Grimma setzt ein „Kopfgeld“ für die Ergreifung von Müllverursachern aus

Für alle LeserFrühjahr um Frühjahr ziehen auch in Leipzig die Freiwilligen aus und machen „Frühjahrsputz“. Sie sammeln aus Parks, aus Flüssen, Kanälen und Wäldern den Müll, den andere Zeitgenossen da einfach hingeschmissen haben. Aber kaum sind die Container abtransportiert, landen wieder neue Müllhaufen in der Stadt. In Grimma hat man von diesen wilden Müllablagerungen die Nase voll und setzt jetzt Prämien aus auf die Dingfestmachung der Täter.

Denn, so Grimmas Stadtverwaltung am Dienstag, 28. Mai: „Leider ist in letzter Zeit trotz vielfältigster Bemühungen wie der Durchführung des Subotniks und vieler privater Initiativen eine zunehmende, wenn auch nur punktuelle Vermüllung im Stadtgebiet festzustellen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum einige Mitmenschen ihren Müll in der freien Landschaft abladen.“

„Bedauerlicherweise ist zunehmend festzustellen, dass die Zivilcourage in der Bevölkerung deutlich gesunken ist und somit ein Einschreiten bei derlei Frevel kaum noch stattfindet. Polizei und Justiz erwecken bisweilen den Eindruck der Hilflosigkeit und Konsequenzlosigkeit gegenüber diesen Taten und Tätern und halten damit auch Mutige davon ab einzugreifen. Zum einen weil die Ermittlungen im Sande verlaufen oder eingestellt werden, zum anderen weil sie fürchten aufgrund von verwirrenden Rechtsgrundlagen und Datenschutzbestimmungen schlussendlich selbst juristisch belangt zu werden“, erklärt dazu Oberbürgermeister Matthias Berger.

Die Müllablagerungen seien nicht nur eine ästhetische Schande für die Umwelt, sondern gefährdeten durch die enthaltenen (Schad-)Stoffe Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Hinzu kommt, dass dieser Müll auch die Existenz der Landwirtschaftsbetriebe in der Region gefährdet. Denn durch die zunehmend verfeinerten Analysemethoden in der Landwirtschaft können selbst kleine Mengen Müll im Falle des Einackerns in den Boden zum Entzug verschiedenster Zertifizierungen sowohl in der konventionellen Landwirtschaft als auch bei ökologisch-biologischen Betrieben führen.

„Der wirtschaftliche Niedergang des Betriebes und der Verlust von Arbeitsplätzen wären die zwingenden Folgen. Insofern ist das gemeinsame Ausloben des ‚Kopfgeldes‘ nicht nur ein Signal, sondern ein wichtiger Schritt in Richtung Absicherung der Existenzen unserer Landwirtschaftsbetriebe“, betont Berger.

Die Stadtverwaltung und Landwirtschaftsbetriebe schlossen deshalb eine Vereinbarung. Jede Anzeige der illegalen Müllentsorgung, die zur Ergreifung und Bestrafung des Täters führt, soll mit einer Prämie von 300 Euro gewürdigt werden.

Die Anzeige kann bei Polizei oder Stadtverwaltung erstattet werden. Hiervon sollte jedoch das Büro des Oberbürgermeisters am Markt 17, erreichbar unter Tel. (03437) 9858101, entsprechend in Kenntnis gesetzt werden. Um sicherzustellen, dass dieser Schritt der Tat entsprechend angemessen ist, muss ein gravierender Fall von Müllentsorgung wie z. B. Müllsäcke, Sperrmüll, Sonderabfälle oder Anhängerladungen von Grünschnitt vorliegen.

„Es wäre schön, wenn sich aus der Auslobung des ‚Kopfgeldes‘ für Müllsünder eine gewisse Eigendynamik in unserer Stadt in Bezug auf mehr Zivilcourage entwickeln würde, um über den Problemkreis Müll hinaus gemeinsam mehr auf die wenigen unter uns, die unsere Stadt regelmäßig mit Vandalismus und Graffitis verunstalten, einzuwirken. In diesem Zusammenhang bin ich hocherfreut, dass die Reaktionen auf die ersten Ankündigungen dieser Maßnahme so ausnahmslos positiv waren“, sagt Matthias Berger.

„Ich bitte um Ihr Verständnis für diese etwas außergewöhnliche Maßnahme, die darauf abzielt, das Eigentum sowohl der Stadt als auch unserer Bürgerschaft zu schützen und den notwendigen Respekt im gegenseitigen Umgang wieder auf ein akzeptables Maß zu heben. Wir sollten gemeinsam diese negativen Tendenzen nicht weiter dulden, sondern die Werte unserer Gesellschaft mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen“.

Illegale Müllentsorgung
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