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Warum sind noch immer Leipziger S-Bahn-Stationen ohne Fahrradabstellanlage?

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    Ein großes Thema beim Bau der Stationen für das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz war von Anfang an die Verknüpfung mit den anderen Verkehrsträgern – mit Bus, Straßenbahn, aber auch Fahrrad. Aber mit Fahrrad ist das so ein Problem, stellte Johannes Schmidt in einer Einwohneranfrage an die Verwaltung fest: Wer das Rad nicht mit in die (überfüllte) S-Bahn nehmen möchte, findet manchmal keine Abstellmöglichkeit. Was ist da schiefgelaufen?

    Ihn hat besonders verstört, als die Deutsche Bahn im August bekanntgab, dass es für die S-Bahnen insbesondere zwischen Halle und Leipzig Obergrenzen für die Fahrradmitnahme gibt und Zugbegleiter auch dafür sorgen sollen, dass die Grenze eingehalten wird.

    „Per Mitteilung gab die Deutsche Bahn Anfang August bekannt, dass es für die S-Bahnen nun konkrete Obergrenzen bei der Fahrradmitnahme gibt. Bereits vorher gab es keinen Anspruch auf Beförderung eines Fahrrads, wenn dadurch Fluchtwege nicht mehr die nötige Breite gehabt hätten. Dies führte zu Verspätungen und im Extremfall zur Zugräumung. Einige Züge fahren zudem bei Fahrzeugmangel nur in Einfach- statt Doppeltraktion“, stellte er fest.

    „Seit fast 14 Jahren (Dezember 2004) fahren S-Bahnen zwischen Leipzig und Halle, seit fast 5 Jahren (Dezember 2013) ist der Citytunnel eröffnet. Bereits im Nahverkehrsplan 2008 des Zweckverbands für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) wurden für die Station Wahren 86 fehlende B+R-Stellplätze als vordringlicher Bedarf sowie für die Station Slevogtstraße 21 fehlende B+R-Stellplätze genannt. Mittlerweile hat sich zudem das Gebiet um die Olbrichtstraße zu einem Wohnstandort entwickelt.“

    Aber warum wurden diese Stellplätze nicht einfach 2014 eingerichtet? Was lief da falsch?

    „Wieso gibt es gerade an den S-Bahnhöfen Wahren, Slevogtstraße und Olbrichtstraße der besonders stark belasteten S-Bahn-Linie S3 (Leipzig-Halle über Schkeuditz) keinen einzigen Fahrradständer? Gibt es bereits konkrete Planungen oder Zeithorizonte, wann diese gebaut werden sollen?“, fragte er.

    Und das Dezernat Stadtentwicklung und Bau hat nun geantwortet: „Für die drei genannten S-Bahn-Stationen wurden 2004 mit der Eröffnung der S-Bahn-Strecke auch B+R-Anlagen geplant. Die Realisierung scheiterte an allen drei Stationen am fehlenden Grunderwerb. Erfahrungsgemäß werden von Radfahrern nur geringe Umwege bei der Nutzung einer B+R-Anlage akzeptiert, weshalb nur wenige Flächen dafür infrage kommen.

    All diese Flächen waren zum damaligen Zeitpunkt vonseiten der Deutschen Bahn nicht entbehrlich. In Gesprächen mit der DB konnte inzwischen erreicht werden, dass zumindest am Bahnhof Wahren nunmehr Flächen zur Verfügung stehen. Hier ist eine Aktualisierung der Planung im nächsten Jahr geplant, sodass dann möglichst in 2020 eine Realisierung der B+R-Anlage erfolgt.“

    Das Thema hört ja nicht nur mit der S-Bahn im Norden auf. Es betrifft dutzende Umsteigepunkte in der Stadt, wo man sein Fahrrad eigentlich gern sicher anschließen möchte.

    Wir arbeiten dran, verspricht das Planungsdezernat: „Die Stadt Leipzig baut seit vielen Jahren das System der Bike & Ride-Anlagen aus. Aktuell befinden sich an ca. 50 Haltestellen solche Anlagen, die auch in 2019 und 2020 erweitert werden sollen. Außerdem ist vorgesehen, an ausgewählten Standorten Schließanlagen zu errichten, damit die Fahrräder sicherer abgestellt werden können.“

    Denn geklaut werden ja Fahrräder in Leipzig auch nur allzu gern. 2017 war Leipzig ja sogar „Hauptstadt des Fahrradklaus in Deutschland“.

    Logisch, dass mancher da sein Rad lieber mit in die S-Bahn nimmt. Da machte die Meldung zur Obergrenze dann natürlich Ärger. Die Bahn hat das Thema der Fahrradmitnahme im S-Bahn-Verkehr jedenfalls deutlich unterschätzt.

    „Wurde die Stadt in die Entscheidungsfindung der Deutschen Bahn einbezogen und vorher informiert? Welche Alternativen wurden betrachtet und evtl. verworfen?“, hatte Johannes Schmidt deshalb auch gefragt.

    „Nein, eine Abstimmung mit der Stadt Leipzig fand dazu nicht statt“, so das Planungsdezernat.

    Eine Muntermacher-LZ Nr. 61 für aufmerksame Zeitgenossen

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      1 KOMMENTAR

      1. Da hat sich nun eine nachhaltige Verkehrsweise entwickelt, die auszubauen und zu nutzen kein Zuständiger sehen oder forcieren will!? Statt mit dem Auto größere Strecken zurückzulegen, fahren viele nun mit dem Rad zur S-Bahn, dann ab Zielbahnhof weiter mit dem Zweirad. Jeder sollte dankbar sein, dass diese eingesparten Verkehrsteilnehmer zumindest die Straßen nicht zusätzlich verstopfen:

        Auf diesen Zug müsste man mit Energie aufspringen!

        Außer dem Bereithalten von Fahrradbügeln an Haltestellen könnte man auch für S-Bahnen Abteile / Wagen entwickeln, in denen wesentlich mehr Räder transportiert werden können (für Autos gab / gibt’s das ja auch); die jetzigen Möglichkeiten grenzen ja schon fast an „Alibi-Plätze“. (Und ‚entwickeln‘ ist hoch gegriffen – 4 Klappsitze und 4 Stellplätze daneben, und das je nach Fahrzeuglänge kopieren.)

        Deutschland stellt sich in den Medien immer so hochentwickelt, technologisiert und „weit voraus“ dar, aber an solch einfachen Beispielen wird grandios versagt. Oder muss man erst mit dem IoT winken, um zu sehen, wie viel Fahrradplätze in einer S-Bahn frei sind? Bei solchem Firlefanz kommen dann wahrscheinlich ein paar Neunmalkluge aus dem Nichts und wollen die S-Bahn neu erfinden…

        „Normal“ geht heutzutage nicht mehr.

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