Aktion „Ticket Teilen“ bei den LVB & MDV: Eine soziale Bewegung im ÖPNV in Leipzig

Es war fast absehbar. Im März 2016 eröffnete der MDV die neue Preisspirale im Leipziger ÖPNV. Die Preise rauf, vor allem bei den Monatstickets und den Jahresabonnements – die Empörung in Leipzig ist seit Jahren deutlich hörbar. Doch nach dem Abo-Flex-Angebot haben die Leipziger Verkehrsbetriebe eine von Berlin abgeschaute Idee, wie sie die hohen Belastungen bei der Benutzung der Leipziger Bahnen und Busse gerade für sozial Schwache senken können. In Vorbereitung ist eine Aktion namens „Ticket-Teilen“. Besitzer von Monatskarten sollen animiert werden, gezielt zum „Mitfahren“ von ärmeren Leipzigern einzuladen.
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In einer Pressemitteilung vom 30. März 2016 fanden Ulf Middelberg, Geschäftsführer „Leipziger Verkehrsbetriebe“ (LVB) und Steffen Lehmann, Geschäftsführer „Mitteldeutscher Verkehrsverbund“ (MDV) erstmals nach Jahren der Preiserhöhungen deutliche Worte: „Es kann nicht sein, dass Menschen, welche im Hartz IV – Regelsatz rund 25 Euro für Mobilität zur Verfügung haben, in Leipzig mittlerweile 29,50 Euro für eine Monatskarte zahlen sollen. Auch die anderen Monatskartenpreise sind erneut gestiegen, da das Land Sachsen die Zuschüsse für den öffentlichen Nahverkehr seit Jahren ebenso eingefroren haben, wie die Stadt Leipzig. Es ist blamabel zu sehen, wie hier die täglichen Nutzer von Bus und Bahn in Haftung, ja fast wie Geiseln, für eine seit Jahren ständig neu vertagte politische Lösung genommen werden!“

Man habe nach der letzten Sitzung im Gremium des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes deshalb über die erneuten Preiserhöhungen ab 1. August 2016 um rund 3 bis 4 Prozent hinaus beschlossen, die Möglichkeiten der Dauerkartenbesitzer in Leipzig deutlicher zu betonen.

„Ab spätestens 17 Uhr können Monatskartenbesitzer jemanden mitfahren lassen. Um diese Möglichkeit zu betonen, werden wir im ersten Schritt 50.000 Buttons drucken lassen, mit welchen Monatskartenbesitzer sich, wenn sie wollen, kenntlich machen, damit jemand sieht, dass er jetzt ohne selbst zu bezahlen unsere Angebote nutzen kann.“, so Middelberg. Über eine Ausdehnung der Zeiten für Mitfahrten berate man noch innehalb des MDV, „wir Leipziger streben hier eine ganztägige Variante an, da die Vollzahler mit 71 Euro im Monat so besser auch direkte Absprachen für den Arbeitsweg mit Mitfahrern treffen können.“ Auch an den Kartenautomaten und innerhalb der LVB-App werden spätestens ab dem 1. August Aufkleber und spezielle Hinweise an- und eingebracht, welche auf die Mitnahmemöglichkeiten hinweisen. „Das werden wir auf den Smartphones sogar minütlich mit Pushnachrichten realisieren.“

Middelberg könne sich zwar angesichts seiner jährlichen Vergütung oberhalb von rund 250.000 Euro zwar nicht vorstellen, wie jemand kein Geld für eine Bahnfahrt in Leipzig habe, aber die Berliner Idee wolle er sich lieber angesichts der erneuten Preisspirale zu eigen machen. Und mit weiteren Innovationen unterlegen.

Denn immerhin könne man so wahrscheinlich auch die Anzahl der Schwarzfahrten verringern. Neben Geringverdiener in Leipzig träfe dies auch zunehmend auf Flüchtlinge zu. Weshalb auch englische und arabische Hinweise geplant seien. „Hier können wir auch die Kontrolleure positiv einsetzen. Statt Kontrolle werden sie die Aufgabe erhalten, Menschen auf die Möglichkeiten unserer Abo-Preise hinzuweisen.“ so Steffen Lehmann vom MDV, auch mit Blick auf Halle, Dresden und Jena.

Zwar löst dies das grundsätzliche Problem der fehlenden ÖPNV-Finanzierung in Leipzig, Sachsen und Mitteldeutschland noch nicht, ist jedoch eine weitere kreative Initiative der Leipziger Verkehrsmanager in rauen Zeiten. Middelberg abschließend dazu: „Nur Preise erhöhen geht gar nicht. Wir müssen den Leipzigern endlich kreative Ideen anbieten.“

Wenn nicht der 1. April wäre.

Berliner teilen Tickets
www.ticketteilen.org

Hier eine weitere Leipziger Podiumsdebatte am 7. April, wahrscheinlich ohne Ergebnis (auf L-IZ.de), bei welcher besprochen wird, was alles nicht geht.
Zukunft des Nahverkehrs in Leipzig

ÖPNVLVBApril
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