Im Frühjahr hat der Bergbausanierer LMBV die Reißleine gezogen. Die Planungen für den Harthkanal, der einmal den Zwenkauer und den Cospudener See verbinden und auch die Durchfahrt großer Fahrgastschiffe ermöglichen sollte, sind gestoppt. Aus LMBV-Sicht sind die geschätzten Kosten auf 150 Millionen Euro hochgeschnellt. Die Steuerungsgruppe Leipziger Neuseenland sieht das zwar anders. Aber braucht es da wirklich einen teuren Kanal?

Immerhin sind für die Vorbereitungen schon 35 Millionen Euro geflossen – größtenteils zur Festigung des losen Kippengrunds, auf dem hier gebaut werden soll. Und dass so ein Kippengrund auch noch nach Fertigstellung eines solchen Kanalbauwerks Überraschungen bereithält, das zeigt ja gerade der Wasseraustritt am Störmthaler Kanal, der nun seit zwei Jahren aus Sicherheitsgründen gesperrt ist.

Aber das wirft auch die Frage auf, ob man wirklich noch einen eigenen touristischen Kanal zwischen dem Cospudener See und dem Zwenkauer See bauen muss. Ein Plan, den die Steuerungsgruppe Neuseenland weiter hegt und den Kanalbau jetzt mutig mit 45 Millionen Euro beziffert.

Kanuten brauchen keinen Kanal

Leipzigs Kanuten aber haben längst schon formuliert, dass sie so einen Kanal gar nicht brauchen. Ihnen würde völlig genügen, wenn zwischen den beiden Seen einfach eine ordentliche Wegeverbindung geschaffen wird, auf der sie ihre leichten Boote von einem See zu anderen transportieren können.

Eine Idee, die jetzt die Grünen-Fraktion im Leipziger Stadtrat aufnimmt, der die millionenteuren Ausbaupläne im Leipziger Neuseenland zunehmend Bauchschmerzen bereiten. Denn die haben mit dem von den meisten Seeanwohnern gewünschten sanften Wassertourismus nichts zu tun. Und nachhaltig und umweltschonend sind sie auch nicht, beides Themen, die immer drängender werden in einer Zeit des für uns spürbaren Klimawandels.

„Die Realisierung des Harthkanals als schiffbare Verbindung zwischen Cospudener und Zwenkauer See erscheint mittlerweile mehr als fraglich und wirkt aufgrund der massiven Kostenexplosion eher wie ein Luftschloss, als eine in den nächsten Jahren realistische Option“, stellt die Grünen-Fraktion jetzt kritisch in einem entsprechenden Antrag fest, der die Stadt auffordert, im Zweckverband Neue Harth entsprechend aktiv zu werden, um die alten Kanalpläne zu stoppen.

Denn auch diese Planungen hat die Stadt Leipzig ausgelagert. Im Zweckverband Neue Harth sitzt Leipzig mit der Stadt Zwenkau an einem Tisch, um die Entwicklungen insbesondere am Zwenkauer See abzustimmen, wo beide Städte Anrainer sind.

Dort gibt es auch zunehmend Konflikte mit den Bebauungen, welche die Stadt Leipzig an ihren Nordufer plant. Doch indem solche Zweckverbände ihre eigenen Pläne vorantreiben, sind die eigentlich demokratisch legitimierten Gremien wie der Stadtrat kaltgestellt und können nur zuschauen, wie die Kosten für die großen Tourismusprojekte aus dem Ruder laufen.

Eine Wegeverbindung existiert nicht

„Vor Ort wurden in den vergangenen Jahren viele Millionen Euro an Vorbereitungsarbeiten investiert, der Bereich wurde verdichtet und liegt heute weitgehend abgesperrt, trist und brach zwischen Cospudener und dem Zwenkauer Rundweg“, beschreibt der Grünen-Antrag die augenblickliche Situation. „Eine Wegeverbindung existiert mehr über Schleichwege, die nur bei gutem Wetter passierbar sind, keinesfalls aber barrierefrei. Allen Beteiligten dürfte klar sein, dass, sollte der Harthkanal überhaupt jemals realisiert werden, dies noch viele Jahre und Jahrzehnte dauern wird.“

Und die möglicherweise bei einer ehrlichen Betrachtung mit belastbaren wirtschaftlichen und ökologischen Daten besser nicht umgesetzt werden sollte. Aber wer bremst solche Pläne, wenn die beteiligten Ämter sich darin festgebissen haben?

