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Linksfraktion legt Forderungskatalog zur Behebung des Personalmangels in sozialen Berufen in Leipzig vor

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    Seit Mai ist es offensichtlich, dass es in Leipziger Kindertagesstätten überall an Erzieherinnen und Erziehern fehlt. Die Behauptung der sächsischen Regierung, es würden genug Erzieherinnen ausgebildet, erweist sich mal wieder als Fakenews. Mittlerweile ist der Mangel an Fachkräften in Leipzig so groß, dass der Betrieb von Einrichtungen bedroht ist.

    Der viel diskutierte Fachkräftemangel naht nicht nur, er ist bereits da, und dies nicht allein im Bereich der Kindertagesbetreuung und im Hort, sondern auch bei den Hilfen zur Erziehung und in den anderen Tätigkeitsbereichen von Sozialpädagog/-innen, stellt jetzt die Linksfraktion im Leipziger Stadtrat fest. Er betrifft den kommunalen Träger der Jugendhilfe genauso wie die freien Träger.

    „Allein für die Besetzung der für die nächsten zwei Jahre geplanten Kita wären nach eigenen Berechnungen zirka 650 neue Erzieher/-innen notwendig. Entsprechend der Teilfachplanung für den Bereich Hilfen zur Erziehung sollen im gleichen Zeitraum 200 stationäre Plätze für Kinder und Jugendliche geschaffen werden, was einem Personalbedarf von weiteren 150 Mitarbeitenden entspricht. Wir haben einen enormen Handlungsdruck!“, kommentieren Juliane Nagel und William Rambow den Befund aus Sicht der Linken.

    Die Linksfraktion hat nun einen Antrag in den Stadtrat eingebracht, mit dem sie eine Fachkräfteoffensive für soziale Berufe in Leipzig fordert.

    „Angesichts der limitierten Anzahl an Ausbildungsplätzen und der hohen Quote des Wegzugs von in Sachsen ausgebildetem Fachpersonal sind aus Sicht der Linken konzertierte Schritte notwendig. Wir fordern die Stadtverwaltung daher auf, gemeinsam mit den freien Trägern ein Konzept zu entwickeln, um den Fachkräftemangel vereint und mit voller Kraft anzugehen“, formulieren Nagel und Rambow den Anspruch und schlagen dafür mehrere Maßnahmen vor, die sie in einem Fachgespräch im Juni gemeinsam mit Vertreter/-innen von Trägern, Jugendamt und Personalrat entwickelt haben.

    Der erste Vorschlag wendet sich direkt an die beratungsresistente Staatsregierung, denn er fordert mehr Ausbildungskapazitäten an den Fachschulen und Fachhochschulen. Wenn Fachkräfte abwandern (übrigens derselbe Effekt wie bei der Lehrerausbildung), muss ein Land mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen.

    Gefordert wird auch die adäquate Ausstattung der Ausbildungsträger für die berufsbegleitende Ausbildung, auch in weiteren Bereichen der sozialen Arbeit nach Vorbild der Regelung in der Fachförderrichtlinie Erzieherausbildung für Kita in freier Trägerschaft), denn so könnte der Bedarf auch kurzfristig über berufsbegleitende Qualifizierung teilweise gedeckt werden.

    Erleichtert werden soll auch die Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen.

    Und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in sozialen Berufen soll – z. B. durch Refinanzierung eines Jobtickets oder Bereitstellung von Kinderbetreuung/Kitaplätzen für Beschäftigte – gefördert werden. Ebenso soll eine Verbesserung der Fachberatung in den Einrichtungen sozialer Arbeit auf den Weg gebracht werden.

    „Last but not least schlagen wir eine Image- bzw. Werbekampagne für die sozialen Berufe vor. Damit könnten die Attraktivität sowie Chancen und Möglichkeiten der sozialen Berufe herausgestellt werden. Eine Kampagne könnte aus unserer Sicht ein Baustein sein, die Bewerber/-innenlage auch längerfristig zu sichern“, so die beiden Linke-Politiker.

    „Die wichtigsten Begleiter/-innen für Kinder und Jugendliche in der Phase des Aufwachsens sind – neben Familie und Freund/-innen – die Fachkräfte der sozialen Arbeit. Unser Antrag soll deren Arbeit nicht nur würdigen, sondern auf stabile und zukunftsfähige Beine stellen.“

    Denn gerade weil in vielen Einrichtungen schon seit Jahren Personalknappheit herrscht, ist das verbleibende Personal logischerweise überlastet, sind die Krankschreibungstage und Ausfallquoten hoch, sogar höher als sonst im öffentlichen Dienst. Was eigentlich schon seit Jahren bekannt ist. Und was sich mit dem riesigen Nachholbedarf Leipzigs bei der Besetzung neuer Kitas noch weiter verschärft hat.

    AWO-Umfrage belegt wachsenden Fachkräftemangel in den sächsischen Kindertagesstätten

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