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Leipziger Unternehmen bleiben optimistisch und wollen weiter Personal einstellen

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    Am Dienstag, 19. Januar, präsentierte die IHK zu Leipzig die neuesten Zahlen zum Lebensgefühl der Wirtschaft in der Region Leipzig. Immerhin werden die Unternehmen immer wieder mit einem leichten Bangen befragt: Lassen sie sich von internationalen Krisen beeindrucken? Lassen sie sich von der Landespolitik beeindrucken? Oder fährt der Zug weiter auf verlässlichen Gleisen?

    Und auch die Spezialisten der Kammer stellen fest: Was in deutschen Medien wie ein fortlaufendes Katastrophen-Szenario geschildert wird, beeindruckt die lokalen Geschäftsführer vielleicht. Aber nicht alle sind auch von den internationalen Märkten abhängig. Und auch in der Leipziger Region profitiert man von der für die Bundesrepublik insgesamt günstigen Wirtschaftslage.

    Und so wird die Leipziger Wirtschaftskammer sogar euphorisch: „Trotz zahlreicher geopolitischer Unsicherheiten und Flüchtlingskrise bleibt die Stimmung der gewerblichen Wirtschaft im IHK-Bezirk Leipzig weiter im Höhenflug. So beurteilt zum Jahresbeginn 2016 über die Hälfte der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage mit gut. Nur 7 Prozent sind unzufrieden. Der Saldo aus positiven und negativen Lagebeurteilungen steigt sowohl gegenüber der vorherigen Umfrage als auch gegenüber dem Vorjahresstand um 3 auf nunmehr +45 Punkte und markiert damit auch eine neue Bestmarke.“

    Teilgenommen haben an der Umfrage übrigens 641 Unternehmen mit ca. 45.000 Beschäftigten, also auch ziemlich viele größere. Was unter anderem dazu beiträgt, dass der Anteil der Unternehmen, die Außenhandel betreiben, mit 59 Prozent in dieser Umfrage sehr hoch ist. Aber die IHK ist ja auch geprägt durch tausende Klein- und Kleinstbetriebe – etwa aus dem Bereich der Dienstleistung. Und sie vertritt die verschiedensten Branchen.

    Und es gibt zumindest zwei Branchen, in denen eine gewisse Vorsicht spürbar wird, auch wenn sich fast alle darüber freuen, dass die Leute endlich mal ein bisschen mehr Geld in der Tasche haben: „Das gute Ergebnis basiert auf einem stabilen konjunkturellen Aufschwung, der vor allem vom Konsum getrieben wurde. Er war somit wichtigster Wachstumsmotor des vergangenen Jahres. Ausschlaggebend dafür waren wiederum positive Impulse sowohl durch höhere Einkommen infolge des Beschäftigungsanstiegs und Verdienstzuwächsen als auch durch Kaufkraftgewinne infolge niedrigerer Kraftstoff- bzw. Energiepreise“, schreibt die IHK. Der Mindestlohn gehört natürlich auch hierher – denn der bescherte zwar einigen Wirtschaftszweigen Mehrausgaben im Lohnsektor und damit steigende Preise, hat dafür anderen auch wieder höhere Umsätze beschert. Wirtschaft ist ein System, in dem sich permanent die Gewichte verschieben und sich alle Prozesse immer wieder neu abstimmen – zumindest, wenn das Geld am Fließen bleibt und nicht aus dem System abgepumpt wird.

    „Bis auf die Industrie und das Tourismusgewerbe können alle befragten Wirtschaftsbereiche auf bessere Lagebeurteilungen verweisen als vor einem Jahr. Im Einzel- und Großhandel sowie im Dienstleistungsgewerbe erreicht der Lagesaldo sogar neue Höchststände. Insgesamt dürfte das Wirtschaftswachstum 2015 etwa auf Vorjahresniveau liegen“, so die IHK.

    Dass die Industrieunternehmen vorsichtig sind, hat natürlich zwei Gründe – das eine ist natürlich ihre starke Exportabhängigkeit, das andere aber auch die Tatsache, dass 2015 bei den Umsätzen schon ein Spitzenjahr war. Wer sowieso schon von einem höheren Niveau kommt, schaut natürlich vorsichtiger in die Zukunft. Und im Tourismus gibt es ebenso zwei dämpfende Effekte. Das eine ist natürlich der Mindestlohn, der viele Gasthäuser, die zuvor mit Niedriglohnverhältnissen aller Art ganz gut gefahren sind und auch den Service massiv ausweiten konnten, zur Konsolidierung gezwungen hat. Aber auch das Phänomen der andauernden fremdenfeindlichen Demonstrationen in Sachsen spielt mittlerweile eine dämpfende Rolle. Dem Tourismus tut die immer wieder neue Sperrung ganzer Innenstadtbereiche gar nicht gut.