„Umso mehr ein Grund, vor Ort eine Zwischenlösung zu realisieren, die auch als dauerhafte Variante anstelle des Harthkanals dienen kann. Eine barrierefreie Verbindung zwischen den beiden Seen im Bereich des geplanten Harthkanals wäre das Mindeste, was zeitnah vorzunehmen wäre, um dem Trauerspiel endlich ein wenigstens versöhnliche Pause zu gönnen“, finden die Grünen. Und bauen dem Zweckverband damit auch eine Brücke.

„Denkbar wäre in dem Zusammenhang auch die Realisierung einer Bootsschleppe, um Kanus und Faltboote von See zu See transportieren zu können. Dies wäre beispielsweise in Form von schienengebundenen Draisinen möglich, da die Wegstrecke von etwa 700 m ohne Unterstützung nur wenig zum Umtragen einlädt. Gut nutzbare Bootsschleppen sind beispielsweise an Gewässern in Brandenburg oder am Main-Donau-Kanal zu finden.“

Aber es geht ja nicht nur um Boote. Denn noch viel sinnvoller wäre so die Öffnung des Weges für Wanderer und Radfahrer zum Zwenkauer See – ja nun wirklich umweltverträgliche Verkehrsarten, mit denen sich das Neuseenland schneller und sinnvoller erschließen ließe als mit teuren Kanalprojekten.

Die Wünsche der Region ignoriert

Die Antragsformulierung der Grünen lautet entsprechend: „Der Oberbürgermeister wird beauftragt, sich beim Zweckverband Neue Harth nachdrücklich dafür einzusetzen, im Bereich des geplanten Harth-Kanals eine direkte und barrierefreie Wegeverbindung für Fußgänger/-innen und Radfahrer/-innen zwischen Cospudener und Zwenkauer See sowie eine Bootsschleppe für Faltboote/Kanus zu realisieren.“

Das würde möglicherweise nicht nur den umweltverträglichen Weg zum Zwenkauer See öffnen, sondern auch einen Weg, die Erschließung der Seen im Leipziger Südraum einmal tatsächlich im Sinn all der Bewohner der Region zu überdenken, die 2014 in einer Umfrage neben der guten Wasserqualität drei Dinge besonders wichtig fanden: eine intakte Natur (95 bis 96 Prozent), öffentlichen und kostenfreien Zugang zu den Gewässern (95 bis 96 Prozent) und ein Rad- und Wanderwegenetz (89 bis 96 Prozent).

Das Thema Gewässerverbindungen kam erst ganz weit hinten (49 bis 65 Prozent). Wobei die Leipziger damals schon mehrheitlich angaben, dass ihre Einflussmöglichkeiten auf die Entwicklungen im Neuseenland ziemlich schlecht sind. Ausgelagert in Zweckverbände und Steuerungsgruppen, auf welche die Leipziger genauso wenig Einfluss haben wie die Ratsversammlung.

Da ist es schon erstaunlich, wie lange sich diese Strukturen halten und wie sie an Bauprojekten festhalten, die längst sämtliche Budgets gesprengt haben.

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Es gibt 4 Kommentare

@Chritoph ++Von den Antragstellern ist ein Bootstransport zum Erreichen des anderen Sees vorgesehen. Nur als Anmerkung der Saale Leipzig Kanal wird innerhalb meiner Lebenszeit m.M.n. nicht realisiert.

@Matthias Malok: Ich kann Ihnen da nicht folgen. Die Gruppe der Nutzer (Wanderer, Kanufahrer, Radfahrer) ist doch sicher größer als die der Motorbootfahrer.
Und außerdem ist es erstmal ein Start.
Man könnte jetzt Wetten abschließen was eher kommt: der Harthkanal oder die Vollendung des Elster-Saale-Kanals.

Dieser Vorschlag von B’90/Grüne bedient nur einen kleinem Teil der Nutzer. Über dem konstruktiven Auslegungswunsch bin ich gespannt.

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