170 Millionen Fahrgäste: Wie die LVB ihr Ziel „25 Prozent“ schaffen wollen

Das Ziel ist klar: 25 Prozent aller Wege wollen die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) künftig fahren für die Leipziger. Das ist auch Teil der neuen Verkehrsstrategien der Stadt: Der Anteil des Umweltverbundes (ÖPNV, Fußwege, Radfahrten) soll von derzeit 60 auf 70 Prozent gesteigert werden. Entsprechend soll der Anteil des Autoverkehrs sinken. Also müssen Autofahrer zum Umsteigen animiert werden. Das könnte klappen, meint Ulf Middelberg, kaufmännischer Geschäftsführer der LVB.
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Fürs Technische ist eigentlich sein Geschäftsführerkollege Ronald Juhrs zuständig. Aber ohne Geld geht der Umbau natürlich nicht. Und um Geld dreht sich alles. Geld war Thema bei der jüngsten Bilanzpressekonferenz der Stadtholding LVV. Die ist auch Muttergesellschaft der LVB. Die Gewinne aus Wasser und Strom dienen dazu, den ÖPNV in Leipzig zu finanzieren. 2010 noch mit 50 Millionen Euro, 2011 erstmals mit 48 Millionen Euro. Ab 2012 will Middelberg es schaffen, dass die LVB mit 45 Millionen Euro Zuschuss auskommen. Dazu wird nicht nur „jeder Euro im Unternehmen vier Mal umgedreht“. Dazu müssen auch Fahrgastzahlen und Einnahmen steigen. Was sie auch tun. Von 2007 bis 2011 stiegen die Fahrgastzahlen von 124,1 auf 134,1 Millionen, die Einnahmen über Ticketerlöse von 62,8 auf 73,8 Millionen. Was auch mit gestiegenen Ticketpreisen zu tun hat.

Denn einen Teil ihrer Mehrkosten geben die LVB jedes Jahr über die Ticketpreise weiter an die Fahrgäste: die gestiegenen Energiepreise. „Aber bei dem Standard, den wir bieten, können wir auch einfach keine Billigheimer sein“, sagte Ulf Middelberg, als die LVB noch zu einer extra Jahreskonferenz einluden. Bei der großen Bilanzpressekonferenz der LVV geht das große Ganze ein wenig unter.

Denn der starke Stadtbahn-Ausbau, den die LVB in den letzten Jahren betrieben haben, und die sichtbare Erneuerung des Fuhrparks mit XXL-Straßenbahnen (33 Stück) und Hybridbussen (19 Stück) haben natürlich ihre Grenzen. Wieviel kann man im Netz noch beschleunigen, damit die Straßenbahn für noch mehr Autofahrer attraktiv wird? Wieviele neue Fahrzeuge muss man noch kaufen, damit man nicht – wie Middelberg es formuliert – „wie die Japaner mit weißen Handschuhen dastehen muss, um die Leute in die Bahn zu drücken“?

Zumindest ist absehbar, dass man diese Möglichkeiten in ein paar Jahren ausgereizt hat. Aber bedeutet das dann weitere 10 Millionen Fahrgäste mehr? Oder nur 5 Millionen? – 25 Prozent bedeuten tatsächlich: über 170 Millionen Fahrgäste im Jahr.Und das vor einer trüben Kulisse: Die Fördergelder werden rarer. Seit Mitte der 1990er Jahre haben die LVB 150 Millionen Euro für neue Fahrzeuge ausgegeben. Da galt mal das Jahr 2012 als dasjenige, in dem die letzte Tatra-Straßenbahn durch Leipzig rollen sollte. Zwischenzeitlich war vom Jahr 2015 die Rede. „Jetzt haben wir uns den Zeitraum von 2015 bis 2017/18 als Ziel gesetzt“, sagt Ronald Juhrs. „Aber nageln Sie uns darauf bitte nicht fest. Wir wissen nicht, ob wir die benötigten Gelder bis dahin kriegen.“

Denn um die restlichen 120 Tatra-Bahnen, die noch durch Leipzigs Schienennetz rumpeln, zu ersetzen, kalkulieren die LVB mit weiteren 120 Millionen Euro. Da das jüngste Beschaffungsprogramm gerade ausgelaufen ist, haben sie das Jahr 2012 zur Auszeit erklärt, zum Jahr des Nachdenkens darüber, welche Art Fahrzeuge man am besten bestellen kann, um damit möglichst viele Fahrgäste für die LVB zu gewinnen.

