Softwareanwendungen zur polizeilichen Vorhersage von Straftaten

Das sächsische LKA ist bei der Prüfung von PRECOPS augenscheinlich hochgradig skeptisch

Für alle LeserErstaunlich: Valentin Lippmann ist optimistisch, dass Sachsen sich nicht am Test der polizeilichen Vorhersage-Software PRECOPS beteiligt. Aber hat das Prof. Roland Wöller wirklich so gesagt? Der grüne Landtagsabgeordnete Valentin Lippmann hatte ja extra nachgefragt, nachdem ihm der vorige Innenminister wortreich eine ordentliche Auskunft verweigert hatte.

Der Freistaat Sachsen beteilige sich bisher nicht an der Forschung bzw. Erstellung von Softwareanwendungen zur Vorhersage von Straftaten, hatte Innenminister Prof. Roland Wöller (CDU) auf die Kleine Anfrage von Valentin Lippmann mitgeteilt.

„Ich bin erfreut zu lesen, dass die Softwareanwendungen zur polizeilichen Vorhersage von Straftaten in Sachsen nicht eingesetzt werden. Ich hoffe, es bleibt auch so“, erklärt Valentin Lippmann, innenpolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Sächsischen Landtag, dazu. „Der Nutzen solcher Anwendungen ist umstritten. Gleichzeitig sind sie die Grundlage dafür, dass ganze Gebiete als gefährlich eingestuft und dort dann anlasslose polizeiliche Kontrollen durchgeführt werden. Was das für Blüten treiben kann, sieht man derzeit schon an der Diskussion zu den gefährlichen Orten in Sachsen.“

Wöllers Vorgänger, der ehemalige Innenminister Markus Ulbig (CDU), hatte am 17. Juni 2016 angekündigt, in Sachsen die sogenannte Vorhersagesoftware einzuführen. In seiner Antwort auf eine frühere Kleine Anfrage des Abgeordneten Lippmann (Drs 6/5657) hieß es, dass man sich in einem Prüfungs- und Entscheidungsprozess dazu befinde.

Wie diese Prüfung aussieht, erzählt jetzt Roland Wöller.

„Seit dem Jahr 2016 befasst sich eine Arbeitsgruppe unter Federführung des Landeskriminalamtes (LKA) mit dem Thema ‚Predictive Policing‘. Ziel war, Chancen und Risiken zu untersuchen und Aussagen zu erforderlichen technischen, personellen und finanziellen Aufwendungen hinsichtlich eines möglichen Einsatzes in Sachsen zu treffen“, teilt er in seiner Antwort mit.

„In diesem Zusammenhang wurden bundesweit sowohl der ‚Markt‘ von Produkten von Prognosesoftware gesichtet als auch Erfahrungen aus Pilot- bzw. Forschungsprojekten anderer Bundesländer zum Einsatz solcher Systeme analysiert. Zu letzterem wurden die Landeskriminalämter (LKA) Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Hessen, welche zum damaligen Zeitpunkt bereits aktiv mit einer Prognosesoftware pilotierten bzw. im Wirkbetrieb arbeiteten, gebeten, ihre vorhandenen Erfahrungsberichte bzw. aktuellen Informationsmaterialien zu übersenden.“

Wirkbetrieb heißt: Die Software wird tatsächlich eingesetzt. In Bayern schon seit 2014. Schon 2015 jubelte der dortige Innenminister Joachim Herrmann (CSU), dass die Einbruchszahlen in den vorhergesagten Gebieten deutlich zurückgingen. Das war das Jahr, als in Sachsen die Wohnungseinbrüche massiv in die Höhe schnellten. Denn dummerweise weichen Verbrecher aus, wenn sie mitbekommen, dass die Polizei bestimmte Gebiete stärker bestreift.

Denn darum geht es ja bei dieser Software: Sie errechnet anhand vorhandener Fallzahlentwicklungen, in welchen Gebieten mit einer steigenden Zahl von Einbrüchen zu rechnen ist. Sie versucht also die Denkweise von organisierten Einbrecherbanden zu duplizieren. In Bayern wurden dann verstärkt Streifen in solche Gebiete geschickt. Man machte sogar Personen beim Observieren der möglichen Einbruchsobjekte dingfest.

Aber das ist weder die einzige Art der Einbrüche, noch wird den organisierten Banden damit das Handwerk gelegt. Denn die verlegen ihre Tätigkeitsfelder dann einfach in andere Regionen. Logisch, dass es da ein paar Fragen zur tatsächlichen Wirkung von PRECOPS oder verwandten „Vorhersage-Software“ gab und gibt.

