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Ökolöwe schreibt an Baubürgermeisterin: Schaffen Sie Platz für Radfahrer/-innen!

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    Nicht nur der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) sieht die Folgen der Ausgangsbeschränkungen in der Covid-19-Pandemie als Chance, im Leipziger Straßenverkehr endlich ein paar Verbesserungen durchzuführen, die im vorherigen Gedränge einfach nicht durchzusetzen waren. Der ADFC bekommt jetzt Schützenhilfe vom Leipziger Ökolöwen: Schaffen Sie mehr Platz zur Kontaktvermeidung auf Rad- und Fußwegen, Frau Bürgermeisterin!

    Am Freitag, 27. März, hat Tino Supplies, Fachbereichsleiter für Nachhaltige Mobilität & Stadtentwicklung beim Ökolöwen, deshalb einen Brief an Leipzigs Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau geschrieben. Denn auch beim Ökolöwen hat man registriert, was in den vergangen zehn Tagen auf Leipzigs Straßen passiert ist: Es sind deutlich weniger Menschen mit dem Auto unterwegs, da ja viele nun im Homeoffice arbeiten müssen, andererseits auch viele Fahrtziele wie Konzerte, Gaststätten, Einkaufspassagen, Rathäuser, Theater und Sportstadien geschlossen sind.

    Auch die Leipziger Verkehrsbetriebe sind seit dem 23. März im täglichen „Sonntagsfahrplan“, weil einerseits deutlich weniger Fahrgäste zur Arbeit oder zur Schule müssen. Andererseits kann man so auch das Personal ein wenig schützen.

    Und unübersehbar haben viele Leipziger/-innen die Empfehlung ernst genommen und legen ihre notwendigen Wege jetzt mit dem Fahrrad zurück, wo man normalerweise nicht mit anderen Menschen in engen Kontakt kommt. Das denkt man zumindest, bis man an all den Leipziger Kreuzungen im Pulk an der Ampel landet oder auf engen Radwegen mit vielen anderen versucht, durch die Stadt zu kommen.

    Dann merkt man erst richtig, dass die vollmundigen Versprechen der Stadt von 2010, den Radverkehr endlich sicherer und komfortabler zu machen, nicht erfüllt wurden. Die Stadt Leipzig hat weiter Verkehrspolitik für Autofahrer gemacht. Das Radwegenetz ist an vielen Stellen hochproblematisch und meist viel zu eng.

    Und es droht, noch jahrelang so zu bleiben. Erst im Sommer soll – wenn der Termin gehalten wird – endlich die seit 2016 überfällige Radnetzplanung vorgestellt werden.

    Gerade die Veränderungen durch die Corona-Krise zeigen, dass es ausgerechnet umweltfreundliche Verkehrsarten wie der Radverkehr sind, die gerade bei einem Runterfahren der Wirtschaft das Leben in Gang halten, ohne andere zu gefährden.

    Welche Rolle „social distancing“ auch im Radverkehr spielt, hat der Ökolöwe auf seiner Homepage noch einmal gebündelt aufbereitet.

    „Kontakt zu vermeiden (Physical Distancing) ist das Gebot der Stunde“, betont er dort. „Der Autoverkehr hat wegen des eingeschränkten öffentlichen Lebens deutlich abgenommen. Mediziner wie Behörden empfehlen, das Fahrrad für unsere notwendigen Wege zu nutzen. Das führt im Moment in vielen Straßen zu einer bizarren Situation: Während auf den Autospuren oft gähnende Leere herrscht, ist auf den Fuß- und Radwegen nicht genug Platz, um den notwendigen Abstand von 1,5 bis 2 Metern zu anderen Menschen einhalten zu können. Beim Spazieren, beim Joggen oder auf dem Weg zum Einkaufen kommen sich viele Menschen dann zwangsläufig zu nahe. Vor vielen Supermärkten bilden sich wegen der Einlassbeschränkungen oft lange Schlangen auf den Gehwegen davor.“

    Und während Städte wie Berlin die Chance nutzen, Fahrspuren für den Radverkehr freizuschlagen, passiert in Leipzig noch nichts.

    Handeln Sie jetzt, hätte Tino Supplies auch über seinen Brief an die auch für die Verkehrsplanung zuständige Bürgermeisterin Dorothee Dubrau schreiben können.

    Hier ist er:

    Sehr geehrte Frau Dubrau,

    aktuell ist Kontakt vermeiden (Physical Distancing) das Gebot der Stunde. Der Autoverkehr hat wegen des eingeschränkten öffentlichen Lebens deutlich abgenommen. Während auf den Autospuren aktuell oft Leere herrscht, ist auf vielen Fuß- und Radwegen nicht genug Platz, um den notwendigen Abstand von 1,5 bis 2 Metern zu anderen Menschen einhalten zu können. Beim Spazieren, Einkaufen oder Joggen kommen sich viele Menschen dann zwangsläufig zu nahe.

    Verschärft wird die Enge auf den Fußwegen durch Warteschlangen vor Geschäften, die lobenswerterweise nur eine begrenzte Anzahl an Menschen in das Ladenlokal lassen. „Physical Distancing“ – weltweit teilen Städte in der Corona-Krise den Straßenraum neu auf. In Berlin hat die Verwaltung schnell reagiert und an besonders hochfrequentierten Stellen im Eiltempo neue Radwege markiert, damit Radfahrer/-innen nicht auf den Fußweg ausweichen und es dort zu Gedränge kommt. Dresden hat ähnliche Schritte angekündigt. In Vancouver und Toronto dürfen Fußgänger/-innen auf die Wohngebietsstraßen ausweichen. Dies wäre auch in Leipzig eine Möglichkeit, um innerhalb von Tempo-30-Zonen die Kontaktintensität zu entzerren.

    Der Ökolöwe fordert Sie dringend auf, diese beiden Ansätze auch in Leipzig sofort umzusetzen. Es ist geboten, jetzt zu handeln.

    Mit freundlichen Grüßen
    Tino Supplies

    ADFC Sachsen fordert provisorische Radwege auf Hauptverkehrsachsen

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    2 KOMMENTARE

    1. Diese 70m kann ich gern befürworten.
      Es ist jedes Mal ein Mordsärgernis, wenn Autos auf den Radstreifen stehen.
      Jene Experten, die zum Geldabheben unbedingt mit dem Auto fahren müssen!
      Gibt’s in der Johannisallee (Commerzbank) auch oft zu bestaunen.

      Das Foto ist aber aus dem Herzen Anger-Crottendorfs…!

    2. Ach die Stadtverwaltung.
      Es sind auch schon viele gespannt, wie dieser Antrag für 70m sicheren Radweg wieder wegmoderiert wird. https://ratsinfo.leipzig.de/bi/vo020.asp?VOLFDNR=1015826

      „In Vancouver und Toronto dürfen Fußgänger/-innen auf die Wohngebietsstraßen ausweichen.“
      Das ist doch in Leipzig gang und gäbe – allerdings keine Darf- sondern eine Muss-Entscheidung.

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