Kündigung für Karstadt

Leipziger Karstadt-Filiale soll 2019 ihr eigenes Haus verlassen

Für alle LeserWahrscheinlich war es ein Riesenfehler, als sich Karstadt 2006 selbst von den Immobilien trennte, die der krisengeschüttelte Konzern damals weiterbetrieb. Darunter auch das gerade 2006 fertiggestellte neue Kaufhaus in Leipzig. Denn diese Immobilien haben sich für die Erwerber längst als wertvolle Geldanlagen erwiesen. Was das Leipziger Karstadt jetzt mit voller Wucht zu spüren bekommt.

Am Donnerstag, 5. April, informierte Michael Zielke, Filialgeschäftsführer von Karstadt Leipzig, die 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Belegschaft darüber, dass der neue Eigentümer dieser prächtigen Innenstadt-Immobilie den Mietvertrag mit Karstadt nicht verlängert habe, sondern gekündigt, sodass der Betrieb des traditionellen Warenhauses an diesem Standort am 31. März 2019 enden muss.

Ursprünglich erbaut wurde das traditionsreiche Gebäude an der Petersstraße 1914 bis 1916 damals noch als Kaufhaus Althoff. 1920 gab es dann den Zusammenschluss mit Karstadt – auch wenn der Name Althoff bis zum Kriegsende erhalten blieb. Das Gebäude war teilzerstört und wurde später auch nur zum Teil wieder aufgebaut, um eines der Centrum-Warenhäuser der DDR zu werden, bevor es 1991 an die Karstadt AG zurückkam, die das Haus sanierte. Aber noch viel eindrucksvoller wurde für die Leipziger ab 2004 die komplette Entkernung des ganzen Quartiers und der Bau des neuen Karstadt-Warenhauses, das 2006 eröffnet wurde.

Und während die ganze Republik über das veraltete Konzept von Karstadt diskutierte, erlebten die Leipziger, wie modern Einkaufen sein konnte – mit dem Restaurant Le Buffet, dem Feinkostmarkt und der großen Fontäne im lichten Innenhof. Das Haus ist längst angenommen und gehört zu den Magneten in der Leipziger Innenstadt.

Doch jetzt bekommt Karstadt zu spüren, wie wichtig eigene Immobilien in den immer härter umkämpften Innenstadtlagen der wachsenden Großstädte sind. Jetzt entscheiden Rendite-Überlegungen in irgendwelchen Investmentunternehmen, wie man mit angestammten Mietern umgeht. In diesem Fall sind 300 Arbeitsplätze direkt betroffen. Und natürlich ein Stück Einkaufsqualität, dessen Fehlen sich in Leipzigs Innenstadt bemerkbar machen wird.

Der Leipziger Bundestagsabgeordnete und Stadtrat Sören Pellmann (Die Linke) hat sich schon entsprechend zum Thema zu Wort gemeldet: „Rund 400 Beschäftigte des Karstadtkonzerns wurden am vergangenen Donnerstag mit der angekündigten Kündigung des Mietvertrages vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie schauen nunmehr einer ungewissen Zukunft entgegen. Ich begrüße die von der Belegschaft signalisierte Bereitschaft, für den Erhalt des Standortes und der Arbeitsplätze zu kämpfen und werde sie dabei aktiv unterstützen. Als erstes fordere ich den Vermieter auf, sich mit dem Konzern erneut in Gespräche zu begeben. Die Jagd nach immer höheren Mieteinnahmen darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden!“

Der Mitarbeiter-Brief an die Karstadt-Belegschaft. Repro: L-IZ

Der Mitarbeiter-Brief an die Karstadt-Belegschaft. Repro: L-IZ

Karstadt
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