Und augenscheinlich sind die Erfahrungsberichte der zuständigen Polizeidirektionen nicht so eindeutig und belastbar, wie es Herrmann 2015 verkündet hat.

„Von den angeschriebenen LKA haben bisher Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ihren Erfahrungsbericht dem LKA zur Verfügung gestellt“, teilt Roland Wöller mit. Man informiere sich auch in der bundesweiten Gremienarbeit.

Aber zwei Jahre, um bewerten zu können, ob die Einführung dieser Software Sinn macht? Ganz abgesehen von der Personalfrage. Denn nicht nur die Betreuung der Software und ihre Beschickung mit polizeilichen Daten kostet ja Mannstärke. Man braucht ja dann auch die frei verfügbaren Streifen, die in der Lage sind, die als Zielgebiet der aktiven Verbrecherbanden ausgemachten Orte über Tage und Woche zu bestreifen. Dafür hat ja die sächsische Polizei derzeit überhaupt kein Personal.

Die sogenannte „Vorhersage-Software“ sagt eben keine konkreten Einbrüche voraus, sondern errechnet nur Wahrscheinlichkeiten. Übrigens etwas, was die seit Jahren in diesem Kriminalitätsfeld tätigen Ermittler schon aus dem Bauch heraus sagen können. Nur haben sie keinen Draht, auf dem sie einfach mal anrufen und sich eine Abteilung Streifenpolizisten ordern können, um solche Gebiete systematisch zu befahren und die Täter dann möglichst auf frischer Tat zu schnappen.

Das alles steckt ja zwischen den Zeilen in dieser Antwortet. Und augenscheinlich gibt es beim LKA nicht nur Mitarbeiter mit schwarz-rot-goldenen Hütchen, die Kamerateams anschreien, sondern auch skeptische Leute, die die PRECOPS-Berichte der anderen Bundesländer lesen und sich fragen, ob diese Software am Ende nicht doch nur rausgeschmissenes Geld wäre.

Was fehlende Polizisten und falsche Drogenpolitik mit Leipzigs Einbruchszahlen zu tun haben

PreCops
Print Friendly, PDF & Email
Leserbrief

Hinweise zum Leserbrief: Bitte beachten Sie, dass wir einen Leserbrief nur veröffentlichen, wenn dieser nicht anonym bei uns eintrifft. Außerdem möchten wir darauf hinweisen, dass eine Teilnahme an Verlosungen des L-IZ Leserclubs mit dem Leserbrief nicht möglich ist.

Ihr Name *

Ihre E-Mail-Adresse *

Betreff

Ihre Nachricht *

Bild/Datei hochladen

Wären Sie mit der Veröffentlichung als Leserbrief einverstanden? *

 


Schneller informiert mit dem L-IZ-Melder
Weitere Nachrichten:Bewegungsmelder | Wortmelder | Rückmelder | Sport | Polizei | Verkehr





Weitere aktuelle Nachrichten auf L-IZ.de

Augenscheinlich leidet Leipzig jetzt schon unter dem Mangel an frisch ausgebildeten Erzieher/-innen
In Schleußig entdeckt: Kinderwagenparkplatz. Foto: Marko Hofmann

Foto: Marko Hofmann

Für alle LeserDa baut Leipzig nun seit ein paar Jahren mit hohem Druck immer neue Kindertagesstätten, um den Bedarf aufzufangen. Und dann stellt sich heraus, dass Sachsen bei der Ausbildung der benötigten Erzieherinnen und Erzieher nicht hinterherkommt. Man hat viel zu knapp geplant. Zwei Leipziger Kitas sind fertig und können keine Kinder aufnehmen, weil das Personal fehlt. Und dabei hatte die Linksfraktion im April erst nachgefragt.
Auch in Delitzsch blühen jetzt die Schmetterlingswiesen
Im Vordergrund eine Blühwiese, im Hintergrund eine konventionelle Rasenfläche vor Wohnblöcken im Stadtteil Nord. Foto: Stadt Delitzsch/ Nadine Fuchs

Foto: Stadt Delitzsch/ Nadine Fuchs

Für alle LeserNicht nur in Leipzig, auch im benachbarten Delitzsch nimmt man die Gefährdung der Insekten ernst. In der „aufgeräumten“ Stadt finden Insekten viel zu wenig Nahrung, ihr Lebensraum schwindet. Es fehlen die blühenden Wiesen. Die Industrialisierung der Landwirtschaft sowie die Flächenversiegelung durch Industrie und Privathaushalte sind Hauptgründe für den Rückgang von Blühwiesenflächen in Deutschland.
Leipziger Genossenschaften: Es gibt noch genug Wohnungen im ganzen Leipziger Stadtgebiet
Die Vorstände der Leipziger Wohnungsgenossenschaften. Foto: VSWG

