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Befragung der TU Dresden zur Mobilität: Immer mehr Leipziger laufen oder nutzen das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel

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    Eigentlich war die ganze Auswertung zur Leipziger Verkehrsbefragung 2018 schon vor einem Jahr fertig. Aber irgendwie dauert es immer ganz schön lange, bis sich auch Ämter und Verkehrsunternehmen damit beschäftigt haben. Jetzt sind die Ergebnisse endlich auch auf der Homepage der Stadt Leipzig nachzulesen. Das Kurzfazit: „Immer mehr Leipzigerinnen und Leipziger legen ihre täglichen Wege zu Fuß, mit dem Rad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln zurück und stärken so den Umweltverbund.“

    So liest es auch das Leipziger Verkehrsdezernat aus der Befragung der TU Dresden zur „Mobilität in den Städten – SrV 2018“ heraus, deren Ergebnisse auf der Website der Stadt jetzt nachzulesen sind.

    „Die ausgewerteten Daten geben wichtige Hinweise auf das Mobilitätsverhalten der Leipziger Bevölkerung und helfen zu erkennen, wie sich das Verkehrsverhalten der Bewohner unter Maßgabe aktueller Entwicklungen im Stadtgebiet entwickelt bzw. ändert“, sagt Leipzigs Baubürgermeister Thomas Dienberg.

    „Mit den Erkenntnissen ist es möglich, bestehende Beschlüsse und Zielstellungen auf ihre Umsetzbarkeit hin zu überprüfen und Entwicklungen nachzuvollziehen. Außerdem bietet die Befragung gute Möglichkeiten, um direkte Vergleiche mit anderen, vergleichbaren Städten bzw. Stadtstrukturen zu ziehen, um die eigene verkehrliche Situation besser beurteilen und bewerten zu können.“

    Der 2018 erfolgten Umfrage nach geht der Anteil der Wege mit Kraftfahrzeugen um drei Prozentpunkte im Vergleich zur vorangegangenen Befragung in 2015 zurück und liegt noch bei 36 Prozent. Die aktuellen Werte für die weiteren Verkehrsarten liegen bei 27 Prozent für Wege zu Fuß, 19 Prozent Wege mit dem Rad und 18 Prozent für den Öffentlichen Nahverkehr. Die Umfrage bestätigt auch den Trend zu mehr Multimodalität, also einer situationsgerechten Wahl verschiedener Verkehrsmittel.

    Und dann stellt das Verkehrsdezernat etwas fest, was in den vergangenen Jahren schlichtweg eine völlig untergeordnete Rolle im Agieren des Dezernats gespielt hat: „Sichtbar werden Abhängigkeiten der Verkehrsarten-Entwicklung gerade innerhalb des Umweltverbundes und ein expliziter Handlungsbedarf zur Stärkung des ÖPNV als Rückgrat nachhaltiger Mobilität und zur Absicherung des insgesamt positiven Trends.“

    Denn die Anteile der einzelnen Verkehrsarten deutlich Richtung Umweltverbund zu verschieben, hat der Leipziger Stadtrat schon 2012 entschieden. Die Zahlen standen sogar schon seit 2010 fest. Aber wie eine Betonmauer trennte die Absicht, das zu erreichen, vom Willen, es tatsächlich zu tun.

    Verkehrsmittelwahl nach Entferungsklasse. Grafik: TU Dresden, SrV 2018
    Verkehrsmittelwahl nach Entfernungsklasse. Grafik: TU Dresden, SrV 2018

    Denn das hätte von Anfang an bedeutet: Ausbau des Straßenbahnnetzes und Ausbau des Hauptnetzes Rad. Beides passierte nicht. Die Entwicklung einer Mobilitätsstrategie kam erst ins Rollen, als der Stadtrat eine solche im Zusammenhang mit dem Nahverkehrsplan forderte. Und beim Hauptnetz Rad wurden die wertvollen Jahre regelrecht vertan. Der Anteil des Radverkehrs wuchs eben nicht deshalb, weil das Radwegenetz verbessert wurde, sondern weil die Leipziger selbst – auch aus Umweltbewusstsein – umgestiegen sind. Und nun erlebten, dass auf keiner einzigen Hauptstrecke die Konfliktstellen beseitigt worden waren.

