Nicht schon wieder Äcker opfern: Dohna will aus IPO-Zweckverband aussteigen

Für alle LeserDohna liegt ziemlich weit im Osten Sachsens, 15 Kilometer östlich von Dresden an der Müglitz. Und der Stadtrat von Dohna hat jetzt etwas getan, was in Sachsen Einmaligkeitswert besitzt: Er hat sich gegen die weitere Versiegelung der Landschaft ausgesprochen und Dohna soll deshalb aus dem Zweckverband Industriepark Oberelbe (IPO) aussteigen.

Dies hat zwar vor allem finanzielle Beweggründe, doch auch die Versiegelung enormer Flächen war ein Grund für den Beschluss. Den Beschluss des Dohnaer Stadtrats mit 9 zu 6 Stimmen befürworten der NABU Sachsen und der Bund für Umwelt und Naturschutz Sachsen (BUND) Sachsen, die das Vorhaben von Beginn an abgelehnt haben.

„Wir begrüßen ausdrücklich den mutigen Schritt der Mehrheit der Stadträte von Dohna, aus dem Zweckverband Industriepark Oberelbe auszusteigen, und möchten diese ermutigen, auch in der zweiten Abstimmung kommende Woche nicht von ihrer Haltung abzuweichen“, sagt Bernd Heinitz, NABU-Landesvorsitzender. Die Städte Pirna, Heidenau und Dohna hatten erst im vergangenen Jahr den Zweckverband gegründet, um hinter dem Barockgarten Großsedlitz einen Industriepark zu bauen.

Eine Entwicklung, die in Sachsen seit 1990 im Gang ist und zu immer neuen von Straßen, Industrie- und Einkaufparks verbauten Äckern, Wiesen und Wäldern führt. Noch immer wird wertvoller Naturraum geopfert, um mitten in grünen Landschaften neue Gewerbegebiete hochzuziehen, angetrieben von einem wilden Wettbewerb um Ansiedlungen, bei dem auch noch die kleinste Gemeinde bereit ist, ihr Tafelsilber zu opfern, um irgendeine Ansiedlung vor ihrer Haustür gebaut zu bekommen. Anderswo stehen die einst geplanten Gewerbegebiete leer. Und das Artensterben geht munter weiter.

Vier Hektar Land werden in Sachsen täglich zugebaut. Damit ist der Verbrauch an unbebauter Fläche im Freistaat immer noch doppelt so hoch wie von der Landesregierung geplant. Dies geht mit dramatischen Folgen einher: Die Bodenqualität lässt nach, Lebensräume für Flora und Fauna gehen verloren, die Zerstückelung von Lebensräumen führt zu einem Rückgang der Arten- und Biotopvielfalt und die Grundwasserneubildung wird erschwert, weil weniger Niederschlag versickern kann.

Bei Pirna geht es jetzt freilich um wertvolle Landwirtschaftsflächen.

„Die aktuell für den Industriepark vorgesehenen Flächen von rund 140 Hektar werden überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Schon mit dem Bau der A 17 und der Ortsumgehung Pirna sind hier große Flächen für die Natur verloren gegangen. Das muss ein Ende finden“, stellt Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen, fest. BUND und NABU sehen in Dohnas Austrittsbestrebungen ein wichtiges Signal, das ganze Projekt zu begraben.

„Gerade in Zeiten, in denen der Kampf gegen den Klimawandel in aller Munde ist, müssen Flächen für die Entstehung und den Abfluss von Kaltluft, den Abfluss und die Speicherung von Niederschlägen sowie für Natur- und Artenschutz freigehalten werden. Der Ruf nach einem landesweiten Biotopverbund wird durch die Planungen zur Farce“, so Ekardt.

Erschwerend kommt hinzu, dass die besagte Industrieparkfläche in Sichtachse und im Einzugsbereich des Natura-2000-Gebietes Barockgarten Großsedlitz liegt. Das Gebiet ist Lebensraum unter anderem des Käfers Eremit, dem Großem Mausohr und der Mopsfledermaus. Es erfüllt wichtige Funktionen im Biotopverbund, die bei einer möglichen Realisierung des Vorhabens nachhaltig gestört werden würden. Weiterhin sind Beeinträchtigungen durch Licht- und Lärmimmissionen zu befürchten, zumal das Gebiet ohne Bahnanschluss ist und neue riesige Verkehrsbelastungen insbesondere durch Schwerlastverkehr nach sich ziehen würde.

„Wenn solche großen Industrie- und Gewerbeansiedlungen überhaupt stattfinden sollten, dann im Rahmen des Strukturwandels auf bereits vorhandenen Industrieflächen“, benennt Bernd Heinitz das zentrale Thema. Doch in Sachsen operieren die Kommunen beim Thema Gewerbeansiedlung immer noch gegeneinander, opfern wertvolle Naturräume und versuchen auf diese Weise anderen mögliche Unternehmensansiedlungen vor der Nase wegzuschnappen. Von einer regulierend eingreifenden Landesregierung kann keine Rede sein.

Es sind noch immer wertvolle Ackerflächen, die der Versiegelung zum Opfer fallen

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