Es bleibt kein Jahr ohne Investitionen. Denn auch Gleise und Haltestellen müssen erneuert werden. Wie langsam es werden kann, wenn Gleise erst einmal verschlissen sind, kann jeder, der will, bis 2013 in der Karl-Liebknecht-Straße erleben. Also gibt es auch 2012 mehrere Großbaustellen. „Das lässt sich leider nicht vermeiden, wenn wir die Gleise erhalten wollen“, sagt Ronald Juhrs.

In der Lützner Straße, die tatsächlich komplett umgebaut wird, erleben es die Passanten seit 2011. In den Sommerferien wird es hier auch für die Straßenbahn noch richtige Vollsperrungen geben.Überhaupt sollten Autofahrer, die auf ihr Gefährt einfach nicht verzichten wollen, die Sommerferien besser auf der Route 66 verbringen. Es bleibt nicht bei Sperrungen in der Lützner Straße. Gebaut wird jetzt schon in der Delitzscher Straße, die Käthe-Kollwitz-Straße folgt. Hier wird ein ganzer Streckenabschnitt zwischen Gottschedstraße und Dittrichring umgebaut – mit der schon seit Jahren geforderten behindertengerechten Haltestelle. Und richtig heftig wird der Umbau der Kreuzung Tröndlinring / Gerberstraße / Hallisches Tor. „Hier wollen wir auf keinen Fall warten, bis die Höfe am Brühl erst eröffnet haben“, sagt Juhrs.

Im Herbst wird dann auch noch in der Holzhäuser Straße gebaut.

Noch 2012 werden auch die ersten neuen Diesel-Gelenkbusse ankommen. Sie ersetzen die 16, 17 Jahre alten Diesel-Busse der LVB. Juhrs: „Danach kommen die Silberpfeile an die Reihe.“ Die wurden 2000 im Zuge der EXPO angeschafft. Insgesamt 45 neue Gelenk-Busse haben die LVB geordert, nachdem sie die Angebote von drei Bietern genauer geprüft haben.

Vom neuen Tarifmodell, das im August eingeführt wird, erhofft sich Middelberg auch wieder neuen Zuspruch der Fahrgäste. Gerade die Auswahl an individuellen Tarifen könnte den Zuspruch bringen. „Was es genau bringt, wissen wir natürlich noch nicht“, sagt er. Sieht aber die Fahrgastzahlen auch nach dem ersten Halbjahr 2012 schon weiter im Aufwärtstrend. „Und unsere Einnahmen werden wir wohl um 5 Millionen Euro steigern können“, sagt er.

Um die anvisierten 25 Prozent zu erreichen, muss freilich noch mehr geschehen. So ein wenig fassen das die LVB unter dem Schlagwort „integrierter Mobilitätsdienstleister“ zusammen.

„Was die Netzkapazität betrifft, sind wir gut aufgestellt“, sagt Ulf Middelberg. Immerhin betreiben die LVB das zweitgrößte Straßenbahnnetz Deutschlands. Die Wirkungen der Busnetzreform von 2010 müssen sich erst noch entfalten, fügt Ronald Juhrs bei. Wenn es eine Zukunftsaufgabe gibt, dann beträfe die eher die Optimierung der Netze, die Schaffung lukrativer Umsteigepunkte – auch zum neuen S-Bahn-Netz – und die Überprüfung der Haltestellen-Abstände. Es könnte durchaus sinnvoll sein, so wie am künftigen „Münzplatz“, auch an anderer Stelle die Abstände zu verkürzen.

Aber das seien alles noch Überlegungen, an denen man arbeite. „Wir werden damit an die Öffentlichkeit gehen, wenn die Finanzierung gesichert ist“, sagt Middelberg. „Sonst wecken wir Erwartungen, die wir nicht halten können.“

Was dann auch für die Erneuerung des Fahrzeugparks gilt. „ÖPNV muss mit öffentlichen Geldern finanziert werden“, sagt Middelberg. Doch die Luft würde dünner, die Decke kürzer.

Im Geschäftsjahr 2011 investierten die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH 44,9 Millionen Euro. 2012 werden es zwischen 65 und 70 Millionen sein.

www.lvb.de


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