Am 29. Oktober: Sinfoniekonzert des Hochschulorchesters im Gewandhaus

Es ist eine seit langem bestehende Tradition, dass das Hochschulsinfonieorchester (HSO) jährlich ein Gewandhauskonzert gibt – und zwar anlässlich des Todestages von Konservatoriumsgründer und Hochschulnamenspatron Felix Mendelssohn Bartholdy, der am 4. November 1847 – also vor 173 Jahren – starb.
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Johannes Brahms schrieb sein einziges Violinkonzert 1878 während eines Sommeraufenthaltes in Pörtschach am Wörthersee – zeitgleich mit seiner ebenfalls in D-Dur stehenden 2. Sinfonie, zu der es einige Parallelen gibt. Für das Verfassen seiner 1. Sinfonie brauchte Brahms eine lange Zeit, da er den Vergleich mit Beethoven fürchtete.

So äußerte er gegenüber dem Dirigenten Hermann Levi: „Ich werde nie eine Symphonie komponieren! Du hast keinen Begriff davon, wie es unsereinem zu Mute ist, wenn er immer so einen Riesen“ (gemeint war Beethoven) „hinter sich marschieren hört.“

Aus diesem Grund zögerte er auch mit der Komposition eines Violinkonzertes eine ganze Weile, zumal er mit dem Geigenspiel nicht vertraut war. Verbesserungsvorschläge erteilte ihm sein Freund Joseph Joachim, der das Werk am 1. Januar 1879 im Leipziger Gewandhaus unter Brahms’ Leitung uraufführte.

Die Meinungen waren danach gespalten: Von „einer Sinfonie mit obligater Geige“ oder einem „Konzert gegen die Geige“, wie es der Dirigent Hans von Bülow formulierte, war die Rede. Der Violinvirtuose Pablo de Sarasate weigerte sich gar, es überhaupt zu spielen. Dennoch trat das Opus bald seinen Siegeszug durch die Welt an, nachdem es Joseph Joachim im Uraufführungsjahr in London erfolgreich spielte und auf Konzertreisen immer wieder im Repertoire hatte.

Da 2020 Beethoven-Jahr ist, darf auch in diesem Programm ein Werk des großen Meisters nicht fehlen. Es erklingt die Ouvertüre Nr. 3 zur Oper „Leonore“, wie zunächst Beethovens Oper „Fidelio“ hieß. Rund ein Jahrzehnt beschäftigte sich der Komponist mit dem Stoff. Es entstanden insgesamt drei Opernfassungen und vier Ouvertüren. Alle vier Ouvertüren führte übrigens Mendelssohn 1840 innerhalb eines Konzertes im Gewandhaus auf.

Die heute als Nr. 3 geltende Fassung der Ouvertüre entstand 1806, fand aber auch keinen großen Anklang beim Publikum „wegen der unaufhörlichen Dissonanzen und des überladenen Gewirrs der Geigen“, wie ein Rezensent schrieb. Richard Wagner meinte jedoch später begeistert: „Dieß Werk ist nicht mehr eine Ouvertüre, sondern das gewaltigste Drama selbst.“
Kurz darauf entstand dann die heute bekannte „Fidelio“-Ouvertüre.

Mit Beethovens 1. Sinfonie setzte sich der Leipziger Komponist, Pianist und Konzertorganisator Steffen Schleiermacher auseinander. Von 1980 bis 1985 studierte er an der Leipziger Hochschule Klavier, Komposition und Dirigieren. Von seinen vielfältigen Tätigkeiten sei erwähnt, dass er seit 1988 die Konzertreihe „musica nova“ des Gewandhauses leitet, von 2000 bis 2010 das Festival „KlangRausch“ beim MDR verantwortete und 1989 das Ensemble Avantgarde gründete. Steffen Schleiermacher gehört ebenfalls zu den Jubilaren 2020: Im Mai wurde er 60 Jahre alt.

Sein Werk „Bann. Bewegung. Mit Beethovens Erster“ entstand 2010 und wurde 2011 vom Gewandhausorchester unter der Leitung seines damaligen Chefs Riccardo Chailly uraufgeführt. Die Komposition beginnt mit markanten Beethoven’schen C-Dur-Akkorden, die in der 1. Sinfonie des Wiener Jubilars beispielsweise am Ende des 1. Satzes zu hören sind, findet dann aber ihre eigenen Wege. Schleiermachers Opus „kann durchaus so gehört werden, dass genau dies – der Wille, sich abzusetzen – ein Grundimpuls zumindest der ersten Minuten des Stücks ist.

Wieder und wieder will sich der Satz von seinem Ausgangspunkt befreien, C-Dur als Bezugsgröße gewissermaßen abschütteln. Doch es dauert eine lange erste Minute, bevor sich zwischen die Schläge des Tutti (die in den immer gleichen Oktavlagen stattfinden, also tatsächlich völlig ,festgefahren‘ sind) überhaupt zum ersten Mal so etwas wie eine neu formulierte Melodiefloskel zwängen kann – und danach noch einmal fast so lange, bis jene Einstiegsakkorde (vorerst) zurückgelassen sind und der Satz endlich neue Elemente ins Spiel bringen kann.“ (Christiane Schwerdtfeger)

Das HSO wird von Dirigierprofessor Matthias Foremny geleitet.

Karten für das Konzert zu 14 € zzgl. VVK-Gebühr, Ermäßigung für Berechtigte an der Gewandhauskasse unter Tel. 0341/1270-280

Donnerstag, 29.10.2020,20.00 Uhr, Gewandhaus zu Leipzig, Augustusplatz 8, Großer Saal

Konzert
Hochschulsinfonieorchester
Leitung: Prof. Matthias Foremny/Studierende
Solist: Hector Burgan – Violine (Meisterklasse Prof. Carolin Widmann)

Programm:

Johannes Brahms (1833-1897): Violinkonzert
Steffen Schleiermacher (*1960): Bann. Bewegung. Mit Beethovens Erster (2010)
Ludwig van Beethoven (1770-1827): Ouvertüre Nr. 3 zur Oper „Leonore“ op. 72a
(Zum 250. Geburtstag des Komponisten)

30 Jahre deutsch-deutsche Parallelwelt: Höchste Zeit, die betonierten Vorurteile zu demontieren

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