BUND Leipzig und Grüne: Wildwest im Auewald – Kontrollen fehlen

Ein nachhaltiges Tourismuskonzept für das Leipziger Neuseenland gibt es nicht. Bei den Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen dominieren klassische Wassersport-Regionen-Modell, wird auf hohe Besucherfrequenzen geschielt und auf den zumeist PS-getriebenen Bootsverkehr. Der BUND Leipzig und die Grünen erneuern jetzt ihre Forderungen nach einem nachhaltigen Tourismuskonzept.
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Was Jürgen Kasek, Vorsitzender des BUND Leipzig und auch Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen Leipzig, feststellt, ist eher ein chaotischer Wildwuchs an Leipzigs Wasserstraßen und -wegen.

„Innerhalb des letzten Jahres mussten wir feststellen, dass die Anzahl an Booten auf Leipzigs Gewässern deutlich zugenommen hat. Das betrifft nicht nur die muskelkraftbetriebenen Boote, sondern vor allen Dingen auch Motorboote. Gerade auf der Weißen Elster in Schleußig lässt sich gut beobachten, dass nicht nur die durch die Stadt offiziell zugelassenen Boote fahren, sondern deutlich mehr – viele davon zu schnell und zu laut“, schildert er das Getümmel auf dem Wasser.

Hinzu käme, dass aktuell viele Anlieger der Weißen Elster sich eigene Zugänge zum Wasser legen und dort dann „offizielle“ Anlegestellen einrichten, ohne dass die Stadt eine Kontrolle durchführt. Aber auch von Seiten der Landesdirektion fänden keine ausreichenden Kontrollen statt.

Und es passiert – man kann ja zuschauen dabei – auf dem Wasser wie zu Lande: Jeder, der es sich leisten kann, legt sich ein Gefährt zu. Was entsteht, kennt man aus den gepflasterten Straßen der Stadt: Es entsteht in erster Linie Lärm. Durch die überzogene Geschwindigkeit vieler Motorboote wird außerdem die Erosion der Uferböschung beschleunigt – mit negativen Folgeerscheinungen für Flora und Fauna. Ein Problem, das auch die Kosten der Unterhaltung der Leipziger Gewässer deutlich nach oben treibt, prophezeit Kasek. Dass die steigenden Unterhaltungskosten innerhalb der Verwaltung bereits mitbedacht sind, dürfe bezweifelt werden, sagt er.Erst 2010 mussten die Böschungen am Karl-Heine-Kanal – nach knapp 16 Jahren Betrieb – für 3,5 Millionen Euro saniert werden.

„Wer für naturverträglichen Tourismus stehen will, muss auch Sorge dafür tragen, dass die aufgestellten Regeln eingehalten werden. Dies hat die Stadt Leipzig bisher versäumt“, kritisiert Jürgen Kasek.

Durch eine generelle Schiffbarkeitserklärung werde die Situation weiter verschlechtert. Es mangele an einem umfassenden Konzept für die Leipziger Gewässer und es mangele an flächendeckenden Kontrollen, auch für die Paddler und Kanuten. Gerade in den sensiblen Bereichen des Leipziger Auwaldes müssten auch für die muskelkraftbetriebenen Boote Regeln gelten. Unachtsame Paddler können die Uferböschung beschädigen oder Starkpaddler, wie etwa die sogenannten Kanadier, den Untergrund aufwühlen.

Der BUND Leipzig fordert die Stadt daher dringend auf, zusammen mit der Landesdirektion ein umfassendes Schutzkonzept für die Leipziger Gewässer vorzulegen, in dem die Vorstellungen des wassertouristischen Nutzungskonzepts und ein effektiver Schutz der Umwelt miteinander in Einklang gebracht werden.Unterstützung bekommt er dabei von Prof. Dr. Felix Ekardt, OBM-Kandidat von Bündnis 90/Die Grünen. „Ich setze für Leipzig mehr auf Umweltbildung und naturverträglichen Tourismus“, sagt er. „Massentourismus, der die Natur als Ware begreift und zerstört, lehne ich ab. Genau dies würde aber durch die Erklärung der Schiffbarkeit drohen. Der Leipziger Auwald mit seinen Gewässern ist in seiner Art europaweit einmalig. Dabei ist der Tourismus ein sensibles Thema. Insbesondere Tourismus in einem sensiblen Ökosystem.“

Man benötige daher ein touristisches Konzept, das die Belange des Natur- und Umweltschutzes berücksichtigt. „Dazu gehört, dass Motorboote auf Gewässern des Auwaldes nur im Ausnahmefall (Rettungseinsätze, Leipzig Boot) zugelassen werden“, betont Ekardt. „Motorboote verursachen einen starken Wellengang und können dadurch Uferbereiche beschädigen. Hinzu kommen Lärm- und zum Teil Schadstoffemissionen. Dort, wo die Ausweisung von Motorbootstrecken Schutzgebiete tangiert, wie etwa den Floßgraben, lehnen wir eine Ausweisung ab. Darüber hinaus lehnen wir den Ausbau von Wasserstraßen für Motorboote ab.“

Auch eine Übernutzung des Auwaldes stelle eine Gefahr dar. „Einrichtungen, die von vornherein für den Massentourismus ausgerichtet sind, lehnen wir ab“, sagt Ekardt. „Vielmehr muss es darum gehen, die Besucherströme so zu lenken, dass die sensiblen Bereiche des Auwaldes möglichst wenig in Beanspruchung genommen werden. Dabei muss konsequent auf umweltfreundliche Fortbewegung geachtet werden. – Auch die Themen Beleuchtung und Lärmemissionen müssen beachtet werden. Veranstaltungen dürfen nur dort durchgeführt werden, wo eine negative Beeinträchtigung des umgebenden Naturraumes ausgeschlossen ist. Dazu sollte die maximale Zahl von Veranstaltungen im Jahr begrenzt werden.“

„Bislang ist zudem überhaupt nicht ersichtlich, in welcher Weise die vorhandenen Regelungen auf den Gewässern durchgesetzt werden sollen. Es fehlt an einem umfassenden Konzept“, bemängelt auch Norman Volger, umweltpolitischer Sprecher der Grünen-Stadtratsfraktion. „Dies ist umso mehr vonnöten, als dass es bereits jetzt eine Reihe von Beschwerden gibt. Vor einem Jahr haben wir vor Wildwest auf Leipzigs Gewässern gewarnt, inzwischen nähern wir uns dieser Vorstellung gefährlich an. Weder die Stadt noch das Land sind bisher in der Lage, ausreichende Kontrollen zu gewährleisten.“

www.bund-leipzig.de

Seit dem 31. Mai läuft die Online-Petition des Leipziger NuKla e.V. Schon mehr als 1.000 Bürgerf haben sie gezeichnet. Man findet sie auf:

openpetion.de


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