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Statt Dürre-Jammerei endlich etwas tun, um das Wasser in der Landschaft zu halten

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    Die Alarmmeldungen sind wieder in allen Medien zu lesen: Waldbrandgefahr, ausgetrocknete Böden, Wassermangel. „Die aktuelle Wettersituation ruft die Klima-Apologeten auf den Plan, die vor den Folgen des Klimawandels warnen“, kommentieren die GRÜNE LIGA Sachsen e. V. und der Naturschutzverband Sachsen e. V. (NaSa) die aktuelle Nachrichtenlage. „Und führende Vertreter der Land- und Forstwirtschaft stimmen in den von ‚Dürresommer‘, ‚Missernte‘ und ‚Borkenkäfergefahr‘ getragenen Chor ein.“

    Erst am 4. April hatte Sachsens Agrarminister Thomas Schmidt (CDU) eine „steuerermäßigte Mehrgefahrenversicherung“ für die Bauern gefordert. Aber zumindest merkte er auch an, dass es überhaupt nichts hilft, wenn man einen Haufen Geld in die Dürre-Versicherung steckt, wenn die Bauern ihre Landwirtschaft nicht so ändern, dass sie besser gegen ausbleibende Niederschläge gewappnet sind.

    Würde das in Sachsen so passieren, wie Schmidt am 4. April vermelden ließ, sähe das Land längst anders aus. „Bereits vor zehn Jahren hat der Freistaat Sachsen eine Strategie zur Anpassung der sächsischen Landwirtschaft an den Klimawandel erstellt“, meldete sein Ministerium. Gebracht hat es nicht viel. Es ist wie so oft, wenn Minister nicht wirklich etwas ändern wollen: Sie locken mit ein bisschen Fördergeld, überlassen die Sache aber dann doch dem Selbstlauf, sodass sich – außer ein wenig in der Bodenbearbeitung – seit 2009 nichts groß geändert hat.

    Tatsächlich ist man nach zehn Jahren, wie Schmidt indirekt eingesteht, immer noch beim „kreativen Erfahrungsaustausch“.

    „Finanzielle und steuerliche Erleichterungen können aber nur eine Stützsäule sein. Den witterungsbedingten Herausforderungen müssen wir vielmehr mit innovativen Ideen begegnen“, sagte Schmidt. „Dazu werden auch im Rahmen des simul+InnovationHub Projekte befördert, die unsere Landwirte bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen, zum Beispiel zum Erosionsschutz, zu Fruchtfolgen für nachwachsende Rohstoffe auf leichten Böden oder zur Bewässerung.“

    Das ist genau dieselbe Liste, die auch 2009 Thema war. Sie kratzt nur an der Oberfläche. Und vor allem nimmt sie den eher untätigen Freistaat aus der Pflicht.

    Das ist nämlich das, was GRÜNE LIGA Sachsen e. V. und Naturschutzverband Sachsen e. V. kritisieren.

    Sie vermissen bei all den formulierten Sorgen den eigentlich naheliegenden Lösungsansatz – das Wasser solange wie möglich in der Landschaft zu halten und dessen Abfluss nicht künstlich zu beschleunigen.

    Denn aus Gründen der Nutzungsoptimierung haben Land- und in weiten Teilen auch die Forstwirtschaft durch oberirdische Gräben oder unterirdische Drainagen dafür gesorgt, dass das Wasser so schnell wie möglich aus der Fläche abgeleitet wird. Natürliche Quellgebiete und die Oberläufe der Gewässer wurden so zerstört, Feuchtgebiete verschwanden.

    Es gibt in Sachsen z. B. kein natürlich belassenes Quellgebiet im Acker, stellen die beiden Umweltschutzverbände fest. Fichtenmonokulturen wachsen auf von Gräben durchzogenen Hochebenen, die ursprünglich von Feuchtgebüschen bzw. -wäldern bewachsen waren. Und selbst im Grünland wurden die ursprünglichen Quellgebiete fast vollständig drainiert, sprich entwässert.

    Ergebnis: Das natürliche Wasserrückhaltevermögen des Bodens wird durch Drainagen und Gräben zerstört und es kommt zu einer Erhöhung der Hochwassergefahr bei Starkregenereignissen für die Unterlieger.

    Mit dem Ausbringen von Pestiziden und Dünger auf entwässerten Flächen gelangen diese Stoffe über das künstliche Entwässerungssystem auf direktem Wege in die Fließgewässer. Damit und mit dem Verschwinden der natürlichen Quellgebiete, so betonen die Umweltverbände, ist ein massiver Verlust der natürlichen Artenvielfalt verbunden. Insektensterben und der Artenschwund bei Vögeln, Amphibien und Fischen haben viel damit zu tun, dass natürliche Landschaftsstrukturen der Nutzungsintensivierung zum Opfer gefallen sind und das hydrologische Abflussregime der Quellgebiete verändert wurde.

    Alles Aufgaben für ein sächsisches Umweltministerium, das um die Probleme mindestens seit der „Jahrhundertflut“ von 2002 weiß. Damals sorgte der schnelle Wasserabfluss für Hochwasserärger – heute fehlt das Wasser aus den natürlichen Wasserspeichern in der Landschaft.

    Das Fazit der beiden sächsischen Verbände: „Es ist deshalb an der Zeit, das Lamentieren über Trockenheit und Wassermangel zu beenden und in der Landschaft dafür zu sorgen, dass deren Wasserregime wieder renaturiert wird. Der Rückbau von Drainagen, die Wiederherstellung der ursprünglichen Quellgebiete, die Verschließung von Entwässerungsgräben im Wald sind die anstehenden Maßnahmen der Zeit. Nach der großflächigen Melioration der letzten 100 Jahre steht nun der Rückbau dieser Anlagen ins Haus. Die Politik ist gefordert, die konjunkturbelebenden Chancen dieses Renaturierungsprogramms unter anderem aus Gründen des Hochwasserschutzes, der Erhöhung der Biodiversität, der Wiederherstellung eines flächendeckenden Biotopverbundes und der Waldmehrung in die Tat umzusetzen.“

    Risikobewertung von Pestiziden muss sich endlich an den konkreten Schutzgütern vor Ort ausrichten

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    1 KOMMENTAR

    1. ….ist ein massiver Verlust der natürlichen Artenvielfalt…
      Die kleinen Dummerchen. An „natürlicher“ Artenvielfalt verdient niemand. Deshalb kann das „niemand“ nicht wollen.
      Sägen und betonieren, Insektizide und Pestizide sind die Gebote der Stunde. Ohne Wachstum (und das meint nicht das der Bäume) geht schließlich das System zu Grunde.

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