    Aber es sind – wie gesagt – nur zwei Facetten aus dem Gesamtbild, das in Leipzig vor allem durch Dienstleistungen aller Art geprägt wird – vom Mobilitätsdienstleister bis zum Architekten, von der sachte wachsenden IT-Branche bis zum Pflegewesen. Und auch hier gilt: Die meisten Unternehmen konnten 2015 ihre Umsätze steigern. Und: „Die Personalentwicklung verlief in vielen Unternehmen weiterhin positiv. So haben 23 Prozent der Firmen ihre Mitarbeiterzahl erhöht und nur 16 Prozent diese verringert. Der positive Saldo von +7 Punkten deutet auf insgesamt steigende Beschäftigungszahlen in der gewerblichen Wirtschaft hin, welche durch die amtlichen Beschäftigungszahlen der Bundesagentur für Arbeit bestätigt werden. Aufgrund der guten Konjunktur hatte selbst die Einführung des flächendeckenden Mindestlohnes keine beschäftigungshemmende Wirkung.“

    Was ja eigentlich eine stille Anerkennung ist für den Zeitpunkt, zu dem der Mindestlohn eingeführt wurde. Er war augenscheinlich genau der richtige.

    Und auch wenn die Unternehmer in der Region Leipzig deutlich skeptischer sind als etwa die Industriemanager der östlichen Bundesländer, die das IWH gerade befragt hat, gilt auch hier für das Jahr 2016: Man schaut zwar mit gerunzelter Stirn ins Jahr, hält die Sache aber für machbar.

    Oder mit den Worten der IHK-Kurzauswertung: „Die Geschäftserwartungen der Unternehmen bleiben auch für das Jahr 2016 ausgesprochen zuversichtlich. Zwei Drittel der Firmen rechnen mit einer gleichbleibenden Geschäftslage auf aktuellem Niveau. 23 Prozent der Unternehmen blicken optimistisch und jede zehnte Firma pessimistisch in die Zukunft. Der Saldo von +13 Punkten ist damit nur unwesentlich niedriger als im vergangenen Herbst, aber fast doppelt so hoch wie zum Jahresbeginn 2015.“

    Mit Sorge schaut man aber trotzdem auf den Außenhandel, denn da verdient auch die um Leipzig ansässige Industrie einen Großteil ihres Geldes: „Einzig in der Industrie haben sich die Geschäftsaussichten eingetrübt. Vor allem die unsichere wirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer – allen voran China – dürfte die zurückhaltenden Prognosen zum Teil erklären, obwohl sich die Exporterwartungen aufgrund der wirtschaftlichen Fortschritte in der Eurozone langsam aufhellen. Ebenso bleiben die Aktivitäten auf den für einige Unternehmen wichtigen russischen Markt weiterhin begrenzt.“

    Da wünschte man sich eigentlich so langsam eine echte, gemeinsame Wirtschafts- und Finanzpolitik für die EU. Zeit wäre es. Vielleicht sogar der beste Augenblick, das Ruder herumzureißen und Europa auch für die wirtschaftlich schwächeren Staaten als gemeinsames Wirtschaftsprojekt zu entwickeln, der über das bisherige Gießkannen-Fördern und den Euro deutlich hinausgeht.

    In der Sorgenliste der befragten Unternehmer taucht Europa nicht auf – was verblüfft. Was aber vielleicht auch zeigt, wie schnell die Sorgen von gestern vergessen sind, wenn die Sorgen von heute die ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen.

    Die außenpolitischen Risiken führen im Januar 2016 das Ranking der geschäftlichen Unternehmensrisiken nicht an. Da stehen andere Sorgen, die die meisten Unternehmer der Region wesentlich direkter betreffen – und wohl auch im täglichen Tagesgeschäft.

    Die Reihenfolge:

    – Arbeitskosten
    – Inlandsnachfrage
    – wirtschaftliche Rahmenbedingungen
    – Fachkräftemangel
    – und erst danach die Entwicklung der Energie-, Rohstoff- und Kraftstoffpreise

    Und obwohl manches Unternehmen schon Schwierigkeiten hat, Nachwuchs zu gewinnen, sieht die IHK zu Leipzig die Zeichen für 2016 auf „Freie Fahrt“: „Sollten die Unternehmen ihre Planungen umsetzen, was in Anbetracht der immer schwieriger werdenden Fachkräftegewinnung nicht einfacher wird, ist 2016 mit einem weiteren Beschäftigungsaufbau im gewerblichen Sektor zu rechnen.“

    Die Kurzauswertung zum Jahresauftakt.

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