Foto: VSWG

Für alle LeserDie einen finden keine passende Wohnung, die anderen keine, die sie bezahlen können. Viele Leipziger ziehen heute schon mit ihren Familien lieber ins Umland. Hat Leipzig also ein Wohnungsproblem? Nein, sagt Dr. Axel Viehweger, Vorstand VSWG. Zusammen mit den Vorständen der sechs größten Leipziger Wohnungsgenossenschaften hat er am Mittwoch, 22. Mai, zur Pressekonferenz geladen.
Die Pöppelmannsche Steinbrücke feiert am 25. Mai 300 Jahre
Zeitreise auf der Pöppelmannschen Steinbrücke. Foto: David Rieger Redok/Art

Foto: David Rieger Redok/Art

Für alle LeserZum 300-jährigen Jubiläum der Pöppelmannschen Steinbrücke am Samstag, 25. Mai, geben sich August der Starke, Napoleon und die Grimmaer Husaren ein Stelldichein. Die Parade mit bedeutenden historischen Persönlichkeiten ist der Höhepunkt beim bunten Treiben auf der berühmten Brücke in Grimma sowie auf dem Volkshausplatz. Nachgestellt wird zudem das Zusammentreffen amerikanischer und russischer Truppen im Zweiten Weltkrieg.
Am 5. November im Täubchenthal: Walking on Cars – Irlands Indie-Eleganz
Walking On Cars 2019 © Coda

© Coda

In vollkommener Abgeschiedenheit an der Südwestküste Irlands, bildete sich aus fünf engen Schulfreunden vor neun Jahren die Band Walking On Cars. Mit ihrem 2016 veröffentlichten Debütalbum „Everything This Way“ sorgte das Quintett für großes Aufsehen. Album und Singles kletterten in die Top 30 der Charts u.a. in England und Deutschland, in Irland stieg der Longplayer sogar an die Spitze der Albumcharts.
So oder so ist das Leben: Die erstaunlich gelassene Reise des Anton Lobmeier zu sich selbst
Benedikt Feiten: So oder so ist das Leben. Foto: Ralf Julke

Foto: Ralf Julke

Für alle LeserJe älter der junge Verlag Voland & Quist wird, umso philosophischer werden die Buchtitel, die er veröffentlicht. Was auch an den Autoren liegt. Sie kommen in ein Alter, in dem man nicht mehr so unbeschwert spottet über das, was einem geschieht. Wird man da weiser? Oder irritiert einen das, was einem geschieht, nicht noch viel mehr? Gute Frage. Mit dem „großen“ Anton Lobmeier schickt Benedikt Feiten eine Art alter ego durch München.
Heute im WERK 2: A-WA
A-WA © Hassan Hajjaj

A-WA © Hassan Hajjaj

A-WA („Ay-wa“) sind die World-Pop-Sensation aus der israelischen Negev-Wüste. Die Musik der drei Schwestern ist eine Mischung aus jemenitischen Traditionsmelodien und modernen Hip-Hop Beats, untermalt von elektronischen Klängen. Ihr selbstbewusstes Auftreten repräsentiert ein starkes und modernes Frauenbild im ansonsten eher konservativen Nahen Osten und überzeugt Fans rund um den Globus.
Paukenschlag im Stadtrat: Milieuschutzsatzung verschoben
Wütend über die Absetzung kurz vor der Kommunalwahl. Mathias Weber (Linke) im Stadtrat Leipzig. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserDie am heutigen 22. Mai 2019 mit großer Spannung erwarteten Tagesordnungspunkte 14.25 und folgende machten anders Furore als gedacht. Statt sogenannte Erhaltungsatzungen zum Schutz von Mietern vor steigenden Mieten in immerhin zehn Leipziger Stadtteilen auf Antrag der Linksfraktion zu beraten und zu beschließen, kam es erst einmal zu einem deutlich verzögerten Start der Ratsversammlung. Bis etwa 16:20 Uhr kam es zu massiven Einflussnahmen auf die Stadträte durch Baudezernentin Dorothee Dubrau und Oberbürgermeister Burkhard Jung, die Anträge zu verschieben. Gegen vorherige Bekundungen stimmten die Fraktionen bis auf die Linke dieser danach zu.
Der Stadtrat tagt: LVV-Darlehen wird zu Eigenkapital
Heiko Oßwald (SPD). Foto: L-IZ.de