    Die Auswertung der SrV-Befragung zeigt auch, wie sehr sich das Verkehrsverhalten in der inneren Stadt von dem an den Stadträndern unterscheidet. Hier wird deutlich öfter zu Fuß gegangen und mit dem Rad gefahren. Interessant ist auch die Verkehrsmittelwahl nach Entfernungsklassen. 10 Prozent der Leipziger legen tatsächlich selbst Wege unter 1 km mit dem Auto zurück. 73 Prozent gehen solche kurzen Strecken zu Fuß. Aber schon ab 1 bis 3 km Entfernung steigt der Autoanteil drastisch an auf 34 Prozent. Über 10 km sind es dann schon 74 Prozent. Was den hohen MIV-Anteil am Stadtrand (58,3 Prozent) ein Stück weit erklärt.

    Aber die jüngste Diskussion um den Nahverkehrsplan zeigte eben auch, dass in den äußeren Ortsteilen einerseits die ÖPNV-Anbindung oft mehr als lückenhaft und mager ist, egal, ob es Bus-, Straßenbahn- oder S-Bahn-Anbindungen sind. Und viele wichtige Radverbindungen vor allem stadteinwärts existieren einfach nicht oder sind lückenhaft und voller gefährlicher Passagen.

    Und die Untersuchung nach „Verkehrsmittelwahl nach Verkehrsleistung“ zeigt, dass Leipzig noch lange nicht angefangen hat, eine Stadt der umweltfreundlichen Verkehrsarten zu werden.

    Denn von den 21,6 Kilometern, die rechnerisch jede Leipzigerin und jeder Leipziger jeden Tag zurücklegt, entfallen 62 Prozent nach wie vor aufs Auto (bei 36,5 Prozent Anteil am Modal Split). Das heißt: Die Leute, die vorrangig mit Auto unterwegs sind, fahren damit auch mehr und weitere Strecken. Sprit ist ja billig. Man ahnt, wie sehr unsere heutige Arbeits- und Lebenswelt vor allem aufs Auto zugeschnitten ist und ganz und gar nicht auf ein funktionierendes ÖPNV-System. Der ÖPNV deckt nur 24 Prozent dieser täglichen Strecken ab, der Radverkehr sogar nur 11 Prozent.

    Wer das ändern will, muss tatsächlich über veränderte Verkehrsstrukturen reden. Was eigentlich 2012 schon klar war, seitdem aber viel zu oft wieder zerredet wurde.

    Die aktuellen Veränderungen kommen vor allem zustande, weil immer mehr junge Menschen ganz bewusst aufs Auto verzichten.

    Mehr als ein Drittel der Haushalte verfügt mittlerweile nicht mehr über einen eigenen Pkw, stellt das Verkehrsdezernat deshalb fest. „Mit einer Motorisierung von 396 Pkw je 1.000 Einwohner verfügen so wenig Einwohner wie letztmalig Ende der 1990er Jahre über ein Auto. Nachdem 2008, entgegen der Entwicklung der Vorjahre, ein Rückgang der Motorisierungskennziffer verzeichnet wurde, dauerte es 10 Jahre, um diesen merklichen positiven Rückgang erneut zu erreichen. Auch in allen städtischen Teilgebieten ist ein Rückgang der Motorisierungskennziffern festzustellen.“

    Am Forschungsprojekt „Mobilität in Städten – SrV 2018“ hatten sich mehr als 120 Städte und Gemeinden beteiligt. Das Kürzel SrV steht dabei für „System repräsentativer Verkehrsbefragungen“. Die TU Dresden begann mit den Befragungen 1972 und wiederholt sie seither aller fünf Jahre, in Leipzig erfolgt dies im Auftrag der Stadt Leipzig und der Leipziger Verkehrsbetriebe. Die Untersuchung findet ganzjährig statt und liefert wichtige Erkenntnisse und Grunddaten für die Verkehrsplanung.

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