehmigungsbehörde hat den Trägern von Kindertageseinrichtungen bereits verschiedene Optionen an die Hand gegeben, wie mit personellen Notsituationen umgegangen werden kann. Dazu gehört auch die Ultima-Ratio-Option der notweisen Kündigung von Betreuungsverträgen“, benennt Michael Schmidt, Stadtrat und jugendpolitischer Sprecher der Grünenfraktion, die dramatischen Folgen dieses selbstproduzierten Fachkräftemangels.

    „Dies zeigt, wie dramatisch die Situation mittlerweile ist! Es müssen Strategien entwickelt werden, um so etwas abzuwenden! Noch vor einem halben Jahr berichteten Bürgermeister Fabian und sein Amtsleiter Dr. Tsapos freudestrahlend, dass die Kitabedarfe Anfang 2020 alle gedeckt werden. Dabei muss damals schon allen klar gewesen sein, dass dies mitnichten erreicht wird.“

    Michael Schmidt ist auch stellvertretender Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, kennt also auch die direkten Aussagen der städtischen Verantwortlichen zum Thema.

    „Die Plätze stehen rein rechnerisch zu Verfügung – wären da nicht der Fachkräftemangel und die Tatsache, dass Einrichtungen nicht sofort im vollen Betrieb stehen“, kommentiert er die Entwicklung. „Wenig überraschend kommt jetzt die Verschiebung der angeblichen Bedarfsdeckung auf Spätsommer.“

    Denn ursprünglich war die Bedarfsdeckung sogar schon für 2019 anvisiert. Aber gebaute Kita-Plätze sind nun einmal noch keine betreuten. Und gerade die Landesebene, die für die Ausbildung von Kita-Personal verantwortlich ist, nahm das absehbare Dilemma einfach nicht ernst.

    „Schon die berufsbegleitende Erzieherausbildung für Freie Träger wurde vom Stadtrat gegen erhebliche Widerstände der Verwaltung auf den Weg gebracht“, geht Katharina Krefft auf den Leipziger Teil der Rechnung ein.

    „Die Stadtspitze sollte sich darauf konzentrieren, weitere Wege der Fachkräftebindung auf den Weg zu bringen, Notfallpläne bei Betreuungsengpässen zu entwickeln und mit den Leipziger Familien die offene und ehrliche Kommunikation zu suchen.“

    Und in Richtung neuer Staatsregierung formuliert sie: „Letztlich ist es an der Zeit, dass der Freistaat endlich von seiner antiquierten Vorschaltung der Sozialassistent/-innenausbildung im Rahmen der Erzieher/-innenausbildung abrückt. Dies führt nur dazu, dass die Ausbildungszeiten unnötig verlängert werden und die dringend notwendigen Fachkräfte zwei Jahre später als nötig zur Verfügung stehen. Wenn wir nicht alles daransetzen, dem massiven Fachkräfteproblem kurzfristig und mit einem Strauß von Maßnahmen wirksam zu begegnen, droht uns und den Leipziger Familien eine neue Kita-Krise.“

    Linksfraktion legt Forderungskatalog zur Behebung des Personalmangels in sozialen Berufen in Leipzig vor

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    1 KOMMENTAR

    1. Da kann ich nur an alle Beteiligten aus tiefstem Herzen sagen: Danke! So geht sächsisch!
      Ist ja nicht so, daß es vorher keiner wissen konnte. Ganz im Gegenteil, es war allen Beteiligten klar.

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