Es hat gedauert. Volle vier Jahre, bis Leipzigs Verwaltung den „Maßnahmenkatalog zum Schutz von Wild- und Honigbienen in Leipzig“ endlich bis zur Beschlussreife brachte und jetzt dem Stadtrat vorlegt. Was auch daran liegt, dass die vielen beteiligten Ämter nicht so richtig wussten, wer sich denn jetzt auch noch um die Insekten kümmern soll. Denn die kamen in der bisherigen Verwaltungsarbeit überhaupt nicht vor.

Es war ja tatsächlich so: Bis 2017 ungefähr hat kaum jemand das Insektensterben so richtig ernst genommen. Warnungen gab es genug und auch wissenschaftliche Untersuchungen. Aber das war ein Thema „irgendwo da draußen“, in den Landschaften hinter Leipzig, wo die Wälder, Wiesen und Raine verschwanden und mit ihnen die Insekten.

Keiner wollte so richtig schuld daran sein und auch in Leipzig drehten sich die Diskussionen um intensive Parkpflege und Glyphosat immer wieder im Kreis. Beides Themen, die zeigten, wie schwer sich Menschen tun mit der Erkenntnis, dass ihr alltägliches Handeln in der großen Summe katastrophale Folgen hat.

„Wilde Natur“ hat in den Machbarkeitsvorstellungen auch von Verwaltungen bislang überhaupt keinen Platz. Egal, ob es um Flächenversiegelung, Ackerverluste oder immer neue Eigenheimsiedlungen geht.

Auch deshalb hing der „Maßnahmenkatalog“ so lange im Verwaltungsumlauf fest, blieb in dem einen und dem anderen Amt hängen, wo man so eine dumme Ahnung hatte, dass damit wieder ein paar alte Bequemlichkeiten infrage gestellt werden und sich das eigene Handeln ändern wird.

Und so ist es wie beim Klimaschutz, beim Rad- und Fußverkehr: Es braucht jemanden in der Verwaltung, der sich ganz allein um dieses Thema kümmert und dafür sorgt, dass es in Plänen und Programmen nicht nur unter „ferner liefen“ erwähnt wird, sondern tatsächlich berücksichtigt wird.

Und so formuliert jetzt das Amt für Umweltschutz: „Die Leipziger Ratsversammlung hat in ihrer Sitzung am 18.04.2018 einstimmig den Beschluss VI-A-05301-NF-03 ‚Maßnahmen zum Bienenschutz in der Stadt Leipzig‘ gefasst. Auf Grundlage dieses Beschlusses wurde durch die Stadtverwaltung ein ‚Maßnahmenkatalog zum Schutz von Wild- und Honigbienen in Leipzig‘ (Bienenmaßnahmenkatalog, 1. Fassung) erarbeitet (VI-A-05301-NF-03-DS-01). Die Schaffung der personellen Ressourcen für eine ‚Koordinierungsstelle Insektenschutz‘ ab 2023 ist für die Umsetzung des zuvor genannten Beschlusses unabdingbare Voraussetzung.“

Und dieser Mensch – gern auch weiblich und beharrlich – soll dann dafür sorgen, dass die im Maßnahmenkatalog festgelegten Maßnahmen mit Konzepten untersetzt und tatsächlich umgesetzt werden.

„Die im Katalog vorgesehenen kommunalen Maßnahmen (Kap. 6 „Maßnahme der Stadt Leipzig“) bedürfen vor Umsetzung der weiteren Ausarbeitung, sowie der fachlichen Begleitung und Evaluierung“, geht das Amt für Umweltschutz auf die nötigen Qualifikationen ein.

„Um die Mehrbelastung für die zuständigen Ämter so gering wie möglich zu halten, erfolgen die konzeptionellen Arbeiten durch die ‚Koordinierungsstelle Insektenschutz‘, die jeweiligen ausführenden Ämter sollen nur mitwirken. Durch diese Bündelung wird die Effektivität erhöht bzw. ein hohes Wirkungsrad der gebundenen Personalressourcen erreicht.“

Aber nicht gleich alles auf einmal. Denn wenn eine Verwaltung so etwas noch nie gemacht hat, muss sie erst einmal lernen, wie es geht. Und zur Regel wird es dann noch lange nicht, denn man will den Erfolg der Maßnahme ja erst einmal evaluieren.

Das formuliert das Amt für Umweltschutz so: „Die Maßnahmenumsetzung erfolgt stufenweise und wird anhand von Modellflächen erprobt. Nach der Evaluierung können diese Maßnahmen dann in den Regelbetrieb integriert werden, der (personelle) Betreuungsaufwand reduziert sich danach stark. Daher ist die Einrichtung einer ‚Koordinierungsstelle Insektenschutz‘ essenziell für die frühe Phase der Umsetzung des Maßnahmenkatalogs. Externe Akteure werden durch die Bildung einer ‚AG Insektenschutz‘, welche durch die ‚Koordinierungsstelle Insektenschutz‘ organisiert wird, in die Maßnahmenumsetzung eingebunden. Weiterhin ist die ‚Koordinierungsstelle Insektenschutz‘ verantwortlich für die Fortschreibung des Maßnahmenkataloges.“

Die Stelle soll ab 2023 im Amt für Umweltschutz eingerichtet werden. „Nach einer Laufzeit von zwei Jahren erfolgt durch das Dezernat Allgemeine Verwaltung eine Evaluation der Stelle.“ Was nicht heißt, dass sie dann wieder zur Disposition steht. Aber vielleicht genügt sie ja auch nicht und muss erweitert werden.

Denn der Insektenschutz wird ganz bestimmt ein Thema, das die Stadt auf Jahrzehnte hin beschäftigen wird. „Die Stellenbesetzung soll noch 2022 dauerhaft erfolgen“, heißt des deshalb in der Vorlage.

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