Heiko Oßwald (SPD). Foto: L-IZ.de

Für alle LeserEigentlich wollte der Stadtrat bereits am Mittwoch, den 15. Mai, über einen Antrag der SPD-Fraktion abstimmen, ein Darlehen der Stadt an die L-Gruppe in Höhe von rund 228 Millionen Euro bis Ende 2020 in Eigenkapital umzuwandeln. Doch wegen rechtlicher Unsicherheiten einigte man sich darauf, das Thema auf die Fortsetzung der Ratsversammlung am 22. Mai zu vertagen.
Der Stadtrat tagt: Clubs sollen bei Stadtplanung mehr berücksichtigt werden
Ute Elisabeth Gabelmann (Piraten und Freibeuterin). Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserMit Ausnahme der AfD hat der Stadtrat am Mittwoch, den 22. Mai, einstimmig dafür gestimmt, die Interessen der Clubs zukünftig stärker zu berücksichtigen, beispielsweise bei großen Bauvorhaben. Ausgangspunkt war ein Antrag der SPD, zu dem es Änderungsanträge von Linksfraktion und Stadträtin Ute Elisabeth Gabelmann gab.
Der Stadtrat tagt: Die Fortsetzung der Mai-Sitzung im Livestream
Der Stadtrat im Livestream. Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserAm Mittwoch, den 22. Mai, kommt der Stadtrat zum zweiten Mal in diesem Monat zusammen. Eigentlich sollte in der Woche der Kommunalwahl keine Sitzung stattfinden. Doch weil die Tagesordnung in der vergangenen Woche unter anderem wegen der Diskussion über das 365-Euro-Ticket nicht abgearbeitet werden konnte, wird die Sitzung nun fortgesetzt. Die L-IZ wird über die wichtigsten Themen berichten und bietet wie gewohnt einen Livestream an.
Der Stadtrat tagt: BUND erhält knapp 30.000 Euro für Mehrwegbecher-Pfandsystem
Norman Volger (Grüne) im Stadtrat. Foto: L-IZ.de

Norman Volger (Grüne) im Stadtrat. Foto: L-IZ.de

Für alle LeserIn der modernen und zunehmend hektischen Welt bleibt für einen gemütlichen Kaffee offenbar immer weniger Zeit. Vor allem Arbeiter und Studierende bestellen häufig einen Coffee to Go, also einen Kaffee für unterwegs. Dies bringt jedoch Müllprobleme mit sich, die der BUND Leipzig mit einem Mehrwegbecher-Pfandsystem eindämmen will. Das dafür nötige Geld hat der Stadtrat bewilligt.
Zur politischen Auseinandersetzung sollte immer auch ein respektvoller Ton und Wortwahl gehören
Baudezernentin Dorothee Dubrau (parteilos). Foto: L-IZ.de

Foto: L-IZ.de

Für alle LeserIn den „sozialen Medien“ benimmt sich auch die Leipziger CDU nicht wie ein Waisenknabe. Es wird gehauen und gestochen und draufgehalten, wenn es irgendwie Punkte im Kampf um die Meinungshoheit zu bringen scheint. Als nun aber mal jemand aus einer anderen Partei ähnlich hemdsärmelig dreinschlug, gab’s gleich mal eine Stadtratsanfrage: Darf der denn das?
UFZ-Forschungsreise will herausfinden, was aus Mikroplastik im Ozean wird
Das Forschungsschiff Sonne. Foto: M Hartig / Meyer Werft

Foto: M Hartig / Meyer Werft

Für alle LeserDass riesige Mengen von Plastik in den Meeren treiben und Plastik sogar im 11.000 Meter tiefen Marianengraben auftaucht, das hat sich ja herumgesprochen. Aber was passiert eigentlich, wenn diese Plastikmengen über Jahre zerbröseln und sich in Mikroplastik verwandeln? Was passiert mit Mikroplastik im Meer? Das soll jetzt erstmals das Projekt MICRO-FATE erkunden, das unter Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) startet.
Verwaltung stimmt Antrag des Jugendparlaments zur Radstation im Hauptbahnhof weitgehend zu
So stellte sich der Ökolöwe 2014 eine Fahrradstation im Hauptbahnhof vor. Grafik: Ökolöwe

Grafik: Ökolöwe

Für alle LeserDie jungen Parlamentarier aus Leipzigs Jugendparlament beobachten sehr aufmerksam, was in der Stadtpolitik passiert. Und sie registrieren auch, wenn wichtige Projekte einfach feststecken und über Jahre nichts geschieht – so wie bei der geplanten Radstation im Hauptbahnhof. Abstellplätze für Fahrräder könnte man schon bauen, hatte das Planungsdezernat dazu mitgeteilt. Aber eine richtige Radstation gäbe es wohl frühestens 2023. Aber den Antrag der Jugendparlamentarier nimmt das Dezernat Stadtentwicklung und Bau dennoch ernst.