Fridays For Future in Wurzen setzt mit Installation ein Zeichen gegen wilde Verschwörungsmythen

Für alle LeserAll diese seltsamen Anti-Corona-Demos und Hygiene-Demos und wie sie alle heißen, lenken derzeit natürlich jede Menge Aufmerksamkeit auf sich. Überall in Deutschland versammeln sich Leute, die mal gegen Impfzwang protestieren, mal gegen die Beschneidung der Grundrechte, mal mutmaßen sie eine Corona-Ideologie. Es geht drunter und drüber, so schräg, dass man sich fragt: Haben diese Leute wirklich keine anderen Probleme? – Ein Problem ist es jedenfalls für jene, die mit wirklich drängenden Themen auf die Straße gehen – Fridays for Future in Wurzen zum Beispiel.

Auch die dortige FFF-Gruppe hätte gern noch einmal öffentlich auf die gravierenden Klimaprobleme aufmerksam gemacht, die uns tatsächlich bedrohen und ein Weiterso eigentlich verbieten. Die jungen Leute nehmen wissenschaftliche Erkenntnisse ernst. Und das nicht nur bei Klima und Ökologie, sondern auch bei all den drängenden Fragen zu Corona.

Doch auch in Wurzen mussten sie feststellen, dass der eigentlich zum Demonstrieren gewünschte Platz für die Leute reserviert war, die völlig rücksichtslos ihre seltsame Sicht auf die Welt verkünden wollten. Ohne jede Schutzmaßnahme.

Eine seltsame Mischung, die es in dieser Form derzeit nur in Deutschland gibt, wie die F.A.Z. jüngst einschätzte.

Aber was passiert eigentlich mit einem Land, das sich jetzt die ganze Zeit mit diesem diffusen Verschwörungsraunen beschäftigt? Mit Initiativen, die sich deutschlandweit gegen die Corona Maßnahmen bilden, „unterstützt durch Verschwörungstheoretiker/-innen, Rechtspopulist/-innen, Demokratiefeind/-innen.“

In Wurzen fand in der vergangenen Woche deren zweite Versammlung statt. Erneut wurden faktenferne bis hin zu demokratiefeindliche Thesen vertreten.

„Begonnen wurde mit waghalsigen Verschwörungstheorien über die Pharma-Industrie, welche angeblich schon jetzt einen Corona Impfstoff besitzen würde“, erzählt FFF-Mitstreiter Matti (18, Abiturient) von seinen Wurzener Erfahrungen.

„Doch wirre Gedanken fanden auch bei unserem Thema der Nachhaltigkeit Anwendung. Jegliche/-r Wissenschaftler/-in würde vor Schande niederknien, wenn er/sie hören müsste, wie Menschen, die ‚das Internet‘ als Quelle benennen, beschreiben, dass schon Nikolai Tesla vor vielen Jahren alle Probleme der Energieversorgung gelöst hätte.“

Eigentlich wollte FFF in Wurzen dagegen deutlich Position beziehen.

„Unser Ziel war es, mit unserer Aktion gegen Verschwörungstheorien und Bruch der Schutzmaßnahmen zu stehen. Aufgrund der Entscheidungen des Landratsamtes wurde uns dies jedoch stark erschwert, da wir uns mit den emotionalisierten Wutbürgern den Marktplatz teilen mussten. Was unsere Sicherheit in mehreren Hinsichten stark gefährdete“, erzählt Emma (17, Schülerin).

Also setzten die jungen Leute in Wurzen ihre Kreativität vor allem in eine Kunstinstallation um. Sie fand reges, generationenübergreifendes Interesse.

Die Installation auf dem Wurzener Marktplatz. Foto: FFF Wurzen

Die Installation auf dem Wurzener Marktplatz. Foto: FFF Wurzen

„Auch der kleinere zurechnungsfähige Teil der wirren Hygienedemonstranten trat in einen hitzigen Diskurs über Sinn und Bedeutung der Installation“, berichtet die Wurzener FFF-Gruppe. „Auch beiwohnende Passant/-innen bemerkten den Widerspruch zu der Corona-Demo. Weniger zufrieden waren wir mit dem Verhalten der Polizei. An der Corona-Demo nahmen auch bekannte Neo-Nazis teil. Unserer Bitte, eine räumliche Trennung vorzunehmen und uns so vor gewaltbereiten Extremisten zu schützen, kam die Polizei nicht nach. Nach Ende der Kundgebung der Verschwörer/-innen, verblieb der harte Kern mit Alkohol und eng aneinanderstehend auf dem Platz. Für unsere Sicherheit und Gesundheitsschutz hätte dies aufgelöst werden sollen. Glücklicherweise blieb der Abend abgesehen von Beleidigungen friedlich. Es hätte jedoch auch vollkommen anders ausgehen können.“

„Auch aufgrund der positiven Resonanz von Anwohner/-innen, die sich ebenfalls von den Verschwörungstheoretiker/-innen gestört und bedroht fühlen, beabsichtigen wir weiterhin eine faktisch fundierte, seriöse Alternative zu bieten“, erklärt Sabine (19, Studentin). „Bei zukünftigen Aktionen werden wir weiterhin unsere Stimme erheben und durch Redebeiträge die eigene Position deutlicher schildern, auch wenn unsere Aktivist/-innen im Nachhinein beleidigt und bedroht werden.“

Montag, der 11. Mai 2020: Nun demonstrieren auch die Gegner der Gegner der Corona-Regeln

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WurzenFridays for future
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Foto: Ralf Julke

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