Wer auf der A38 im Leipziger Süden oder mit Fahrrad zum Markkleeberger See fährt, der sieht die riesigen Geräte schon von Weitem. Sie sind eine „unübersehbare Landmarke“, wie Prof. Andreas Bergner in seinem zwei Mal aufgelegten Routenführer „Straße der Braunkohle“ schrieb. Und der Bergbautechnikpark ist ganz bestimmt einen Hingucker auf dieser Ausflugsroute, auch ein Erinnerungsmal, das jetzt eine kleine Erweiterung bekommt.

Am Mittwoch, 24. April, übergab Landrat Henry Graichen einen Bescheid in Höhe von knapp 24.000 Euro an den Bergbau-Technik-Park e. V., der den Technikpark betreut. Die LEADER-Finanzspritze ermöglicht es dem Verein, die Ausstellung an der A 38 zwischen Markkleeberger und Störmthaler See um einen Birkpflug zur Beseitigung von Abraum sowie einen im Tagebau verwendeten Feuerwehrlöschwagen zu erweitern.

Im Freilichtmuseum Bergbau-Technik-Park können Besucher den kompletten Förderzyklus eines Braunkohle-Tagebaubetriebes nachvollziehen. Der Bogen spannt sich vom Rückbau der kultivierten Landschaft hin zur Vorbereitung des Vorfeldes und die Grundwasserabsenkung, über die Abraumbewegung und die Kohlegewinnung bis zum Wiederaufbau des Geländes und der Sanierung ganzer Landschaftsräume. Kernstück des fünf Hektar großen tagebautypischen Geländes sind zwei Großgeräte aus dem ehemaligen Großtagebau Espenhain – der Schaufelradbagger und das Bandabwurfgerät (Absetzer).

Übergabe des Fördermittelbescheids. Foto: M. Krause, DH Borna
Übergabe des Fördermittelbescheids. Foto: M. Krause, DH Borna

Beide waren übrigens 2001, nach Auslaufen des Tagebaus im Tagebau Espenhain, von Verlust bedroht. 2002 sorgte die Sprengung der Zwenkauer Abraumförderbrücke für Aufsehen. Sie führte sehr anschaulich vor Augen, wie schnell die riesigen Gerätschaften aus dem Kohletagebau eigentlich verschwinden, wenn erst der Kohleabbau endet. Ist dann das Tagebaurestloch erst einmal vollgelaufen und wird zum Badesee umgenutzt, kann sich kaum noch jemand vorstellen, wie hier im Lauf von 100 Jahren eine komplette Landschaft umgeformt wurde, um an den fossilen Energieträger Braunkohle heranzukommen.

Und vor allem was für eine gigantische Technologie entwickelt wurde, um das Abtragen des Oberbodens in riesigem Maßstab genauso zu systematisieren wie das Abbaggern der Dutzende Meter darunterliegenden Kohle, die dann über lange Laufbänder direkt zu den bereitstehenden Loren verfrachtet werden musste.

Was man aber an den neuen Seen nicht mehr sieht, machen die geretteten Großgeräte im Bergbautechnikpark sichtbar, die den Besuchern auch zeigen, wie klein sie selbst wirken vor dieser überdimensionalen Technik, mit der einst komplette Landschaften umgelagert wurden.

Seit 2010 wurde der Bergbautechnikpark so ausgestaltet, dass mittlerweile von März bis November regelmäßige Öffnungszeiten (Mittwoch bis Sonntag und Feiertage 10-17 Uhr) möglich sind und auch regelmäßige Führungen stattfinden, bei denen man sich Geschichte und Arbeitsweise der Bergbaumaschinen erklären lassen kann. 24 Tafeln im Gelände lassen die Bergbaugeschichte im Leipziger Südraum erlebbar werden.

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Der Bergbautechnikpark ist kein Freilichtmuseum sondern ein Schautagebau. Für die Errichtung von Schaubergwerken gibt es entsprechende gesetzliche Grundlagen. Diese können hier nicht angewandt werden, da diese ausdrücklich nicht für Tagebaue gelten. Man könnte sich ja mal die Frage stellen, warum es außer in Dunkeldeutschland keinen Schautagebau gibt? Andernorts kennt und hält man sich an die Rechtslage. In Dunkeldeutschland nicht.
Errichtet für 1,2 Mio. € aus den Mitteln der Tagebausanierung wurden dort ein neuer Tagebau angelegt. Man überlege: Neuerrichtung eines Tagebaus aus Mitteln der Tagebausanierung. Während 100 m weiter der Tagebau saniert wurde. Dort aus allgemeinen Steuermitteln.

Der Schautagebau hat insbesondere den Zweck, Tagebau als gesellschaftlich notwendig darzustellen. Dem dient übrigens das BBergG, das hier schon zu recht massiv angegriffen wurde.
So werden in diesem Schautagebau Schulklassen durchgeschleift, damit die Kinder lernen, daß ohne den Strom aus Kohle ihr Handy nicht funktioniert. Und, die Kinder sollen erfahren, woher die “schönen tollen Seen” kommen. Dafür wurden nämlich die Tagebaue angelegt. Für die “schönen neuen Seen”. Von Köpping als “Baggern für Bildungsbürger” beschrieben. Auf denen die Grünen auf den Dieselmotorbooten die Thesen für den nächsten Wahlkampf beschließen können (wie auf dem Markkleeberger See geschehen).
Dafür kann man gleich noch ein paar Tagebaue aufschließen. So, wie in Rückmarsdorf.
Davon, daß Heimat, Umwelt, Natur zerstört wurde – kein Wort. Oder wenn überhaupt, dann nur als Begründung dafür, daß es ja nicht anders ginge. Die DäDäRä brauchte doch Strom und Wärme.

Ach so, in 500 m Sichtweite schwimmt die von 25.000 DM auf ebenfalls 1,2 Mio. € aufgeblasene Vineta. Mit der angeblich an die zerstörten (devastierten) Orte erinnert werden soll.
Wird heute von Pusch (Krystallpalast-Varieté) genutzt, um mit einem alten Kriegsschiff und alten Dieselmotorboot Geld zu verdienen. Ein schönes Beispiel für die Privatisierung öffentlicher Mittel. Ebenso, wie Lagovida. Wo Pusch mit Motorbooten Geld verdient, nachdem mit öffentlichen Mitteln die Voraussetzungen geschaffen wurden.

Von marktliberalen Demokratiezerstörern schreiben und so einen Schwachsinn loben?
Es hätte ein gutes Beispiel für eine wirkliche Änderung, auch im Denken, geben können. Das wäre der Erhalt der Brücke im Tagebau Zwenkau und dessen Umnutzung gewesen. Pläne gab es. Doch es gab damals kein Umdenken, genau so wenig wie heute.
Genau deshalb gibt es diesen Schautagebau.

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