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Bauern lösen sich in Luft auf, marginal Beschäftigte schwinden, Dienstleistungsbranche wächst

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    Wirtschaft ist ganz augenscheinlich mehr als nur Export. Oder Industrie. Wirtschaft ist zu einem großen Teil Dienst am Menschen. Was derzeit auch in Sachsen wieder zu erleben ist. Es ist der große Bereich der Dienstleistungen, der auch im Frühjahr 2017 zum weiteren Wachstum der Erwerbstätigenzahl beitrug. So meldet es das Statistische Landesamt am 27. Juni.

     

    Um 1 Prozent bzw. knapp 21.000 Personen erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen in Sachsen im ersten Quartal des Jahres 2017 im Vergleich zum Vorjahresquartal, meldet das Statistikamt. Und weist auf einen Umstand hin, der die sächsische Arbeitsmarktentwicklung seit drei Jahren begleitet: Parallel zum Aufbau der Beschäftigung schmelzen die marginalen Beschäftigungsverhältnisse weiter ab.

    Was übrigens die Gesamtwachstumsrate in Sachsen dämpft.

    Mathematik kann manchmal ganz fröhlich sein.

    Dem deutlichen Anstieg der Zahl der Arbeitnehmer ohne marginal Beschäftigte stand, so die Statistiker, ein Abbau bei der marginalen Beschäftigung gegenüber. Und auch die Zahl der Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen ging um 0,4 Prozent zurück.

    Was im Klartext heißt: Vor allem marginal Beschäftigte und vormals Selbstständige profitieren von der nachhaltend hohen Arbeitskräftenachfrage. Sie wechseln aus einem prekären Erwerbsverhältnis in ein deutlich sichereres als Angestellte. Zwei Arbeitsmarktreservoire schmelzen weiter ab.

    Und zwar fast ausschließlich für die wachsende Zahl an Dienstleistungsjobs.

    In der Mitteilung des Statistischen Landesamtes: „Die Wachstumsimpulse in Sachsen kamen ausschließlich aus den Dienstleistungsbereichen. Hier erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen um 1,5 Prozent bzw. rund 22.000 Personen. Innerhalb des gesamten Dienstleistungssektors trug insbesondere der Bereich Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung und Gesundheit mit einem Plus von 1,9 Prozent bzw. fast 12.000 Personen zu der positiven Entwicklung bei.“

    Hier findet man unter anderem den wachsenden Bereich der Pflegedienste, aber auch die wachsende Zahl von Betreuern im Kita-Bereich.

    „Der Bereich Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation verzeichnete einen Zuwachs um 1,4 Prozent bzw. knapp 7.000 Erwerbstätige und der Bereich Grundstücks- und  Wohnungswesen, Finanz- und Unternehmensdienstleister erhöhte sich um ein Prozent bzw. rund 3.400 Personen“, zählen die Statistiker weiter auf.

    Aber ein Wirtschaftsbereich baut weiter ab – und der sächsischen Regierung fällt dazu kein Mittel ein. Und das ist nicht der Bergbau, sondern die Landwirtschaft: „Im Gegensatz dazu verbuchte die Land- und Forstwirtschaft, Fischerei einen Rückgang bei der Erwerbstätigkeit um 4,4 Prozent. Im gesamten Produzierenden Gewerbe waren die Erwerbstätigenzahlen im Vergleich zum ersten Quartal 2016 nahezu unverändert.“

    Der Vergleich mit anderen Bundesländern hinkt natürlich.

    Das Landesamt für Statistik: „Deutschlandweit stieg die Erwerbstätigenzahl im ersten Quartal 2017 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 1,5 Prozent. Dabei erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen in den alten Ländern (ohne Berlin) ebenfalls um 1,5 Prozent und in den fünf neuen Ländern mit 1 Prozent Zuwachs etwas verhaltener. Berlin lag mit 2,9 Prozent Anstieg an der Spitze der Länder.“

    Wobei man hier berücksichtigen muss, dass der Osten im Allgemeinen und Sachsen ganz im Speziellen über mehr als ein Jahrzehnt Hochburg der marginalen Beschäftigung war. Das muss man gerade im derzeitigen Bundestagswahlkampf immer wieder betonen. Viele Sachsen haben erst in den letzten drei Jahren überhaupt die Chance bekommen, einen einigermaßen gut bezahlten Arbeitsplatz zu bekommen. Was noch nicht heißt, dass die Mehrzahl der Arbeitsplätze gut bezahlt ist. Ist sie nämlich nicht. Im Osten wird also das prekäre Beschäftigungsreservoir abgeschmolzen, das es in dieser Größenordnung im Westen nie gab.

    Unter der auch von der sächsischen Regierung lange favorisierten Niedriglohnpolitik haben lange Zeit gerade Jobs in der Dienstleistungsbranche gelitten. Aber diese Politik hat auch dazu geführt, dass die Geldflüsse im Land stockten, worunter dann auch viele Selbstständige und Kleinunternehmer litten. Beide Gruppen wechseln derzeit sichtlich lieber in eine Festanstellung, was so nebenbei ein Problem auf die Tagesordnung bringt, das sächsische Wirtschaftsminister selten mit ihrer Art Arbeitsmarktpolitik verbinden: Sachsen gehen die Unternehmer aus.

    Die komplette Meldung des Landesamtes für Statistik.

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