Die meisten Politiker hielten sich am Samstag, 23. Juli, bislang zurück, den Gewaltakt von München, bei dem neun Menschen getötet wurden, zu kommentieren. Aus gutem Grund: Man weiß noch nichts über die Motive des Täters. Und nicht mal die Münchner Polizei spricht von einem Terrorakt. Doch irgendwie müssen sich auch immer Politiker zu Wort melden, die gleich wieder „Terror!“ in die Welt rufen. So wie der SPD-Mann Albrecht Pallas aus Sachsen.

Albrecht Pallas ist innenpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag und im Beruf Kriminalpolizist. Eigentlich müsste er wissen, dass man nicht über Motive in einem Fall spekuliert, in dem noch gar nichts geklärt ist.

„Ich bin zutiefst erschüttert über den Anschlag im Münchener Olympia-Einkaufszentrum. Meine Gedanken sind bei den getöteten und verletzten Menschen und ihren Angehörigen. Diese grausame Tat ist bislang einmalig in Deutschland. Die weltweite Anteilnahme und Unterstützung ist beeindruckend“, erklärte Albrecht Pallas am Samstagmittag.

Was schon bei der Einmaligkeit schlicht falsch ist, denn Amokläufe gab es in dieser Dimension auch in Deutschland leider schon mehrere. Und manches deutet darauf hin, dass man es mit dem Amoklauf eines psychisch kranken Täters zu tun hat.

Die Sicherheitsbehörden, allen voran die Polizei München, haben schnell, wirksam und besonnen gehandelt, lobt Pallas. „Dafür gilt ihnen ein großer Dank, insbesondere da gestern Abend lange nicht klar war, wie viele Täter es gab und ob von einer fortbestehenden Terrorlage ausgegangen werden musste.“

Aber weil er gerade so seinen Lauf hat, ordnet er den blutigen Vorfall gleich wieder in das Schema ein, mit dem bis in die wildeste Talkshow hinein alles über einen Kamm geschert wurde. Muss ja wohl Terror sein, oder?

„Seit Monaten gehen die deutschen Sicherheitsbehörden, auch die sächsischen, von einer andauernd hohen abstrakten Terrorgefahr in ganz Deutschland aus. Diese abstrakte Gefahr hat sich nun in München auf erschreckende Weise realisiert“, behauptet die Mitteilung des sächsischen Innenpolitikers. „Dennoch hat sich durch die Ereignisse von München die Sicherheitslage in Deutschland nicht verschlechtert.“

Und weil man schon mal beim Behaupten ist, geht man auch gleich zum Fordern über: „Laut Pallas sollten nun die sächsische Polizei und das Landesamt für Verfassungsschutz  gemeinsam mit den bayrischen Kolleginnen und Kollegen sowie den Bundesbehörden die Lage analysieren, um u.a. auch zu klären, ob die Sicherheitslage in Sachsen weiter verbessert werden kann. Oberstes Ziel müsse sein, solche schrecklichen Taten zu verhindern. Eine hundertprozentige Sicherheit gäbe es aber nicht. Doch gerade im Umfeld von Großereignissen, von denen im Freistaat mit dem ‚Tag der Sachsen‘ und den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit einige bevor stünden, könne mehr für die Sicherheit getan werden.“

„Wir sollten aber nicht in Panik verfallen, sondern besonnen und ruhig die Lage analysieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Aktionismus hilft nicht, sondern spielt nur den Terroristen in die Hände“, erklärt Pallas.

Ehrlich, Herr Pallas? Sie haben gerade einen hübschen Beitrag zur Panikmache verbreitet.

Und das völlig ohne Grund.

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