Auch ein Jahr nach Fukushima: Klares Ja der Deutschen zur Energiewende und viel Kritik für deren (Nicht-)Umsetzung

Die Zustimmung zur Energiewende ist auch nach einem Jahr nach der Katastrofe von Fukushima noch ungebrochen. Das gilt gleichermaßen für die große Mehrheit der Bevölkerung wie der Unternehmen. Allerdings: Nur 25 Prozent der Bürger und 13 Prozent der Unternehmen sind zufrieden damit, wie die Bundesregierung die Energiewende einleitet. Das sind zwei zentrale Ergebnisse des "Deutschen Energie-Kompass 2012".
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Den hat der IG BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis am Donnerstag, 14. Juni, der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt. Dabei handelt es sich um Resultate einer repräsentativen Befragung durch TNS Infratest im Auftrag der IG BCE.

Mit dem „Deutschen Energie-Kompass 2012“ unterstützt die IG BCE die Zielsetzung, schrittweise aus der Kernenergie auszusteigen und langfristig eine Energieversorgung auf erneuerbarer Basis aufzubauen. Michael Vassiliadis: „Mit diesem breiten Meinungsbild der Bevölkerung und Unternehmen wollen wir nicht nur die aktuellen Einschätzungen zur Energiewende spiegeln, sondern zugleich eine politische Orientierung für die weitere Energiewende liefern.“ Es komme darauf an, ökonomische und technologische Machbarkeit mit gesellschaftlicher Akzeptanz zu verbinden.

So finden 66 Prozent der Bürger die Energiewende gut bis sehr gut, 61 Prozent der Unternehmen sind der gleichen Meinung.

Vassiliadis: „Die Menschen wollen eine andere Energieversorgung, aber sie sind in dieser bemerkenswerten Bereitschaft zum Wandel alles andere als blauäugig.“ Der Energie-Kompass 2012 zeige im Gegenteil ein hohes Maß an Realismus.

Am wichtigsten sind die Vermeidung ökologischer Belastungen für künftige Generationen, der Umwelt- und Gesundheitsschutz sowie die Förderung erneuerbarer Energien.

Aber 67 Prozent der Befragten versprechen sich von der Entwicklung neuer Technologien auch einen Innovationsschub für die deutschen Industrien. Was erstaunlich ist, denn diverse Wirtschaftsverbände halten es für erforderlich, eine sichere Energieversorgung der Industrien zu garantieren, unter anderem durch ein stabiles Stromnetz (54 Prozent).

88 Prozent der Unternehmen und eine ebensolche Mehrheit der Bevölkerung sehen in der energetischen Gebäudesanierung die wichtigste Innovation.

Die erneuerbaren Energien werden umso besser bewertet, je größer die Effizienz und Wirtschaftlichkeit sind. Wasserkraft liegt an der Spitze, gefolgt von der Windenergie, der Sonnenenergie, Erdwärme und Biomasse.

Zwar wollen 84 Prozent der Bevölkerung in den kommenden 20 Jahren aus der Kernenergie aussteigen, aber nur 14 Prozent wollen auf die Kohle ganz verzichten, 48 Prozent sprechen sich für einen sukzessiven Abbau, 35 Prozent für einen Ausbau aus.Die Bürger favorisieren zudem eine Erneuerung des Kraftwerkbestandes. Das hat Vorrang vor der Modernisierung alter Kraftwerke.

Michael Vassiliadis: „So entschieden die Bevölkerung und die Unternehmen die Energiewende wollen, so entschieden wollen sie eine vernünftige, realistische Umsetzung. Bevölkerung und Unternehmen sind da deutlich weiter als die Politik, und das schlägt sich auch in der Bewertung der Umsetzung nieder.“

Nur 25 Prozent der Bürger sind zufrieden damit, wie die Bundesregierung die Energiewende auf den Weg bringt.

Noch skeptischer urteilen die Unternehmen. Gerade einmal 13 Prozent finden die bisher ergriffenen Maßnahmen gut.

Einen Grund für diese kritische Bewertung sieht Vassiliadis darin, „dass die soziale Dimension der Energiewende von der Politik kaum thematisiert wird, obgleich sie für die Menschen von großer Bedeutung ist.“

So sind für je 72 Prozent der Befragten die Ziele „Gute Arbeitsplätze schaffen und sichern“ sowie den „CO2-Ausstoß zum Klimaschutz vermindern“ von gleichrangiger Bedeutung.

Kaum jemand hält noch etwas davon, mit weiter steigenden Verbraucherpreisen zusätzliche Anreize zum Energiesparen zu geben.

Für Bevölkerung und Unternehmen sind mehr Bildungsinvestitionen und der Abbau der Staatsverschuldung die wichtigsten Aufgaben der Zukunftssicherung. Die Energiewende kommt auf Platz drei – und mit 61 Prozent wird Bildung fast doppelt so häufig als wichtig bezeichnet wie die Energiewende mit 32 Prozent.

Vassiliadis: „Die Bundesregierung erklärt nach wie vor nicht, wie sie den offenkundigen Zielkonflikt lösen will: In Bildung investieren, die Staatsverschuldung abbauen und Milliarden für eine neue Energieversorgung ausgeben – und das alles gleichzeitig. Wer das nicht thematisiert und überzeugende Antworten gibt, der gefährdet mittelfristig die Akzeptanz des Zukunftsprojekts Energiewende.“

Der IG BCE-Vorsitzende forderte die Bundesregierung auf, aus der Energiewende ein Modernisierungs- und Gemeinschaftsprojekt zu machen, hinter dem sich unsere Gesellschaft versammeln könne. „An den Menschen und an den Unternehmen wird die Energiewende nicht scheitern, das ist die gute Nachricht“, so Vassiliadis. „Aber sie muss so gestaltet werden, dass sie Wettbewerbsfähigkeit und Planungssicherheit für die Unternehmen ermöglicht und mit der Schaffung und Sicherung guter Arbeit einher geht. Da bleibt für die Politik noch viel zu tun.“

www.igbce.de


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