Der Vers „Ich hatte einst ein schönes Vaterland“, den Heinrich Heine schrieb und Mascha Kaléko 1943 in ihrem Gedicht Im Exil aufgriff, steht stellvertretend für einen Abend, der die reiche und bewegende Geschichte jüdisch-deutscher Kultur in Literatur und Musik erfahrbar macht. Am Sonntag, 1. Februar, 17 Uhr, ist dieses außergewöhnliche literarische Kammerkonzert im Leipziger Ariowitsch-Haus zu erleben.
Im Zentrum des Abends stehen Texte jüdischer Autorinnen und Autoren deutscher Sprache, gelesen vom renommierten Film- und Theaterschauspieler Roman Knižka. Mit seiner markanten Stimme und großer erzählerischer Präsenz verleiht er den Worten von Moses Mendelssohn, Heinrich Heine, Ludwig Börne, Else Dormitzer, Victor Klemperer, Anita Lasker-Wallfisch und anderen besondere Eindringlichkeit. Ergänzt werden die literarischen Werke durch autobiografische Zeugnisse jüdischen Alltags in Sachsen im 19. Jahrhundert, die Einblicke in Lebenswirklichkeiten zwischen Emanzipation, kultureller Blüte und Ausgrenzung geben.
Die ausgewählten Texte erzählen von Hoffnung und Assimilation ebenso wie von Identitätsverlust, Entrechtung, Vertreibung und Vernichtung jüdischen Lebens unter dem NS-Regime. Zugleich machen sie die faszinierende Vielfalt jüdischer Kultur auf deutschem Boden sichtbar – eine Vielfalt, die diesen Abend trägt und prägt.
Der musikalische Teil wird vom Bläserquintett Ensemble OPUS 45 gestaltet. Zu hören werden sein Stücke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Alexander Zemlinsky, Denes Agay, Jacques Ibert und Pavel Haas, deren Biografien ebenfalls eng mit der deutsch-jüdischen Geschichte verbunden sind. Die Musik tritt dabei in einen intensiven Dialog mit den Texten und erweitert deren emotionale und historische Dimension.
Das Programm entstand ursprünglich anlässlich des Jubiläums „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ (2021) und wurde unter anderem in Hamburg, Lübeck, Bautzen und Erfurt aufgeführt. Für die Leipziger Aufführung wurde es weiterentwickelt, am Ende schlägt der Abend einen Bogen in die Gegenwart, wenn die Dramatikerin Sasha Marianna Salzmann jüdisches Leben in Deutschland nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 reflektiert.
Roman Knižka, geboren 1970 in Bautzen, zählt zu den profiliertesten deutschen Schauspielern seiner Generation. Nach seinem Schauspielstudium in Bochum spielte er an renommierten Bühnen und machte sich mit zahlreichen Kino- und Fernsehproduktionen einen Namen, darunter die Netflix-Erfolgsserie „Dark“ sowie die ARD-Miniserie „Für immer Sommer 90“. Neben seiner Arbeit vor der Kamera ist er als Hörbuchsprecher und Bühnenkünstler bundesweit gefragt.
Das Ensemble OPUS 45, dessen Mitglieder in führenden deutschen Orchestern spielen, hat gemeinsam mit Roman Knižka eine eigene Form des literarischen Kammerkonzerts entwickelt, die in dieser Art in der deutschsprachigen Konzertlandschaft einzigartig ist.
Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
Die Veranstaltung wird freundlich unterstützt von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen im Rahmen von TACHELES – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026.







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