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„Eine Fankultur, die sich rasend entwickelt“: Mitglieder des Bulls Club im Gespräch

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    Sie intonieren Schlachtgesänge, inszenieren Choreografien, feuern ihre Mannschaft an. Wo immer RB Leipzig auch spielt. Der Bulls Club ist meistens dabei. L-IZ.de hat sich mit zwei Mitgliedern getroffen. Robert (24) und Philipp (29) lieben Fußball. RB Leipzig? Für sie eine Liebe auf den ersten Blick.

    Gemeinsam mit 289 anderen RB-Begeisterten sind die beiden Fans im Bulls Club organisiert. Der Größte von fünf offiziellen Fanclubs (OFC’s) des Regionalligisten. Philipp: „In einem OFC zu sein, ist fast vergleichbar mit einer Vereinsmitgliedschaft.“ Mitglieder erhalten reduzierte Tickets, haben Vorkaufsrecht für Dauerkarten und Top-Spiele, außerdem einen guten Draht zum Verein.

    Nicht zuletzt deshalb freut sich der Fanclub derzeit über steigende Mitgliedszahlen. Und befindet sich in einem nicht enden wollenden Selbstfindungsprozess. „Wir haben eine Fankultur, die sich rasend entwickelt“, fasst Philipp zusammen. „Wir müssen neue Leute integrieren, auch zulassen, dass sie Initiative zeigen.“ Im Verein mitbestimmen dürfen die Fans allerdings nicht. Ein scharfer Kritikpunkt am Modell Rasenballsport. Die stimmberechtigte Vereinsmitgliedschaft ist mit finanziellen Hürden verbunden, die für Normalsterbliche beinahe unüberwindbar scheinen.
    Robert sieht’s gelassen. „Ich denke, die Verantwortlichen wissen, was sie tun.“ Von Funktionären, die keinen blassen Schimmer vom Geschäft haben, kann der ehemalige Lok-Fan ein Lied singen. Als sich die Probstheidaer nach der Insolvenz des VfB Leipzig neu formierten, ging er regelmäßig ins Bruno-Plache-Stadion. Bis die Gewalt überschwappte.

    „Ich bin von Lok weg, als es mit den großen Randalen anfing.“ Philipp störte sich dagegen an der Fankultur der beiden etablierten Clubs. „Man hatte immer das Gefühl, dass man Angst haben muss, wenn man ins Stadion geht.“ Sagt einer, der Fußball genießen möchte, der sein Team lautstark supportet und sich nicht mit gegnerischen Fans keilen mag. Philipp: „Was andere machen, ist uns egal.“
    Den ominösen Anderen aber nicht. „Je kleiner der Verein, desto schlimmer ist es“, berichtet Robert. Gerade bei kleinen Clubs sei der Hass besonders ausgeprägt. Mehrfach wurden RB-Fans angegriffen. Dem Bulls Club wurde in der Rückrunde eine Zaunfahne geraubt. „Die Diebe hätten eine Anfrage stellen können“, scherzt Philipp. Dass sein Fanclub die Gunst der Stunde nutzte, um das gute Stück neu zu designen, unterstreicht bestens, dass die rot-weiße Fanschar nicht nach den Regeln von Hooligans und Ultras spielt. „Was sollen wir uns ärgern?“, fragt Robert. „Es bringt doch nichts.“

    Wie stehen die RB-Anhänger zur glamourösen Leipziger Fußballhistorie? „Neue Stadien, wechselnde Teams und Vereinsnamen zeigen, dass Fansein am Ende die Sympathie für ein Projekt ist, das zeitlich begrenzt ist“, meint Philipp. „Klar berufen sich Ultras immer auf Tradition. Aber ich kann nicht 20 Jahre vom Finale der Pokalsieger zehren.“ Darf man sich deshalb in einen österreichischen Energy-Drink verlieben? „Es geht darum, friedlich schönen und hochklassigen Fußball in Leipzig zu sehen“, meint Robert. „Wir partizipieren alle davon, dass Red Bull hergekommen ist“, ergänzt Philipp. „Ob da nun Red Bull drauf steht oder Nutella, ist mir egal.“

    Der Bulls Club im Netz
    www.bulls-club.de

    Anm. d. Red.: Auf Wunsch der Interviewten wurden keine Bilder von ihnen selbst veröffentlicht.

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